Senioren_in_Spanien
Deutsche Senioren auf einer Bank in Palma de Mallorca. Foto: Jens Kalaene/dpa

Die Lebenserwartung in Deutschland liegt deutlich unter der in Spanien, Italien oder Frankreich und kommt damit nur auf Platz 18 der 28 EU-Länder. Übergewicht, Rauchen und Alkohol sind ein großes Problem.

Die Lebenserwartung in Deutschland steigt langsamer als in anderen EU-Staaten und ist deutlich kürzer als etwa in Spanien oder Italien. Die Bundesrepublik kommt damit im Vergleich der Gesundheitssysteme nur auf Platz 18 der 28 EU-Länder. Dies geht aus einem Länderbericht der EUKommission hervor. Eine Rolle spielen dem Bericht zufolge beeinflussbare Risiken wie Alkohol, Rauchen und Fettleibigkeit. Gleichzeitig gibt Deutschland besonders viel Geld für Gesundheit aus.

Dem EU-Report zufolge kann ein 2015 in Deutschland geborenes Baby statistisch gesehen mit einer Lebenserwartung von 80,7 Jahren rechnen – ein deutlicher Anstieg von den 78,3 Jahren im Jahr 2000. Die Menschen in Deutschland seien heute im Schnitt auch gesünder als damals, heißt es in dem Bericht. Allerdings wuchs die Lebenserwartung im EU-Schnitt schneller: nämlich von 77,3 Jahren auf 80,6 Jahre. Der deutsche Vorsprung von damals ist also fast verschwunden. In Spanien liegt die Lebenserwartung mit 83 Jahren deutlich höher als in Deutschland. Ebenso in Italien (82,7 Jahre), Frankreich (82,4 Jahre) und 14 anderen EU-Ländern. Eine kürzere Lebenserwartung (etwa 75 Jahre) haben die Menschen nur in Bulgarien, Litauen, Rumänien oder Ungarn.

Krebs als Todesursache nimmt zu

Die häufigsten Todesursachen in Deutschland bleiben Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Krebs. Erstere gingen aber seit dem Jahr 2000 zurück, während Krebs als Todesursache zunahm. Auch Demenzerkrankungen wie Alzheimer sind dem Bericht zufolge inzwischen deutlich häufiger für Todesfälle verantwortlich: Von 6000 Todesfällen im Jahr 2000 wuchs die Zahl 2014 auf 35.000.

Übergewicht, Rauchen und Alkohol sind in Deutschland nach Darstellung des Berichts ein größeres Problem als in anderen Ländern. Zwar tranken die Menschen in Deutschland mit durchschnittlich 11,0 Litern Alkohol 2015 zwei Liter weniger als im Jahr 2000. Trotzdem ist das immer noch ein Liter über dem EU-Durchschnitt. Beim gefährlichen „Rauschtrinken“ ist Deutschland auf Platz fünf aller EU-Länder. Jeder Dritte gibt an, sich gelegentlich zu betrinken.

Gesundheitsausgaben in Deutschland besonders hoch

Auch der Anteil fettleibiger Erwachsener liege mit 16 Prozent leicht über dem EU-Schnitt (15 Prozent) und habe sich seit 2003 um fast ein Drittel erhöht, heißt es weiter. 2014 rauchten 21 Prozent der Erwachsenen in Deutschland, was etwa dem EU-Schnitt entspreche. Der Bericht resümiert, dass bis zu 28 Prozent der „Krankheitslast“ auf verhaltensbedingte Risikofaktoren zurückgehe. Die Gesundheitsausgaben seien in Deutschland im EU-Vergleich besonders hoch, Rang zwei hinter Luxemburg: 2015 wurden pro Kopf 3.996 Euro ausgegeben. Das sind 43 Prozent mehr als der EU-Durchschnitt.

fel/dpa