Viele Menschen haben Angst davor, eine Präsentation oder Rede zu halten. Foto: unsplash / Marcos Luiz
Viele Menschen haben Angst davor, eine Präsentation oder Rede zu halten. Foto: unsplash / Marcos Luiz.

Ob bei einem Workshop im Job, der Hochzeitsrede oder bei einem Date: ständig müssen wir (uns) präsentieren. Viele Menschen haben jedoch ziemlich große Angst davor. Mit diesen Tipps wird deine nächste Präsentation ein Knaller. 

Mehr Menschen haben Angst davor, eine Rede zu halten als zu sterben: Laut einer Studie, die in der Publikation „The Book Of Lists“ veröffentlicht wurde, fürchten sich 41 Prozent der Menschen vor einer öffentlichen Rede. Angst vor dem Tod haben nur 19 Prozent. Überspitzt heißt das, dass die meisten Menschen lieber unter der Erde liegen würden, als die Grabrede zu halten.

Gleichzeitig wissen wir aus eigener Erfahrung, wie langweilig es sein kann, jemandem zuhören und zuschauen zu müssen, der mit Schrift überfüllte Powerpointfolien runterbetet und den Blick häufiger auf seine Papiere als ins Publikum richtet. Dabei geht das auch ganz anders.

5 Tipps für ein selbstbewusstes Auftreten

1. Bleib du selbst

Es klingt abgedroschen und ist trotzdem die wichtigste Regel: Es bringt nichts, sich zu verstellen. Natürlich gibt es trotzdem Dinge, die man vermeiden sollte (siehe die folgenden vier Punkte), aber darüber hinaus existiert kein Falsch. Es ist wichtig, dass man sich gut und sicher fühlt – und daran kann man arbeiten. Außerdem gibt es nicht die perfekte Art zu präsentieren. Jeder muss für seinen Charakter und den Redeanlass den passenden Weg finden. Und je wohler und sicherer ihr euch damit fühlt, desto besser werdet ihr präsentieren.

2. Unbewusste Kommunikation

Um sich sicherer zu fühlen, muss man seinen „blinden Fleck“ kennen. Eigentlich müsste es blinde Flecke heißen, denn davon gibt es nicht nur einen. Laut dem Eisbergmodell sind uns nur etwa zehn bis 20 Prozent unserer Kommunikation bewusst. Der große Rest bleibt unter der Oberfläche. Aber gerade diese 80 bis 90 Prozent, die unbewusst stattfinden, haben großen Einfluss – auch auf unsere Präsentation. Dazu gehören die Körpersprache, unsere Stimme und die Gestik. Deswegen lohnt es sich nach jedem Vortrag ein Feedback einzuholen oder den Vortrag aufzeichnen zu lassen.

80 Prozent unserer Kommunikation findet unbewusst statt. Foto: unsplash / Jeremy Bishop
80 Prozent unserer Kommunikation findet unbewusst statt. Foto: unsplash / Jeremy Bishop

3. Körpersprache richtig einsetzen

Zwei häufig auftretende Fragen sind „Wohin mit meinen Händen?“ und „Wo soll ich während meines Vortrags eigentlich hinschauen?“.

Blick: Wenn wir überlegen oder uns konzentrieren wollen, starren wir oft ins Leere. Um aber eine Verbindung zum Publikum herzustellen, ist vor allem der Blickkontakt entscheidend. Um nicht nur die eine Person, die gerade zufällig frontal vor einem sitzt, anzuschauen, gibt es einen Trick: den Blick von einem Rand den Publikums zum anderen schweifen lassen. Dabei können die Augen auf verschiedenen Personen ein bis zwei Sekunden ruhen.

Gestik: Wohin nur mit den Händen? Wer an Merkel denkt, kennt die Antwort: zwischen Hüfte und Brust liegt der sogenannte positive Bereich. Wer hier die Hände bei einer Rede verortet, hat eine bessere Körperspannung und -haltung. Natürlich sollten die Hände nicht in der immer gleichen Position verharren, sondern sich mit natürlichen Bewegung beim Sprechen frei entfalten. Das klappt vor allem dann, wenn man kleine Zettel oder Moderationskarten in der Hand hält, die die Bewegung nicht stören. Kleiner Tipp: Nehmt einen Stift in die Hand oder sucht euch eine bestimmte Haltung der Hände, in die ihr in Ruhephasen wieder zurückkommen könnt. Das gibt Sicherheit.

4. Üben, üben, üben

Üben ist einfacher gesagt als getan, wenn man nur ab und zu Präsentationen und Reden halten muss. Wenn wir dann wieder auf die Bühne müssen, fallen wir in alte Verhaltensmuster – auch wenn man sich ganz fest vorgenommen hat, diesmal wirklich nicht so oft „ähm“ zu sagen. Zwei Tipps. 1. Nehmt euch für jede Präsentation nur eine Sache vor, die ihr verändern wollt. Das reicht völlig aus und überfordert nicht. 2. Trainiert im Alltag. Das klingt erstmal verwunderlich, schließlich wollen wir beim Abendessen nicht agieren wie bei einer Präsentation. Aber wenn ihr zum Beispiel bei der nächsten Party seid, dann versucht mal, die Hände in den positiven Bereich zu nehmen und einen sicheren, hüftbreiten Stand zu finden. Denn es gilt: Was ihr euch im Alltag antrainiert, wird irgendwann zur Normalität.

5. Lampenfieber ist super

Ehrlicherweise: Ja und nein. Das Wichtigste vorweg: Bis zu einem gewissen Grad ist Lampenfieber mehr als gut. Wir haben eine schnellere Atmung und eine erhöhte Herzfrequenz. Das  wiederum erhöht die Aufnahmefähigkeit, verbessert unsere Körperhaltung und macht uns wacher. Es gibt also einen Zusammenhang zwischen dem eigenen Stresslevel und der Leistungsfähigkeit. Das haben die beiden amerikanischen Psychologen Robert Yerkes und John Dodson bereits 1908 herausgefunden. Ab einem gewissen Grad aber können uns Lampenfieber und die damit verbundenen Stresshormone hemmen. Dann kommt es im schlimmsten Fall zu einem Blackout. Aber nur sehr wenige Menschen haben ein so hohes Stressniveau. Wer sich dennoch runterbringen will, kann kurz vor dem Vortrag Atem- und Entspannungsübungen machen, oder gezielt seine negativen Einstellungen hinterfragen: „Was kann denn eigentlich im schlimmsten Fall passieren?“. Ansonsten gilt: Feuchte Hände und Herzklopfen tragen zum Erfolg bei.

Yerkes-Dodson-Kurve. Grafik: Johanna Röhr
Yerkes-Dodson-Kurve. Grafik: Johanna Röhr

5 Tipps für eine überzeugende Powerpoint

1. „Die Details sind nicht die Details. Sie bilden das Design“

Viele gute Powerpoint-Präsentationen haben schlicht ein gutes Design. Websiten wie Creative MarketEnvato und Presentationload bieten unter anderem Schriften, Piktogramme und auch Powerpoint-Vorlage an. Zum Teil sind die Downloads kostenlos. Bei einem wichtigen Anlass lohnt sich die Investition in eine der kostenpflichtigen Vorlagen. Solche Templates kann man nach dem Download duplizieren und an die eigenen Bedürfnisse anpassen – ganz ohne ein Designprofi zu sein. Generell gilt: Weniger ist mehr und kleine Details haben oft eine große Wirkung.

2. Struktur

Das Aufteilen einer Präsentation in größere Abschnitte ist häufig sinnvoll, damit die Zuhörer den Zusammenhang verstehen. Gleichzeitig sollte die Präsentation aber nicht aussehen wie eine wissenschaftlichen Arbeit (bis hin zu Punkt 3.2.2.3).

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Aufbau ist wichtig. Foto Joshua Ness via Unsplash

3. Weniger ist mehr

Je mehr Text auf deinen Folien steht, desto schneller verlierst du die Aufmerksamkeit deiner Zuhörer. Statt dir zuzuhören, lesen sie den langen Text oder – und das passiert leider häufiger – Nachrichten auf dem Handy. Deswegen haben Texte über zwei Zeilen in Präsentationen nur in Ausnahmefällen etwas zu suchen. Wer Platz für seine Gedanken braucht, der kann das Notizfeld im Powerpoint-Bearbeitungsmodus nutzen. Achtung: Damit die Notizen auch beim Präsentieren angezeigt werden, muss man die Referentenansicht unter dem Punkt Bildschirmpräsentation aktivieren.

4. Große Bilder und Geschichten statt einfach nur Fakten

Visuelle Inhalte sind definitiv der Punkt, der bei den meisten Präsentieren zu wenig Beachtung findet. Und dabei ist es so leicht eine Präsentation mit ein paar Bildern aufzuwerten. Auf Online-Datenbanken wie UnsplashPixabay und Pexsels kann man schöne Abbildungen finden. Auch kleine Piktogramme (Symbole) können eine Abwechslung zu Texten bilden, die findet man zum Beispiel bei Freepik. Kurze Zitate oder einzelne Worte sind ebenfalls geeignete Elemente, um als Redner eine Geschichte zu erzählen und dabei die volle Aufmerksamkeit zu bekommen.

Photo by Johnson Wang via Unsplash
Große Bilder. Foto: Johnson Wang on Unsplash

5. Bring Bewegung rein

Unser letzter Tipps ist für alle die mit ihrer Präsentation den Profistatus erreichen wollen: Baue Animationen ein. Und damit meinen wir nicht die gruseligen Übergangseffekte „Blitz“, „Zerfetzen“ oder „Rollen“, sondern Gifs und Videos. Wenn man zum Beispiel ein Twitterpost mit einem GIF einbauen möchte, kann man Bildschirmvideos über verschiedene Programme (zum Beispiel Quick Time bei Apple-Laptops) erstellen und dann als Video einfügen – dabei am besten die Option Dauerschleife aktivieren. Um eine Website zu zeigen, ist es sinnvoll sie beim Runterscrollen abzufilmen, statt viele einzelne Screenshots einzubauen. Einfügen kann man die fertigen Videos über den Punkt Einfügen->Video->Film aus Datei. Wichtig: Unbedingt unter dem Menüpunkt Start „Automatisch“ auswählen, damit das Video oder GIF reibungslos während der Präsentation abläuft. Abgefilmte Websites machen sich übrigens besonders gut in einem Mock-up: eine Abbildung, die beispielsweise einen Laptop zeigt, und in die man das Video einbaut. Beispiele für Mock-ups seht ihr in diesem FINK-Artikel.

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Johanna Röhr, Jahrgang 1991, sagt gerne etwas, kann aber auch zuhören - am liebsten wenn's um Sport geht. Und das immer brandaktuell auf Twitter. Sie liebt ihre Heimat München, Nilpferdbabys und gute Satire. Noch fühlt sie sich in Hamburg wie im Ausland, aber das wird sich bestimmt noch ändern. Sie ist Social-Media-Redakteurin bei Spiegel Online und Kommunikationstrainerin, hat aber auch schon als Stadionmoderatorin der Frauenmannschaft des FC Bayern gearbeitet. Sie ist Autorin eines Münchner Stadtführers. Modetrends findet sie cool, merkt das aber immer erst, wenn sie vorbei sind.
Harriet Dohmeyer, Jahrgang 1995, kommt vom Land, hat sechs Jahre lang auf einer Nordseeinsel gelebt, ist aber Hamburgerin aus Überzeugung. Sie bloggt mit Leidenschaft über Menschen mit einer Leidenschaft: Cafébesitzer, junge Designtalente oder Künstler. Auf ihren Entdeckungstouren und auf Reisen lässt sie sich von der urbanen Subkultur inspirieren. Ihre Fotoaufnahmen teilt sie auch auf Instagram, um wiederum anderen die Augen für schöne Dinge zu öffnen. Bei Gruner & Jahr hat sie in der Marketingabteilung gearbeitet. Kann nicht ohne: Fotoapparat. Kann nicht mit: Kopfkissen schlafen.