Adventskalendertürchen FINK.HAMBURG
Mein Vater schickt nach 45 Jahren zwei geklaute Engelsfiguren zurück. Die Antwort des Pfarrers geht ans Herz. Foto: pixabay, Grafik: Laura Lagershausen

Weihnachten ist die Zeit der Nächstenliebe und des Gebens. Für euren Support im ersten Jahr von FINK.HAMBURG möchte sich die Redaktion mit einem Adventskalender und persönlichen Weihnachtstipps bedanken.


Johanna Röhr (Ressort Mensch & Umwelt)

„Kurz vor Weihnachten ließt man in sämtlichen Zeitungen und auf Nachrichten-Websites Geschichten, die einem ans Herz gehen. Ich bin Romantikerin und liebe sie. Dass ich aber mal selber so eine virale Geschichte ins Netz stellen würde, hätte ich nicht gedacht.“


Meine persönliche Weihnachtsgeschichte

Mein Vater ist 66 Jahre alt – und einer der besten Menschen, die ich kenne. Großzügig, tolerant, humorvoll, ehrlich. Ein Mensch mit großem Herz – und ein Dieb. Das erfuhr ich zumindest vor ein paar Wochen, als er mir eine besonderen Geschichte erzählte:

Vor über 45 Jahren hatte er aus einem Landschulheim zwei Engelsfiguren entwendet. „Das war ein Jugendblödsinn“, wird er in einem Interview mit der Münchner Lokalzeitung „tz“ erzählen. Viele weitere Zeitungen, Radio- und TV-Sender werden die Geschichte noch aufgreifen.

Warum mein Papa die beiden Figuren mitnahm, weiß er heute gar nicht mehr so recht. Das schlechte Gewissen aber nagte jahrelang an ihm: „Seitdem ich sie auf dem Speicher meiner Mutter wiederentdeckt habe, standen sie bei uns in der Wohnung auf dem Regal. Und ehrlich gesagt: Ich hatte das Gefühl, dass sie von oben auf mich herabschauten.“

„Das macht normalerweise niemand“

Mein Vater wäre allerdings nicht mein Vater, wenn er sich von den Engeln weitere 45 Jahre hätte anstarren lassen und weiter nichts tun würde. Also überlegte er sich, die Engel dem zuständigen Pfarrer, aus dessen Landkreis er die Figuren vor so vielen Jahren entwendet hatte, zu schicken. In das Paket legte er ein Entschuldigungsschreiben.

Geläuterter Dieb schickt geklautes Gut zurück – bis hierhin klingt das noch gar nicht nach einer Geschichte, die ans Herz geht, ich weiß. Wäre da nicht der letzte Satz in dem Entschuldigungsbrief meines Vaters und alles, was darauf folgte: „Ich hoffe, die beiden finden bei Ihnen einen Platz und für mich gibt’s dann doch noch einen im Himmel“.

Für Pfarrer Huber war klar, dass die Geste nicht unbeantwortet bleiben darf. „Dass er die Engel zurückgeschickt hat, ist so sympathisch. Das macht normalerweise niemand – und es war ja auch nicht ganz humorfrei, sonst hätte er diese Schlussbemerkung nicht geschrieben“, sagt er der „tz“. Deswegen schickte er meinem Vater einen Antwortbrief. Einen mit ganz viel Herz:

Hinter den Türchen unseres FINK.HAMBURG-Adventskalenders verstecken sich persönliche Weihnachtstipps und -geschichten unserer Redakteure.