Der Klimawandel in Hamburg. Wassersport war dieses Jahr bereits im Mai möglich. Foto: Axel Heimken/dpa
Der Klimawandel in Hamburg. Wassersport war dieses Jahr bereits im Mai möglich. Foto: Axel Heimken/dpa

Dieser Mai war der wärmste Mai seit Beginn der Wetteraufzeichnungen – der Frühling insgesamt zu heiß. Alexander Hübener vom Hamburger Institut für Wetter- und Klimakommunikation (IWK) hat uns erklärt, wie das Wetter zustande kam.

FINK.HAMBURG: Warum hatten wir in der letzten Mai-Woche so heißes Wetter?

Alexander Hübener: Das lag an der sogenannten blockierenden Wetterlage, einem großen Hochdruckgebiet, das sich zwischen Island und Skandinavien befand. Normalerweise liegt der Hochdruckgürtel zu dieser Jahreszeit über der Mittelmeer-Region. Da er sich nach Norden verschoben hat, erreichten uns die typischen Atlantik-Tiefdruckgebiete nicht, die uns das kühlere und wechselhaftere Wetter bringen.

Waren die Temperaturen ungewöhnlich hoch?

Es war ein Rekord-Mai, wir hatten die wärmsten Temperaturen seit Beginn der Wetteraufzeichnungen. Diese reichen in Hamburg bis ins Jahr 1891 zurück. Im Schnitt haben wir in Hamburg im ganzen Jahr ungefähr 20 Sommertage mit über 25 Grad. Bevor der Sommer überhaupt angefangen hat, sind wir mittlerweile bei elf Sommertagen angekommen. Es ist ungewöhnlich, dass wir während so einer langen Phase drückend heißes Wetter haben.

Nach welchen Verfahren lässt sich die Temperatur auf Tage im Voraus genau bestimmen?

Um das Wetter vorauszuberechnen, werden die weltweit stärksten Computer eingesetzt. Die gigantischen Datenmengen aus der ganzen Welt müssen genormt und zeitgleich erhoben werden, damit sie vergleichbar sind. Dabei gibt es verschiedene Wettermodelle, die ihre Stärken und Schwächen haben. Manche Modelle sind beispielsweise bei der Vorhersage von Niederschlägen besser, andere bei der Temperaturmessung. Die Arbeit der Meteorologen besteht darin, die Werte einzuordnen. Außerdem hängt die Genauigkeit der Messungen mit der Wetterlage zusammen. Bei einem großräumigen Hochdruckgebiet, sind die Wettervorhersagen recht zuverlässig. Bei Unwettern gibt es in kurzer Zeit viele kleine Veränderungen. Dann sind meistens leider nur ungenaue Aussagen möglich.

Wie verlief der Frühling insgesamt?

Insgesamt war der Frühling zu heiß, zu trocken und zu sonnig. Die Monate April und Mai haben den schlechten Start in den Frühling wettgemacht. Viele haben vergessen, dass wir Ende März noch sechs Zentimeter Schnee in Hamburg hatten. Die Trockenheit ist ein Problem, die nicht nur der Mai hervorgerufen hat. Seit Februar ist es bereits zu trocken.

Alexander Hübener vor einer Wetterkarte, produziert für NDR aktuell.
Alexander Hübener vor einer Wetterkarte, produziert für NDR aktuell. Foto: Ted Koob

Während des Frühlings waren die Temperaturen auf Mallorca teilweise acht bis zehn Grad tiefer als in Hamburg. Ein unübliches Phänomen?

Nein, denn Mallorca ist eine Insel. Das Wasser erwärmt sich nicht so schnell wie die Landflächen. Hier im Norden ist es an den Küsten im Frühjahr auch kühler und frischer. Die Wassertemperaturen erreichen ihren Höhepunkt erst im September und nicht im Juni mit dem höchsten Sonnenstand.

Gibt es bereits Prognosen, wie sich der Sommer entwickeln könnte?

Der Juli weiß nicht wie der Mai war. Es ist ein bisschen wie beim Roulette. Nach ganz viel schwarz kommt auch mal rot. Nach ganz vielen trockenen Phasen wird es auch mal wieder nasser. Ob es im Juni oder im Juli passiert, oder ob es erstmal länger trocken bleibt, ist noch völlig offen.

Ist das Wetter auf den Klimawandel zurückzuführen?

Das zweite Halbjahr 2017 war eigentlich in Hamburg durchgehend zu nass, der Frühling zu trocken. Das sind die Folgen des Klimawandels. In den letzten Jahren haben wir dieses Muster häufiger erlebt. In der Zukunft wird diese Charakteristik ebenfalls vorkommen.

Verschieben sich die Jahreszeiten?

Manchmal hat man das Gefühl, dass der Frühling später dran ist. Der März war kalt und nass und die Vegetation musste erst einmal in Gang kommen. Die Sturmsaison verlagert sich auch manchmal nach hinten, sodass die Stürme mal früher, mal später auftreten. Insgesamt kann ich aber nur sagen, dass die Temperaturen in Hamburg global ansteigen. Der Wassergehalt in der Atmosphäre ist höher und dementsprechend sind die Regenschauer heftiger.

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Christopher Bahl, Jahrgang 1992, hatte in seinem Praxissemester für den lokalen Fernsehsender „Hamburg1“ viele Promis und Politiker vor der Kamera. Olaf Scholz traf er wöchentlich, aber auch Jorge González, bekannt aus „Germany‘s Next Topmodel“, und Fußball-Legende Uwe Seeler. Der studierte Bibliotheks- und Informationsmanager entdeckte dabei die Arbeit mit der Kamera für sich. Als Komparse ist er außerdem öfter Teil von Kinofilmproduktionen – zuletzt als Junggeselle bei „Gipsy Queen“. Beim Fernsehjournalismus will der gebürtige Hamburger gerne bleiben und irgendwann mal alle Hauptstädte Europas bereist haben. Kürzel: cb
Ted Koob, Jahrgang 1991, ist ein Kind Europas: Mit acht Jahren nahm der Luxemburger am Gesangswettbewerb „Zecchino d’Oro“ im italienischen TV teil. Außerdem spricht er luxemburgisch, deutsch, französisch, englisch und italienisch und hat in Belgien Musik studiert. Ted ist nicht nur ein Sprach-, sondern auch ein musikalisches Talent (Geige, Schlagzeug, Klavier). Deswegen arbeitete er nach dem Studium zunächst als Musiklehrer, entdeckte dann aber den Journalismus für sich. Ein zweites Bachelorstudium in Journalistik sowie Praxiserfahrung beim „Luxemburger Tageblatt“, dem ZDF und „11 Freunde“ bestärkten ihn im Berufswunsch. Nach der Arbeit lässt er den Tag gerne auf dem Rasen ausklingen und kickt in einer Hobby-Mannschaft. tek