„Tote Mädchen lügen nicht“ goes theatre: Der Theaterkurs der zehnten Klasse des Gymnasiums in Othmarschen hat den Roman von Jay Asher auf die Bühne des Monsun-Theaters in Altona gebracht. Am 10. und 11. September ist er dort noch einmal zu sehen. FINK.HAMBURG hat die Regisseurin Francois Hüsges getroffen. 

Die Netflix-Serie „Tote Mädchen lügen nicht“ (engl. „13 Reason why“) nach dem Roman von Jay Asher bekam in den Medien reichlich Aufmerksamkeit: Sinnvoll oder gefährlich? Darüber wurde heftigst gestritten. So warnten etwa Kritiker, dass die brutale und heroische Darstellung des Suizids einer Schülerin Nachahmertaten hervorrufen könne. Andere, wie etwa das Medienportal „Meedia“, lobten hingegen, dass schwierige, aber durchaus aktuelle Themen wie Mobbing, Gewalt, sexuelle Belästigung, Vergewaltigung und Selbsttötung aufgegriffen werden. Doch um was geht es eigentlich?

Wovon die Serie handelt

Clay Jensen erhält zwei Wochen nach dem Selbstmord seiner Mitschülerin Hannah Baker ein Päckchen mit Audiokassetten. Auf diesen zeichnete sie vor ihrem Tod 13 Gründe für ihren Suizid auf. Dabei benennt sie auch all jene Personen aus ihrem Umfeld, die sie für ihren Tod mitverantwortlich macht. Clay ist einer von ihnen. Er beginnt, alle Aufnahmen von Hannah anzuhören und kommt dadurch vielen Geheimnissen seiner Mitschüler der Liberty High auf die Spuren.

Suizid auf der Theaterbühne?

Die zehnte Klasse des Othmarschen Gymnasiums hat unter Leitung von Francois Hüsges das Stück „Tote Mädchen lügen nicht“ für die Bühne umgesetzt. Als Fans der Netflix-Serie haben wir uns in der FINK.Hamburg-Redaktion gefragt, wie man den Inhalt der Serie auf einer Theaterbühne entsprechend darstellen kann. Deshalb haben wir eine Aufführung im Monsun-Theater besucht und im Anschluss mit der Regisseurin gesprochen.

FINK.Hamburg: Wieso haben Sie sich für das Stück „Tote Mädchen lügen nicht“ entschieden?

Francois Hüsges: Ich habe selber Kinder, die die Netflix-Serie geschaut haben. Ich dachte mir, der Stoff ist ganz interessant. Daher habe ich mir in den vergangenen Sommerferien das Buch dazu geholt. Anschließend habe ich die zehnte Klasse bekommen und wir hatten die Idee, diesen Jugendroman für die Bühne zu adaptieren. Wir haben das Buch gemeinsam gelesen und uns damit auseinandergesetzt. Wir wollten nicht die Netflix-Serie nachdrehen, sondern bei dem Buch selbst ansetzen. Damit stieg das Interesse der Schüler: Sie begannen, eigene Sachen zum Stück zu schreiben, Monologe zu verfassen und Rollen nach und nach zu analysieren. Zudem haben wir dramaturgisch abgewogen, was wichtig ist. So ist das Projekt dann immer weitergewachsen.

FINK.Hamburg: Gab es Aufklärungsarbeit zu einer solch schwierigen Thematik? Wie wurde damit umgegangen?

Francois Hüsges: Es ist ein ganz heikles Thema. Es ist immer schwierig, mit der Frage umzugehen: Habt ihr was damit zu tun? Oder ist das bei euch vorgekommen? Ich selbst würde das auch nicht erzählen. Daher bin ich anders rangegangen. Denn in dem Stück geht es eigentlich darum, wie ein Gerücht entsteht und sich verbreitet und um die Auswirkungen. Und darum, wie anders jeder damit umgeht. Es gibt ganz krasse Themen in dem Stück, aber es ist eben auch die bittere Realität, die gezeigt wird. Jessica, die vergewaltigt wurde, aber es anschließend hinbekommt, möglichst „normal“ weiterzuleben. Hannah, die mit den vielen Schikanen nicht umgehen kann. Sie resigniert. In dem Stück geht es um Achtsamkeit, Toleranz und darum, dass wir in der heutigen Zeit Gerüchte so rasch verbreiten. Und dass Betroffene da so schnell nicht mehr herauskommen. Auch Außenstehende wissen oft nicht, wie sie dem Opfer helfen können. In dem Stück wollten wir die Perspektive auf die Auswirkungen lenken. Es ist ein Appell für mehr Offenheit, Toleranz und Aufmerksamkeit.

„Ein Appell an die Achtsamkeit und Toleranz in dieser Welt“

Tote Mädchen lügen nicht Monsun-Theater
Clay (li.) hört die Kassetten – nebendran: Die tote Hannah, die ihre Geschichte erzählt. Foto: Niklas Marc Heinecke

FINK.Hamburg: Das Bühnenbild ist sehr konzentriert. Die Protagonisten sind farblich unterschiedlich angezogen. Hat dies eine Bedeutung?

Francois Hüsges: Ja. Bei Jessica ist es so, dass ihr Leben zwar weitergeht, allerdings ist viel mehr Gewalt hinzugekommen. Sie hat jetzt sozusagen eine schwarze Seele entwickelt. Das Rot ist eine Warnung, die insbesondere von Hannah ausgeht.

FINK.Hamburg: Was war für Sie das Spannendste an diesem Theaterprojekt?

Francois Hüsges: Tatsächlich war es das konzeptionelle Arbeiten, die Verbindung zwischen Interaktionen auf der Bühne und dem Aufbrechen des Bühnengeschehens durch Choreographie (Anm. d. Red.: Verschiedene Tanzeinlagen während der Aufführung verstärken die Darstellung von Gefühlen). Spannend war auch, aussdrucksstarke Formationen zu erarbeiten – wie etwa einen Schwarm, der verschiedene Figuren umschlossen hat.  Auch der Hörspielcharakter hat seinen Reiz: Clay findet ja die Kasetten, auf denen Hannah ihre Gründe für den Suizid protokolliert hat, und hört sie an. Nicht zuletzt war es herausfordernd, Schüler zu finden  und für das Stück zu begeistern.

FINK.HAMBURG: Wie war die Resonanz?

Francois Hüsges: Das Stück kam so gut an und die Schüler hatten so viel Spaß, dass wir es nochmals am 11. und 12. September aufführen werden.

Ihr habt suizidale Gedanken? Hilfe bietet die Telefonseelsorge. Sie ist anonym, kostenlos und rund um die Uhr unter 0 800 / 111 0 111 und 0 800 / 111 0 222 und unter www.telefonseelsorge.de erreichbar. Eine Liste mit bundesweiten Hilfsstellen findet sich auf der Seite der Deutschen Gesellschaft für Suizidprävention.

Übrigens: Netflix selbst hat im August mit der Produktion der mittlerweile dritten Staffel der Serie begonnen.

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Einen Fischkutter in Franken? Den gibt’s – und zwar als Bar. Lisa Kretz, Jahrgang 1991, hat dort gelernt, unfallfrei Silvaner zu servieren. Fast ein Wunder, sagt sie doch über sich selbst, dass sie sogar über Hindernisse falle, die gar nicht vorhanden sind. Beruflich hat sie keine Schwierigkeiten, einer klaren Linie zu folgen. In Würzburg studierte Lisa BWL mit dem Schwerpunkt Medien. Für eine Boutique baute sie die Social-Media-Kanäle auf, fotografierte Outfits für Instagram und schrieb Blogbeiträge. Nach einem Praktikum in einer Münchner Werbeagentur entwickelt sie Social-Media-Kampagnen für ein Hamburger Tech-Startup – samt Videoproduktion. Und sie zeigt den Followern wie man einen Gastronomiebetrieb mit dem iPad organisiert.

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