So könnte das Zentrum des Bahnquartier aussehen. Foto: Adept mit Karres Brandes
So könnte das Zentrum des Bahnquartier aussehen. Foto: Adept mit Karres Brandes

Der Siegerentwurf für Hamburgs neuen Stadtteil Oberbillwerder wurde ausgewählt. Das Konzept „The Connected City“ legt den Fokus auf Sport, Gesundheit und Bewegung. Gegner des Bauprojektes sammeln Unterschriften gegen die Umsetzung.

Nach eineinhalb Jahren Beratungs- und Planungszeit wurde nun der Siegerentwurf „The Connected City“ für Hamburgs 105. Stadtteil Oberbillwerder ausgewählt. Das Konzept legt seinen Fokus auf die „Active City„: Sport, Gesundheit und Bewegung sollen eine wichtige Rolle spielen. Der neue Stadtteil teilt sich in fünf Quartiere auf.

Kleine Quartiere, große Lebensqualität

Plätze, auf denen man zusammenkommen kann, bilden das jeweilige Zentrum der Quartiere. Diese Art der Organisation soll eine nachbarschaftliche und familiäre Atmosphäre schaffen. Oberbaudirektor Franz Josef Höing sagt: „Der jetzt entwickelte Masterplan bietet eine gute Grundlage für ein neues lebendiges Stadtquartier in Oberbillwerder, unterschiedlichste Wohnlagen, Schulen und Kindergärten, neue Arbeitsorte und Freiräume.“

Darüber hinaus unterscheiden sich die Nachbarschaften: So ist das „Bahn Quartier“ dichter bebaut und bildet das Zentrum, während das „Blaue Quartier“ im Westen am Wasser liegt. Im Norden ist das „Agri Quartier“ geplant, welches wenig bebaut werden soll. Östlich liegen das „Grüne Quartier“, das vor allem als Bildungsstandort dienen soll, und das „Park Quartier“ mit vielen Grünflächen.

Nachhaltige Entwässerung

Oberbillwerder soll ein nachhaltiges Entwässerungssystem erhalten: Der auf den Landwirtschaftsflächen anfallende Regen soll in einem Wasserlauf gesammelt werden. Der im Nordwesten künstlich verbreiterte Wasserlauf soll eine effektive Ableitung des Wassers gewährleisten.

Das wichtigste Element der Entwässerung ist der Grüne Loop: Durch Gräben, Kanäle und Mulden hält die tiefergelegene Ebene bis zu 40 000 Quadratmeter Wasser zurück. So kann selbst Starkregen abgeleitet werden, sodass es zu keiner Überschwemmung kommt. Gleichzeitig bildet der Grüne Loop eine Grünfläche in der Mitte des Stadtteils.

Oberbillwerder steht für innovative Fortbewegung

Dr. Dorothee Stapelfeldt, Senatorin für Stadtentwicklung und Wohnen, betont, dass Oberbillwerder für verantwortungsvolle Stadtentwicklung im 21. Jahrhundert Modell stehen soll. „Mit naturnahem Wohnen, autoarm und trotzdem mobil, architektonisch ansprechend, ökologisch vorbildlich und, als in meinen Augen wichtigstes Kriterium, bezahlbar für Menschen aller Einkommensgruppen“, so die Politikerin.

Anwohnende sollen sich hauptsächlich auf dem Fahrrad, zu Fuß oder über den öffentlichen Nahverkehr fortbewegen. Geplant ist zudem ein flächendeckendes Tempolimit von 30 km/h. Im öffentlichen Raum soll es keine Parkflächen für Autos geben. Außerdem sollen Mobility Hubs geschaffen werden, also Sammelplätze für Leihfahrräder und Leihautos. Die Mehrbelastung des S-Bahnhofs Allermöhe wird durch längere Wagenreihen auf der Linie gelöst.

Oberbillwerder in der Kritik

Die Initiative Nein zu Oberbillwerder hat eine Onlinepetition gegen die Bebauung der Grünfläche in Billwerder gestartet. Das „Hamburger Abendblatt“ berichtet, dass mehr als 3000 Unterschriften gesammelt wurden. Die Gegner des Bauprojektes befürchten, dass der neue Stadtteil zum Ghetto werde. Gründe seien die weite Entfernung zur Innenstadt und der störungsanfällige öffentliche Nahverkehr. Weitere Kritikpunkte sind:

• Vertreibung seltener Tier- und Pflanzenarten
• 120 Hektar Versiegelung
• Störung des Wasserhaushaltes
• Zerschneidung der Landschaft durch die Straßenerschließung
• Zerstörung des Landschaftsbildes durch hohe Gebäude
• Überlastung der umliegenden Naturschutzgebiete
• hohe Kosten für Gründung im Marschboden
• Vernichtung der Existenzgrundlage von Landwirten und Reiterhöfe
Vorheriger ArtikelFliegerbombe in Wilhelmsburg entschärft
Nächster ArtikelRadverkehr: Das bringt 2019
Carl Lukas Gebhard, geboren 1993, ist gebürtiger Hamburger, also fast – er kommt aus Harburg. Seinen Bachelor und Master hat er in Göttingen in Gender Studies gemacht. In Zusammenarbeit mit dem Gleichstellungsbüro Northeim und Einbeck hat er mit Schülerinnen und Schülern Erklärvideos gedreht, zum Beispiel zu Transsexualität und Mobbing. Auch im Newsroom von FINK.HAMBURG setzt er sich für das Thema Gleichstellung ein. Seine Kühlschranktür ist voll mit Magneten aus der ganzen Welt. In Vietnam trank Lukas in sechs Stunden hundert Bier mit einheimischen Senioren – deren Sprache er danach auch etwas verstand. Ein Jahr jobbte er an der Rezeption der einzigen Jugendherberge in Sankt Moritz. Dreimal in der Woche ist er in Hamburg bouldern. Sein Ziel: krass werden. lg

Hinterlasse einen Kommentar

Please enter your comment!
Please enter your name here