Obdachlosigkeit ist ein Strukturproblem. Der bürokratische Aufwand, der betrieben werden muss, um an eine Wohnung zu kommen, ist groß. So groß, dass viele Obdachlose immer wieder in alte Verhaltensweisen zurückfallen.

Seit November läuft in Hamburg das Winternotprogramm. Menschen ohne Obdach können sich dort einen Schlafplatz im Warmen organisieren. Keiner müsste auf der Straße leben. Wenn man auf der Straße lebt, dann erscheint dies als eine aktiv getroffene Entscheidung – eine Entscheidung, die höchstens süchtige und faule Menschen treffen würden, so eine gängige Annahme. Dass Sucht meistens erst durch Obdachlosigkeit entsteht, und dass das Leben auf der Straße einen hohen organisatorischen Aufwand verlangt, wissen die wenigsten.

Die Klischees über das Thema Obdachlosigkeit behinderten die Arbeit mit obdachlosen Menschen, sagt Johan Graßhoff, Straßensozialarbeiter der Diakonie. Die Art wie Menschen, die einen festen Wohnsitz haben, mit Obdachlosen umgehen, habe drastische Folgen. Durch die ständige Stigmatisierung und das anstrengende Leben auf der Straße sinke das Selbstwertgefühl der Betroffenen. Die eigene Scham sei die größte Hürde beim Entkommen aus der Obdachlosigkeit. „Und auch Sucht entsteht häufig erst auf der Straße“, sagt Graßhoff.

Das Wohnproblem – Ein Strukturproblem

In Deutschland eine Wohnung zu bekommen ist schwierig. Es sei wie ein Spiel, sagt Johan Graßhoff: Man muss verschiedene Level meistern, um es bis zu einem Mietvertrag zu schaffen. Zunächst muss man Sozialleistungen beziehen, um für eine Wohnung berechtigt zu sein. Das Problem ist, das viele obdachlose Menschen keine Dokumente mehr besitzen, geschweige denn ein Konto. Um Leistungen beantragen zu können, muss ein Personalausweis erworben werden, und das kostet Geld. Um es weiter zu schaffen, muss man clean sein.

Hier liegt Graßhoff zufolge der Kern der Strukturproblems. Das niedrige Selbstwertgefühl sorge dafür, dass es schwierig sei, sich durch die Level zukämpfen. Häufig meisterten obdachlose Menschen einige dieser Ebenen, stießen dann aber auf Hürden, die so unüberwindbar scheinen, dass sie schnell wieder in alte Verhaltensmuster zurückfallen. Jedes Mal, wenn ein Level nicht gemeistert wird, landet man wieder auf der Straße. So verlieren die Menschen vertrauen ins System und das Selbstwertgefühl sinkt immer weiter.

Sieben Jahre obdachlos

Dem stimmt auch Chris zu. Er war sieben Jahre obdachlos. Im Gespräch mit FINK.HAMBURG sagt er: „Irgendwann schafft man den Sprung, aber das dauert, das ist ein harter Weg. Weil zu jemandem zu sagen: Bitte, bitte, das ist eine Hemmschwelle.“ Aber auch das Leben in einer Wohnung ist nach so langer Obdachlosigkeit nicht einfach. Auf die Frage: Was war am schwierigsten daran wieder in einer Wohnung zu leben, antwortet Chris eindeutig: „Struktur, Struktur halten.“ „Ich habe die ersten fünf Jahre keine Möbel angenommen. Ich hatte immer einen Rucksack, einen großen mit frischer Wäsche, eine Stange Tabak und Notgeld, weil ich immer im Kopf hatte, ich verliere die Wohnung eh wieder.“

Chris und Harald berichten als Stadtführer bei Hinz und Kunzt über Obdachlosigkeit aus der Perspektive der Betroffenen. Foto: Lena Maja Wöhler
Chris und Harald berichten als Stadtführer bei Hinz und Kunzt über Obdachlosigkeit aus der Perspektive der Betroffenen. Foto: Lena Maja Wöhler

Wie er es aus seiner Heimat Gelsenkirchen nach Hamburg geschafft hat, weiß er nicht mehr. Auf der Straße trank er täglich drei Flaschen Wodka. Mittlerweile trinkt Chris nicht mehr jeden Tag und arbeitet als Stadtführer bei Hinz und Kunzt. Der Umzug von der Straße in ein Haus war schwierig.

„Ich habe die ersten fünf Jahre keine Möbel angenommen“

Chris erzählt davon, wie schwer es ist, auf der Straße zu schlafen. Es sei zu laut und kalt. Der Boden ist hart und man muss auf seine Habseligkeiten Acht geben. Um schlafen zu können, fing Chris an, immer mehr zu trinken. Im Rausch war ihm die Sicherheit seiner Sachen egal. Irgendwann war alles egal. An eine Wohnung zu kommen, undenkbar. Häufig dürfe man nicht einmal in eine Unterkunft, wenn man nicht clean sei.

Kommunen und Polizei: Gesetzesbrecher?

Sozialarbeiter Johan Graßhoff spricht im Interview über den gesellschaftlichen Umgang mit Obdachlosigkeit. Foto: Johan Graßhoff.
Sozialarbeiter Johan Graßhoff spricht im Interview über den gesellschaftlichen Umgang mit Obdachlosigkeit. Foto: Johan Graßhoff.

Das Strukturproblem Obdachlosigkeit äußert sich nicht nur in den bürokratischen Schwierigkeiten dabei, es in eine Wohnung zu schaffen, sondern auch in der konkreten Behandlung von Obdachlosen durch Polizei und Kommunen. Im Umgang mit Obdachlosen werde das Gesetz verletzt, sagt Graßhoff: „In Hamburg gibt es das Sicherheits- und Ordnungsgesetz. Dieses Gesetz verpflichtet die Kommunen, alle Menschen, die nicht obdachlos sein wollen, unterzubringen – egal aus welchem Land sie kommen oder welchen sozial-rechtlichen Anspruch sie haben. An dieses Recht halten sich die Kommunen nicht. Es wird also täglich Recht gebrochen.“ Besonders hart treffe es obdachlose EU-Bürger_innen ohne deutsche Staatsbürgerschaft. Die Polizei berufe sich im Umgang mit diesen häufig auf den Paragraphen der Selbsthilfe, so Graßhoff.

„In jeder Kommune wird täglich Recht gebrochen“

Im Rahmen dieses Paragraphen biete die Polizei den Obdachlosen die Fahrt ins Heimatland an. Wenn diese das Angebot ablehnt, ziehe die Polizei den Schluss, dass diese Menschen freiwillig obdachlos sind. Und wer freiwillig obdachlos ist, für den sei die Kommune nicht mehr zuständig. Problematisch sei, dass die Obdachlosen oft keinen Bezug mehr zum Heimatland hätten. Oder, dass die Familie davon ausgehe, die obdachlose Person arbeite normal in Deutschland. Die Entscheidung, ins Heimatland zurückzukehren, ist also schwer.

Wie reagiert die zuständige Behörde

Marcel Schweitzer, Pressesprecher der Behörde für Arbeit, Soziales, Familie, Integration Hamburg widerspricht dieser Sichtweise. Er sieht die Probleme an anderer Stelle: „Bei öffentlich-rechtlicher Unterbringung handelt es sich grundsätzlich um eine Maßnahme der Gefahrenabwehr. Der Anspruch auf Unterbringung kann daher naturgemäß nur vorübergehend sein – bis die Gefahr der Obdachlosigkeit beendet ist.“ Weiterhin seien die Träger der Sozialhilfe zwar verpflichtet, bei der Beschaffung einer Wohnung zu helfen, müssten diese aber nicht gewährleisten. Schwierig werde es, wenn Sozialleistungsansprüche ausgeschlossen sind, so Schweitzer.

Viele obdachlose Menschen aus dem EU-Ausland hätten keine Ansprüche auf Sozialleistungen in Deutschland und könnten somit auch keine Wohnung bezahlen. Wenn aus Sicht der Behörde die Gefahr besteht, dass diese Menschen dauerhaft in Notunterkünften unterkommen, sei sie berechtigt, die Unterbringung zeitlich bis zu einer geordneten Rückreise in das Heimatland zu begrenzen, so Schweitzer.

„Weigert sich eine betroffene Person, Selbsthilfemöglichkeiten zu ergreifen, muss der Staat ihm keine Unterkunft geben.“

Das Ziel des Winternotprogramms in Bezug auf obdachlose EU-Bürger_innen ist: „Menschen ohne Ansprüche auf Sozialleistungen bei der Rückreise ins Heimatland helfen – und sie bis zur Rückreise unterbringen.“ Schweitzer geht auch auf den von Graßhoff erwähnten Paragraphen der Selbsthilfe ein: „Weigert sich eine betroffene Person, bestehende Selbsthilfemöglichkeiten zu ergreifen, muss der Staat ihm keine Unterkunft geben.“

Obdachlosigkeit: Auf der Suche nach einer Lösung

Obwohl Chris, Johan Graßhoff und Marcel Schweitzer unterschiedliche Sichtweisen auf Obdachlosigkeit haben, sehen sie alle ein Problem darin, wie mit dem Thema umgegangen wird. Chris wünscht sich mehr bezahlbaren Wohnraum in Hamburg. Außerdem müsse es eine Nachbetreuung für ehemalige Obdachlose geben, die auch mehrere Jahre andauern können soll. Schweitzer betont, dass die Frage gegenüber obdachlosen EU-Bürger_innen eigentlich lauten müsste: „Wie kann man diesen Menschen helfen?“

Graßhoff schlägt eine neue Perspektive auf das Thema Obdachlosigkeit vor, einen „Paradigmenwechsel“. Obdachlosigkeit in Deutschland werde verwaltet und nicht beendet. Graßhoff bezieht sich dabei auf die meist niedrigschwelligen Angebote für Obdachlose – „Noch eine Suppenküche mehr, noch eine Tagesaufenthaltsstätte mehr.“ Stattdessen müsse es mehr Prävention geben. Menschen sollten gar nicht erst obdachlos werden. Weiterhin müssten mehr Projekte initiiert werden, deren Ziel der Weg aus der Obdachlosigkeit ist. Eine Lösung könnte Graßhoff zufolge das Konzept „Housing First“ sein. Das Konzept sieht vor, der obdachlosen Person erst die Wohnung zu geben und dann freiwillige Hilfe anzubieten: „In Berlin und Köln, aber vor allem im Ausland funktioniert das schon gut.“

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Carl Lukas Gebhard, geboren 1993, ist gebürtiger Hamburger, also fast – er kommt aus Harburg. Seinen Bachelor und Master hat er in Göttingen in Gender Studies gemacht. In Zusammenarbeit mit dem Gleichstellungsbüro Northeim und Einbeck hat er mit Schülerinnen und Schülern Erklärvideos gedreht, zum Beispiel zu Transsexualität und Mobbing. Auch im Newsroom von FINK.HAMBURG setzt er sich für das Thema Gleichstellung ein. Seine Kühlschranktür ist voll mit Magneten aus der ganzen Welt. In Vietnam trank Lukas in sechs Stunden hundert Bier mit einheimischen Senioren – deren Sprache er danach auch etwas verstand. Ein Jahr jobbte er an der Rezeption der einzigen Jugendherberge in Sankt Moritz. Dreimal in der Woche ist er in Hamburg bouldern. Sein Ziel: krass werden. lg

2 KOMMENTARE

  1. Sehr geehrte Damen und Herren,
    die verschiedenen Berichte über Obdachlosigkeit in Hamburg bedürfen, meiner Ansicht nach, einer Richtigstellung, bzw. Betrachtung aus anderer Sicht.
    Jedes Schicksal das zur Obdachlosigkeit führt ist ein Einzelschicksal, die Wege heraus aus der Obdachlosigkeit bedürfen einer Hilfe durch erfahrenen Menschen.

    Die Aussagen von betroffenen Obdachlosen beruhen oft nicht auf eignen Erfahrungen, sondern entstehen durch Mundpropaganda auch unter den Obdachlosen. Wie Gerüchte entstehen sollte Ihnen bekannt sein.
    Hier zu meinen Erfahrungen als ehemaliger Obdachloser (wenn es auch schon 30 Jahre zurück liegt, wo ich für 3 Jahre Winter und Sommer den Naturgewalten ausgesetzt war) und jetzt Helfer in dem „Förderverein Winternotprogramm Hamburg“ bin.

    Das Hamburger Winternotprogramm hilft allen Menschen in Hamburg die obdachlos sind !
    Mit Unterkunft für die Nacht (Fördern &Wohnen), einer warmen Mahlzeit, Salaten, Nachspeise und schön belegten Broten (Förderverein Winternotprogramm e.V.), Sicherheit für diese Gäste (Sicherheitsdienst), Menschlichkeit, Wärme, und weiterer sozialarbeiterischer Hilfe um die Obdachlosigkeit zu beenden.
    In den beiden Unterkünften (Friesenstrasse und Kollaustrasse) sind noch genügend freie Plätze vorhanden.
    Wenn Sie einen hilfsbedürftigen Menschen sehen, bieten sie diesem an ihn dorthin zu bringen.
    Ein paar alkoholisierte Obdachlose am Eingang zu den Unterkünften ist kein Spiegelbild dessen, wie es in dem Haus ist. Dort geht es gesitteter zu als in manchem Reihenhaus.
    Das die wohnungslosen Gäste tagsüber das Haus verlassen müssen hat viele Gründe. Hygienemassnahmen (Reinigung) um die Gäste vor Krankheiten zu schützen ist kein vorgeschobener Grund, sondern wird auch von vielen Gästen begrüsst. Wer seine Lebenssituation ändern will bekommt durch die sozialarbeiterische Hilfe in den Einrichtungen von „Fördern & Wohnen“, die Unterstützung nicht nur zur Selbsthilfe. Dazu müssen Behördengänge in Kauf genommen werden. Man hat also Wochentags auch Aufgaben zu erledigen.
    Alleine schafft es niemand aus der Obdachlosigkeit zu entfliehen!
    Den Gästen, welche den Willen haben und Hilfe annehmen können kann geholfen werden.
    Nun weiss ich aus eigener Erfahrung, dass dieses „Hilfe annehmen können“ ein völliges Umdenken zu der Erfahrung auf der Strasse bedarf. Die Enttäuschungen durch Behörden und Menschen haben sich tief eingegraben. Das wird dann mit Lebenserfahrung gleichgesetzt und einem „da gehe ich nie wieder hin“, womit staatliche Einrichtungen gemeint sind.
    Hier ist, meiner Meinung nach, ein wichtiger Ansatz um die Obdachlosigkeit ein wenig in den Griff zu bekommen.
    Es geht darum diesen Menschen ein neues Vertrauen zu geben !
    Ich weiss, wie die kleinsten Freundlichkeiten, eine Schulterberührung, ein kurzes Gespräch, eine warme Suppe, ein paar neue Schuhe, ein neuer Pullover (keine Lumpen aus der Altkleidersammlung), ein gekochtes warmes Ei, etc. mir Wärme und Hoffnung gegeben haben und eines Tages auch den Mut wieder Hilfe annehmen zu können, was Voraussetzung für eine Veränderung war.
    Auch als diese Voraussetzung zur Veränderung vorhanden war, habe ich mich noch geweigert die Hilfe einer Sozialbehörde anzunehmen. Hier hat es viel Überzeugungsarbeit eines einfühlsamen Sozialarbeiters, Menschen die mir Mut gemacht haben und Wege aufgezeigt haben, geben müssen, um Kompromisse eingehen zu können.
    Ja, ich musste erst wieder lernen, dass das Leben aus Kompromissen besteht.
    Viele sehen keine Chance mehr aus Ihren angehäuften Schulden herauszukommen. Ein erfahrener Schuldenberater kann da schnell Wege aufzeigen und auch diese begleiten, sowie die erforderlichen Verhandlungen mit Banken etc. führen. Schuldsummen von 10.000 € bis 200.000 € waren da nach ein paar Wochen geregelt. Auch Banken und Gläubiger wissen was Kompromisse sind.
    Als ich und einige meiner Freunde (ich hatte wieder echte Freunde, nicht nur Schicksals- und Saufkumpanen) uns nach einigen Jahren wieder trafen, waren die Schulden ein Stück Lebenserfahrung über die wir lächeln konnten.
    Andere Freunde hatten Probleme in der Familie. Alle haben heute ihre eigene glückliche Familie. Geht ja auch nur mit Kompromissen. Das „schwarze Schaf“ in der Familie sind sie längst nicht mehr. Oft heute sogar Vorbilder.
    Wie gesagt, die Probleme der Obdachlosen sind vielseitig.
    Deshalb muss auch vieles dagegen getan werden.

    Meine Vorschläge:
    1.) Mehr gut ausgebildete Sozialarbeiter, für die auch Fortbildungsmassnahmen geplant werden müssen, incl. Supervisionen um neue Kraft für einen aufreibenden Job zu schöpfen.
    2.) Ein verbessertes Streetworker-Programm (Ausbildung).
    3.) Mehr betreute Wohngemeinschaften für Obdachlose als Übergangsmöglichkeit, damit die Sozialarbeiter auch etwas anbieten können.
    4.) Suchtberatung durch Fachkräfte + ehemalige Selbstbetroffene
    5.) Unterstützung der Sozialarbeiter durch Psychologen !
    6.) Diese Massnahmen bedürfen der städtischen Organisation (z.B. F&W,) unter Einbindung weiterer Einrichtungen (Z.B. SAGA, Förderverein ,Diakonie, Caritas, Mitternachtsbus, Alimaus, Frauenhäuser, etc.), nach dem Motto „Zusammen können wir etwas erreichen“.

    Es schadet den Obdachlosen, wenn die Massnahmen der Stadt schlecht geredet werden, anstatt diese Bedürftigen über die vorhandenen Hilfsangebote richtig aufzuklären.
    „Hinz und Kunzt“ ist ein wichtiger Pfeiler um auf die Situation der Obdachlosen aufmerksam zu machen und die Bevölkerung zu sensibilisieren. Die Verkäufer machen schon allein durch ihre Verkaufstätigkeit auch einen Hilfsdienst.
    Mich bedrückt, dass gerade aus diesen Kreisen die bisherigen Toten des Winters kommen.
    Diese Verkäufer sind aber ein verschwindend kleiner Teil der Obdachlosen.
    Die meisten Obdachlosen werden vom „Normalbürger“ nicht auf der Strasse erkannt. Das Schamgefühl ist bei den meisten Obdachlosen sehr ausgeprägt.

    Auch Alkohol- und Drogenprobleme, psychische Erkrankungen, hier besonders Realitätsverlust sind Grund- und Folgeerscheinungen vieler Bedürftiger.
    Nur durch Vertrauen, Wärme und leider manchmal auch nur durch einen „Tritt in den Hintern“, z.B. morgens wieder auf die Strasse gesetzt werden (so war es bei mir) kommt der Wunsch zur Veränderung.

    Ich bin überzeugt, das die Hamburger Bürgerschaft weitere Übernachtungsmöglichkeiten zur Verfügung stellt, sobald die vorhanden Plätze des Winternotprogramm ausgeschöpft sind.

    Für manche ältere Gäste im Winternotprogramm ist es allerdings wirklich nicht zumutbar, dass diese um 9 Uhr morgens wieder raus müssen. Es gibt da schon Menschen, die auf Rollstuhl, Rollator oder anderen Gehhilfen angewiesen sind.
    Und es gibt auch andere körperlich Gebrochene. Für diese ca. 5 % sollten andere Hilfen gefunden werden.

    Auch psychisch besonders auffällige Menschen (bis zum Korsakow-Syndrom) sollten einer speziellen Behandlung zugeführt werden, bevor Sie in den Schlagzeilen der Boulevardpresse erscheinen. Ein Problem, dem sich, vielleicht wegen der geschichtlichen Vergangenheit, niemand stellt !

    Das Thema Prävention muss abgekoppelt betrachtet werden. Das ist teilweise wieder ein gesellschaftspolitisches Problem, was uns alle betrifft.

    Hamburg ist eine grosse Stadt mit wunderbaren Menschen. Ich meine, einmalig grossartigen Menschen (im deutschen Vergleich zu anderen Grossstädten. Ich war auch in München obdachlos).
    Das wurde mir am letzten Samstag erst wieder bewusst. Ich war Helfer beim Förderverein Winternotprogramm e.V.. Wir haben, in einer Aktion, die Gäste in Friesenstrasse und Kollaustrasse mit neuen Winterschuhen, Strümpfen, wärmenden Schuheinlagen, Rucksäcken in allen Größen versorgte. Dies war möglich durch die vielen Hamburger Menschen, die uns das durch eine Spende ermöglicht haben. Das soll in den nächsten Wochen auch durch andere Aktionen fortgesetzt werden.
    Die Dankbarkeit, die ich bei dieser Aktion erfahren habe, möchte ich gerne den Hamburgern weitergeben. Manche der Obdachlosen hatten Tränen in den Augen, mache haben sich herzlich bedankt und wir haben ein Schulterklopfen oder einen Händedruck zurück bekommen.
    Mir ist besonders das Gespräch mit einem älteren Herren im Gedächtnis geblieben, der mir sagte: “ Das ist ja toll, was ihr hier macht. Die Schuhe habe ich dringend gebracht. Das Essen war prima und die Schlafplätze sind fast wie im Hotel. Ich glaube, sowas gibt es nur in Hamburg. Es muss wohl mit der hanseatischen Mentalität zusammen hängen!?“
    Danke den Hamburgern.

    Julian

    • Hallo Julian,
      vielen Dank für die ausführliche Nachricht, Deine persönliche Sichtweise und die Vorschläge.
      Viele Grüße,
      FINK.HAMBURG

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