Creative Gaming Festival

Play 18: Wenn Zocken die Welt verbessert

Beim Videospielen die Welt verbessern? Das geht – sagen die VeranstalterInnen der Play 18. FINK.HAMBURG Redakteurin Melina Deschke war auf dem Creative Gaming Festival und hat’s ausprobiert.

Es geht in Spielen oft darum, virtuelle Welten zu retten. Doch wie retten wir unsere eigene? Diese Frage stellen sich die BesucherInnen der Play 18. Unter dem Motto „Ready Game Change – Create a New Tomorrow“ will das diesjährige Creative Gaming Festival in Hamburg mit Videospielen die Welt verändern.

Temporäres Entwicklerstudio

In einem Labyrinth aus weißen Zelten, die mit Lichterketten behangen und durch Gängen verbunden sind, sitzen Kinder und Jugendliche und entwickeln textbasierte Videospiele oder zeichnen sich ihre eigenen Spielhelden. „In dem Studio-Zukunft kann man alle Schritte des Game Design durchlaufen“, erzählt Vera Marie Rodewald, die künstlerische Leiterin des Festivals.

Dabei fangen die BesucherInnen bereits an der absoluten Basis an: beim Bau von Controllern aus Elektroschrott. Recycling als Zukunftskonzept in der Videospielindustrie? Material für die Controller haben sie von der Eröffnungsfeier: Auf der Bühne zertrümmerten Kinder feierlich eine Playstation 4 mit Axt und Hammer.

Spielbare Ausstellung

Was mit unserer Erde passiert, wenn wir sie weiter ausbeuten, können die BesucherInnen der Ausstellung des Festivals in verschiedenen Spielen („Planetarium“ und „Imagine Earth“) selber ausprobieren. „Wir wollen die Problemlagen der Gegenwart mithilfe von Videospielen sichtbar machen, um vielleicht gemeinsam Lösungen zu finden“, erzählt Vera-Marie Rodewald. Welchen Beitrag Spiele jetzt schon für ein besseres Morgen leisten, weiß ihre Kollegin Valentina Birke, Kuratorin der Ausstellung: „Ich glaube, dass es die Empathie fördert, in Spielen in anderen Rollen zu schlüpfen.“ Auf dem Festival versetzten sich die Besucher so in eine Familien auf der Flucht vor Krieg („Fuir la guerre“) oder die Angestellten eines Arbeitsamtes („Amtliche Helden“). Egal, in welche virtuelle Rolle man schlüpft, durch Videospiele wird auch die echte Welt ein kleines bisschen besser.

Das nächste Play Festival findet vom 14. bis 17. November 2019 statt.

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Melina Deschke, geboren 1992, kommt aus dem Pott. In Hamburg hat sie sich schon 2013 verliebt, während einer Hospitanz bei der Gaming-Sendung „Reload“, die vom ARD-Digitalkanal „Einsplus“ ausgestrahlt wurde. Dort sammelte sie ihre ersten Erfahrungen im Videoschnitt. Bereits zuvor spielte sie bei einem Praktikum in der Redaktion von „Vorzocker“ beruflich Videospiele. In Düsseldorf studierte sie Kommunikationsdesign und fand heraus, dass sie lieber kommuniziert als designt. Für den Hochschulsender „Paradise Park“ berichtete sie von Kunst- und Kulturveranstaltungen. Im Falle einer Zombie-Apokalypse wird Melina zu den wenigen Überlebenden gehören: Für ihre Bachelorarbeit schaute sie mehr als 100 Zombie-Filme. Kürzel: meld