In der Fußball-Bundesliga sind regelmäßige Trainerwechsel gang und gäbe. Aber zu welcher Zeit der Saison werden eigentlich die meisten Trainer ersetzt? Entlässt der HSV tatsächlich mehr Trainer als alle anderen Bundesligisten? FINK.HAMBURG hat’s recherchiert.

Das Trainerkarussell der Bundesliga nimmt jedes Jahr wieder Fahrt auf. In der aktuellen Saison ist es bis jetzt erstaunlich ruhig. Den einzigen Trainerwechsel gab es am siebten Spieltag: Stuttgart-Trainer Tayfun Korkut wurde entlassen, Markus Weinzierl ersetzte ihn. Auch wenn der HSV mittlerweile in der zweiten Liga spielt, hat auch der Nordklub Christian Titz vor die Tür gesetzt. Dort heißt der neue Coach Hannes Wolf. Zwischen all den gefühlten Wahrheiten darüber, wann, wo, wie oft und warum Vereine ihre Trainer wechseln, wird es nun mal Zeit für etwas Statistik.

Wann wechseln die Trainer?

Die meisten Trainerwechsel finden – wenig überraschend – in der Winterpause (nach dem 17. Spieltag) oder zum Saisonende statt. Spielt eine Mannschaft zum Saisonstart schlechter als erwartet, bleibt den Trainern oft noch eine Schonfrist. Am achten Spieltag scheint diese Geduld besonders häufig vorbei zu sein.


Genau wie zu Beginn der Saison halten die Vereine auch an den drei letzten Spieltagen an ihren Trainern fest. Das Gleiche gilt für den 13. Spieltag. Hier liegt die Erklärung allerdings nicht so nahe, vielleicht liegt es einfach an abergläubischen Managern?

Ist eher die Schmach einer Niederlage vor dem eigenen Publikum oder die fehlende Unterstützung in fremden Stadien ein Entlassungsgrund? Tatsächlich gibt es kaum eine Präferenz. Ein leichtes Übergewicht an Entlassungen nach Auswärtsspielen gibt es in der Bundesliga zwar, die 5,5 Prozent Unterschied sind aber fast zu vernachlässigen. Interessanter wird es, wenn man sich die Vereine einzeln anschaut.

Während der 1. FC Köln 19 von insgesamt 23 Trainern nach einem Auswärtsspiel entlassen hat (83 Prozent), wurden bei Eintracht Frankfurt nur sechs von 22 Trainern auswärts entlassen (27 Prozent). Es sind die Extrembeispiele aus den Top 18 der ewigen Bundesliga-Tabelle. Der Hamburger SV liegt im Mittelfeld – von 29 Trainern wurden unter der Saison 13 nach Auswärts- und 16 nach Heimspielen entlassen.

Welche Vereine muss ein Trainer fürchten?

Den Zeitpunkt einer Entlassung könnte man auch am vorigen Gegner festmachen. Nach Spielen gegen welche Mannschaften fliegen Trainer besonders häufig? In der gesamten Bundesliga-Historie wurden Trainer am häufigsten nach Spielen gegen den Hamburger SV (40 Mal), den FC Bayern München (39 Mal) und den SV Werder Bremen (31 Mal) entlassen. Wenig überraschend – es sind schließlich die drei Mannschaften mit der längsten Bundesligazugehörigkeit. Für einen besseren Vergleich schauen wir lieber, wie viele Trainer im Zehnjahresschnitt gegen ein Team herausfliegen.

Tatsächlich liegt auch hier der FC Bayern München mit durchschnittlich 7,36 Trainern weit vorne – auf Augenhöhe mit dem VfL Bochum und dem Hamburger SV. Der größte Trainer-Killer ist aber der Karlsruher SC. Eine kleine Beruhigung für alle aktiven Bundesliga-Trainer: Nachdem der KSC in der vergangenen Saison knapp den Aufstieg in die zweite Liga verpasst hat, ist er noch mindestens zwei Jahre von der Bundesliga entfernt.

Welche Vereine wechseln besonders häufig ihre Trainer?

Jedem Fußball-Fan würde da vermutlich ein ganz bestimmter Kandidat einfallen – der Hamburger SV. Die Statistik bestätigt die Vermutung: Mit 15 Trainerwechseln seit 2010 ist der Verein Spitzenreiter. Mit dem VfL Wolfsburg kommt ein weiterer Nordklub relativ schlecht weg: Elfmal tauschten die Niedersachsen den Verantwortlichen an der Seitenlinie. Da kann im Süden Deutschlands nur der VfB Stuttgart mithalten. Hinzuzufügen ist aber, dass die Schwaben in der Saison 2016/17 in der zweiten Bundesliga spielten und dort auch einmal den Trainer wechselten. Dieser Wechsel ist nicht mit in die Statistik eingeflossen. Berücksichtigt wurden nur Trainerwechsel im Oberhaus.

Was im jetzigen Jahrzehnt der Norden ist, war in den 2000ern der Westen. Gleich drei Teams aus Nordrhein-Westfalen wechselten ihren Übungsleiter mehr als zehnmal. Im Gegensatz dazu verschliss der Hamburger SV in dem Jahrzehnt mit sieben Trainern  weniger als die Hälfte als in der darauffolgenden Dekade. In den 1990ern wechselte er sogar nur sechsmal den Trainer. Damals war der Verein weit weg von seinem Image, in regelmäßigen Abständen den Trainer auszutauschen. Diesem Ruf wurden damals eher Eintracht Frankfurt und der VfB Stuttgart gerecht.

Woher kommen die Trainer?

Gibt es eigentlich auch eine Präferenz aus welchem Bundesland die Trainer kommen? Bei der Herkunft der Trainer der ersten Fünf der ewigen Tabelle gibt es eine klare Tendenz: Die meisten deutschen Trainer der gesamten Bundesliga-Historie kommen aus Nordrhein-Westfalen. Übrigens: Bayern München und der Hamburger SV holten bisher mehr ausländische als deutsche Trainer.

Beim Rekordmeister aus dem Süden liegt das auch daran, dass sich die Trainer aus dem Ausland als besonders erfolgreich erwiesen. Bei Bayern München holten insgesamt elf verschiedene Trainer zusammen 27 Meistertitel. Sechs davon kamen aus dem Ausland. Somit holten bis auf die beiden Österreicher Max Merkel und Ernst Happel alle ausländischen Trainer mit Bayern München den Meistertitel. Einer von ihnen war Branko Zebec, er schaffte den Titel später auch noch einmal mit dem Hamburger SV.

Hamburgs erfolgreichste Zeit war Ende der 1970er und Anfang der 1980er Jahre, wo der Verein drei Meistertitel mit zwei ausländischen Trainern erreichte.

Borussia Dortmund und der VfB Stuttgart bevorzugten in ihrer langen Historie immer Trainer aus ihrer Region. Die größten Erfolge feierten beide Teams aber mit Trainern aus anderen Bundesländern. Ottmar Hitzfeld und Jürgen Klopp, die mit dem BVB zusammen vier Meisterschaften, einen Champions-League-Titel und einen Pokalsieg holten, stammen beide aus Baden-Württemberg. Beim VfB Stuttgart dagegen kommen die drei Meistertrainer aus unterschiedlichen Regionen in Deutschland.

Zum Schluss bleibt dann noch der SV Werder Bremen, der unter den Top fünf der ewigen Bundeliga-Tabelle die wenigsten Trainerwechsel aufweist. Der Verein von der Weser hatte mit sechs ausländischen jedoch überdurchschnittlich viele internationale Trainer.

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Björn Rohwer, Jahrgang 1993, liebt drei Dinge: Sport, Musik und Technik. Während er beim Sport lieber zuschaut, ist er bei der Musik mit vollem Einsatz dabei. Seit seinem sechsten Lebensjahr singt der studierte Musikwissenschaftler im Knabenchor, spielt Klavier, Saxophon und Klarinette. Zum Journalismus hat ihn seine dritte Leidenschaft gebracht: die Technik. Für verschiedene Gamingformate rezensiert er Videospiele, führt Interviews und verfasst Hintergrundberichte. In seinem 2014 erschienenen Buch „Unnützes Wissen für Gamer“ gibt er die Antwort darauf, warum Super Mario einen Schnauzbart trägt oder wieso Lara Croft eine große Oberweite hat. Das Buch hat er während eines Kreuzbandrisses geschrieben, den er sich beim Schulsport zuzog. Das Ende der Sportlerkarriere war der Anfang des Schreibens. Kürzel: bro
Ted Koob, Jahrgang 1991, ist ein Kind Europas: Mit acht Jahren nahm der Luxemburger am Gesangswettbewerb „Zecchino d’Oro“ im italienischen TV teil. Außerdem spricht er luxemburgisch, deutsch, französisch, englisch und italienisch und hat in Belgien Musik studiert. Ted ist nicht nur ein Sprach-, sondern auch ein musikalisches Talent (Geige, Schlagzeug, Klavier). Deswegen arbeitete er nach dem Studium zunächst als Musiklehrer, entdeckte dann aber den Journalismus für sich. Ein zweites Bachelorstudium in Journalistik sowie Praxiserfahrung beim „Luxemburger Tageblatt“, dem ZDF und „11 Freunde“ bestärkten ihn im Berufswunsch. Nach der Arbeit lässt er den Tag gerne auf dem Rasen ausklingen und kickt in einer Hobby-Mannschaft. tek
Paula Loske-Burkhardt, Jahrgang 1995, dippt gerne italienische Pizza in Apfelmus. Bislang war PR ihr Spezialgebiet: Ihren Bachelor in Öffentlichkeitsarbeit und Unternehmenskommunikation machte sie an der FH Kiel. Während des Studiums hat sie bei einer Fluggesellschaft und in der Pressestelle der Hochschule gearbeitet. Der höchste Berg, den sie je bestiegen hat, ist über 4000 Meter hoch und steht auf Borneo, jedes Jahr wandert und klettert sie in den Alpen. Sie hat ein Jahr in Brasilien gelebt und reist auch sonst gern durch Lateinamerika. Unterwegs übernachtet sie auf den Couches von Fremden. In Griechenland hat sie drei Tage bei einer 90-Jährigen und deren Sohn gewohnt, obwohl sie sich mit beiden rein gar nicht verständigen konnte. Immerhin musste sie so nicht am Strand schlafen. pal
Henrik "Harry" Bahlmann, Jahrgang 1994, ist seit zehn Jahren Praktikant im Installationsbetrieb seines Vaters. Mittlerweile kann er sogar gerade flexen. Wenn er irgendwo Fußball hört, ist er dabei. Als er aber ein halbes Jahr in Madrid studierte, schaffte er es nur zweimal ins Bernabéu-Stadion, obwohl er nur zehn Gehminuten entfernt wohnte. Für die Nordwest-Zeitung muss Henrik über Handball schreiben. Sportjournalismus hat er auch studiert, seinen Bachelor machte er an der Hochschule Macromedia in Hamburg. Möchte man ihn locken, gelingt das mit seiner liebsten Sonntagsbeschäftigung: Kaffee und Kuchen. Auch wenn er sich dabei etwas alt vorkommt. Sein größter Sieg: Einmal stand er in der Regionalliga im Tor – kassierte allerdings fünf Treffer. Kürzel: heb

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