Auch dieses Jahr sind für Hamburg einige Demonstrationen zum 1. Mai angekündigt. Wo finden sie statt? Was müssen Hamburger wissen? Und wo kommt der Tag der Arbeit überhaupt her?

Der bekannte Schlachtruf der Arbeiterbewegung „Hoch die internationale Solidarität!“ wird am 1. Mai wahrscheinlich auch wieder auf den Straßen Hamburgs zu hören sein. Internationale Solidarität – das ist gerade vor der Europawahl ein großes Thema. Doch um was geht es bei dem Tag eigentlich? Wie ist er entstanden? Und was wird noch gefeiert? FINK.HAMBURG hat Fakten zum Tag der Arbeit gesammelt.

Was ist der Tag der Arbeit?

Der 1. Mai gilt als internationaler Kampftag der Arbeiterklasse. An diesem gesetzlichen Feiertag gehen Menschen auf die Straße, um für ihre Arbeiterrechte zu demonstrieren. Auch in Hamburg gibt es viele Demonstrationen, bei denen es häufig zu Ausschreitungen kommt.

Wie ist der Tag der Arbeit entstanden?

Der Tag der Arbeit hat seinen Ursprung in Amerika. Die nachfolgende Grafik gibt einen kurzen Überblick über die Geschichte des 1. Maies.

Entwicklung des Tags der Arbeit seit 1886
Erstellt von Laura Bieler mit Piktochart; Grafiken: Brandenburg Gate by 1516 from the Noun Project;
Elbphilharmonie by Stefan Spieler from the Noun Project;
Military by priyanka from the Noun Project

Was wird noch am 1. Mai gefeiert?

Nicht nur politisch ist der 1. Mai als Tag der Arbeit wichtig. In ganz Deutschland werden darüber hinaus Maifeste veranstaltet und mancherorts Maibäume aufgestellt, der Winter wird verabschiedet. Traditionell ist auch der Tanz in den Mai.

Was ist in Hamburg los?

Im Hamburger Schanzenviertel kommt es bei den Demonstrationen am 1. Mai seit Jahren immer wieder zu gewalttätigen Auseinandersetzungen zwischen Autonomen, der Antifa und der Polizei. Das Schanzenviertel ist vor allem wegen des linksautonomen Zentrums, der Roten Flora, für seine Proteste bekannt. Auch während der Demonstrationen gegen den G20-Gipfel 2017 stand die Rote Flora im Mittelpunkt. Vermummte lösten Gehwegplatten aus dem Boden und verletzten damit Menschen. Es brannten Fassaden, Fahrräder und Mülleimer. Seitdem verliefen die 1. Mai-Demonstrationen in Hamburg vergleichsweise friedlich. 2018 war es der Polizei zufolge sogar der friedlichste Verlauf seit Jahren.

1. Mai-Demos in Hamburg: Was ist 2019 geplant?

Größere Demonstrationen werden dieses Jahr von der Antifa Altona Ost, dem Roten Aufbau, dem Deutschen Gewerkschaftsbund und der Pegida München geführt.

Mit dem Roten Aufbau und der Antifa Altona Ost haben zwei vom Verfassungsschutz beobachtete linksextremistische Gruppen Demonstrationen angemeldet. Die Antifa Altona Ost ruft zur 1. Mai-Demo: „Rotes Altona – Auf zu neuen Kämpfen!“ auf. Der Name ist auf den Altonaer Blutsonntag vom 17. Mai 1932 zurückzuführen. Damals wurde der mehrheitlich kommunistische und sozialdemokratische Stadtteil von den Bewohnern „Rotes Altona“ genannt. Bei einem Demonstrationszug der SA durch die Altonaer Altstadt kam es zu gewalttätigen Auseinandersetzungen mit Todesopfern. Die Demonstration spricht sich gegen deutsche Waffenexporte in Kriegsgebiete aus und fordert Frieden und Solidarität gegen „allgegenwärtigen Rassismus“. Die Gruppe geht zudem für weniger Arbeitszeit und höhere Löhne auf die Straße.

Der Demonstrationszug der Antifa endet offiziell beim U-Bahnhof Sternschanze (dunkelrot in der Karte eingezeichnet), wo sich der Rote Aufbau Hamburg der „Revolutionären 1. Mai-Demonstration“ anschließt (hellrot in der Karte eingezeichnet). „Gegen die Stadt der Reichen!“, „Her mit dem 4 Stunden Tag!“ und „Kapitalismus heißt Krieg!“ sind die Ansagen des Roten Aufbaus.

Der Deutsche Gewerkschaftsbund, der DGB, ruft auf, für ein solidarisches und gerechtes Europa auf die Straße zu gehen (Route in der Karte gelb eingezeichnet). Mit „Europa. Jetzt aber richtig!“ wollen die acht Gewerkschaften Hamburgs für eine tolerante Gesellschaft werben und sich gegen den Rechtspopulismus aussprechen. Neben der Vorsitzenden des DGB Hamburgs, Katja Karger, werden auch Verdi-Vorsitzender Frank Bsirske und Fanny Weisser als Vertreterin der DGB Jugend sprechen. Das DGB Jugendbündnis, bestehend aus der DGB Jugend, den Jusos Hamburg, dem Junge Bau Hamburg, der Grünen Jugend, der sozialistischen Jugend und der AStA Uni Hamburg, nimmt ebenfalls an der 1. Mai-Demonstration unter dem Motto: „Mehr Raum und Zeit“ teil.

Auch die rechtsextreme Gruppe Pegida München will an den Demonstrationen zum 1. Mai teilnehmen. Pegida steht für „Patriotische Europäer gegen die Islamisierung des Abendlandes“. Ursprünglich hatte Pegida eine Kundgebung vor der Roten Flora geplant, scheiterte jedoch mit dem Antrag. Aus Sicherheitsgründen verlegte die Polizei Hamburg die Versammlung vor den U-Bahnhof Schlump und den U-Bahnhof Berliner Tor. Uhrzeit und Standort der Kundgebung sind unklar. Ursprünglich sollte die Demonstration bereits am Vorabend starten.

Welche Sicherheitsmaßnahmen trifft die Hamburger Polizei?

Nachdem die letzten beiden Jahre „relativ ruhig“ verlaufen seien, rechne man auch in diesem Jahr mit friedlichen Demonstrationen, sagte die Polizei gegenüber FINK.HAMBURG. In dem Fall, dass es zu Ausschreitungen kommt, wird die Hamburger Polizei von der Bundespolizei aus Niedersachsen und Schleswig-Holstein unterstützt.

1. Mai-Demos: Was sollten Hamburger beachten?

Grundsätzlich gibt es laut Polizei keine besonderen Sicherheitshinweise für Bürger. In Bereichen der Demonstrationszüge kann es aber für Autofahrer und den ÖPNV teilweise zu Einschränkungen kommen.

Titelfoto: Malte Christians/dpa

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Laura Bieler, Jahrgang 1997, kennt jeden Pizzaofen ihrer Heimatstadt Hamburg. Hier studierte sie International Business Management mit Schwerpunkt Marketing und Kommunikation. Während eines Auslandssemesters in Paris perfektionierte sie ihr Französisch und besuchte die Paris Fashion Week. Direkt im Anschluss übernahm Laura bei einem Praktikum auf Mallorca die Marketing-Leitung eines Immobilienbüros. Reiten, Leichtathletik und Volleyball: Ihr sportliches Repertoire konnte sie auf der Insel noch um Surfen und Stand-Up-Paddling erweitern. Zurück in Hamburg arbeitete sie als Online-Redakteurin bei “Fit For Fun” und schwitzte beim Testen von Fitness-Apps. Kürzel: lab
Kim Staudt, Jahrgang 1996, hasst Hasskommentare. Als Werkstudentin in der Online-Redaktion der “FAZ” moderierte sie Leserkommentare und las dabei mehr Scheußlichkeiten als ihr lieb war. Es war ein harter Wechsel: Kurz davor hatte sie in der Redaktion von “InStyle” noch Kisten voller Designerstücke aus Mailand, Paris und New York durchwühlt und beim Onlinemagazin “GQ” live über die Wahl zum “Mann des Jahres” gebloggt. Ihr Lieblingsroman ist “Das Bildnis des Dorian Gray” von Oscar Wilde, “Die Leiden des jungen Werthers” las sie im Garten des Goethe-Hauses in Frankfurt. Natürlich durfte es auch für das Germanistik- und Amerikanistikstudium nur die dortige Goethe-Universität werden. Am liebsten mag sie Filme mit Plot Twist - und Serien mit F: “Fargo”, “Friends” und modern “Family”. Kürzel: kis
Nikolas Baumgartner, Jahrgang 1993, ist ein Draufgänger. Selbst mit wütenden Büffeln hat er sich in Kalifornien bereits gemessen. Schon früh zog es ihn in die Welt: Nach dem Abitur tauschte er die Weinregion Hohenlohe für ein halbes Jahr gegen Australiens Ostküste. Seine GoPro-Aufnahmen von Kängurus oder Koalas inspirierten ihn zu einem Auslandssemester an der Universität in Long Beach, Steven Spielbergs Alma Mater. Die Sauna ersetzt die kalifornische Sonne in seiner Wahlheimat Hamburg, wo er nach seinem Medientechnik-Studium als Fotograf, Videoproduzent und Veranstaltungstechniker tätig ist. Gerne besucht er Musik- und Kulturveranstaltungen oder organisiert sein eigenes Open Air auf der Veddel. Er baut selbst Gemüse an und unterstützt mit seinem Verein "damnit e.V." Fairtrade. Kürzel: nik