Bafög, Kredit, Stipendium oder die Eltern? Im Studium gibt es noch kein Geld. Studierende müssen sich entscheiden wie sie sich diesen Abschnitt in ihrem Leben finanzieren. 

Die meisten Studierenden würden neben ihrem Studium arbeiten oder bekämen Geld von ihren Eltern, sagte Jürgen Allemeyer, Geschäftsführer des Studierendenwerks Hamburg und verweist dabei auf eine Studie des Deutschen Studentenwerkes von 2013.

Doch nicht jeder hat Zeit, neben dem Studium zu arbeiten oder Eltern, die genug Geld verdienen, um ihr Kind zu unterstützen. Für diese Menschen gibt es das Bundesausbildungsgesetz (Bafög), Studienkredite oder Stipendien.

Laut Allemeyer sollten alle jungen Menschen, die gerne studieren möchten und dafür qualifiziert sind, auch die Möglichkeit bekommen. Deswegen müsse man den BAföG-Satz anheben und „auf eine Höhe bringen, die für den monatlichen Lebensunterhalt ausreicht“, sagte er.

Momentan bekommen Studierende in Deutschland Bafög mit einem Höchstbetrag von 735 Euro. Es soll allerdings im Herbst 2019 noch einmal auf 861 Euro erhöht werden.

Wer Bafög nutzen kann, ob das reicht und wie Studierende ihr Studium sonst finanzieren, hat FINK.HAMBURG mit drei jungen Leuten besprochen. Hier erzählen sie, wie sie über die Runden kommen und ob sie damit zufrieden sind.

Felix, 29:

Er studiert im zweiten Mastersemester Film, im Fachbereich Produktion, an der Hamburg Media School. Zurzeit wird er von seinen Eltern unterstützt.

Portrait von Felix.
Foto: Simon Schröder

„Meine Eltern geben mir 1.400 Euro im Monat. Natürlich würde ich gerne selbst Geld verdienen, aber ich habe nicht die Zeit, neben meinem Master zu arbeiten.

Kommilitonen von mir finanzieren sich über Kredite, das bleibt mir zum Glück erspart. Und klar, ich ärgere mich manchmal, dass ich nicht mein eigenes Geld verdiene. Doch meine Eltern sind der Meinung, ich soll das machen, was mich glücklich macht.

Das war aber nicht immer so. In meinem Bachelor konnte ich nebenbei noch arbeiten. Da gab es von ihnen auch weniger Geld.

Trotzdem würde ich meine Eltern gerne entlasten.

Ich habe mich auch auf die Studienförderung einer Stiftung beworben. Leider bin ich in der letzten Runde rausgeflogen. Im nächsten Semester habe ich die Möglichkeit auf ein anderes Stipendium, auf das ich mich beworben habe. Ich hoffe, dass es klappt. Das wären rund 700 Euro im Monat.

Auf BAföG habe ich laut Amt keinen Anspruch mehr. Den Antrag habe ich gestellt, aber meine Schwester ist nicht mehr unterhaltspflichtig und meine Eltern arbeiten beide.

Das Bafög-System könnte sich meiner Meinung nach verbessern. Ich hätte es gerne in Anspruch genommen. Auch das überall derselbe Satz ausgezahlt wird, macht für mich keinen Sinn. Eine Wohnung in Hamburg oder München ist nun mal teurer als in Halle. Dafür sollte es dann auch mehr Wohngeld innerhalb des Bafögs geben.“

Sarah, 27:

Sie studiert im ersten Bachelorsemester Kommunikationsdesign an der HAW. Sie muss neben ihrem Studium arbeiten, die Miete übernehmen ihre Eltern.

Portrait von Sarah.
Foto: Simon Schröder

„Die ersten zwei Monate meines Bachelors habe ich noch von meinen Ersparnissen gelebt. Jetzt habe ich mir einen Job in der Gastronomie gesucht.

Vorher habe ich Mode- und Textildesign studiert. Meine Eltern übernehmen meine Miete und den Rest verdiene ich mir selbst. Das war mir aber klar.

Eigentlich dachte ich, dass ich Bafög bekomme. Doch durch meine italienische Staatsbürgerschaft geht das nicht so einfach. Laut der Auflagen muss ich mindestens fünf Jahre in Deutschland gelebt haben oder in einem Nebenjob arbeiten, der mit meiner Ausbildung zu tun hat. Beides ist bei mir nicht der Fall.

Ich hätte nicht gedacht, dass es solche Auflagen gibt. Darüber bin ich echt enttäuscht. Es wundert mich, dass ich als Bürgerin der EU so schwer an Bafög komme.

Auf Stipendien konnte ich mich noch nicht bewerben. Die Zusage für das Studium kam überraschend. Da waren viele Fristen bei den Stiftungen schon vorbei. Im nächsten Semester werde ich mich aber bewerben.

Keine Ahnung, ob ich das Studium so durchhalte. Die ersten Monate des Studiums waren anstrengend. Nebenbei zu arbeiten bedeutet noch eine weitere Belastung. Das wird heftig.“

Jan, 24:

Er studiert im achten Semester Medientechnik im Bachelor an der HAW. Während der Regelstudienzeit hat er Bafög bekommen, jetzt arbeitet er neben dem Studium.

Portrait von Jan.
Foto: Simon Schröder

„Am Anfang meines Studiums habe ich fast 700 Euro Bafög bekommen. Zusätzlich gab es Kindergeld.

Der Betrag wurde im Laufe des Studiums aber weniger. Als meine Schwester mit der Ausbildung fertig war, mussten meine Eltern laut Bafög-Amt nicht mehr für sie aufkommen. Nach deren Rechnung hätten meine Eltern dadurch mehr Geld, dass sie mir geben könnten. So bekam ich nur noch 560 Euro, die dann später noch mal auf 130 Euro im Monat runtergesetzt wurden.

Trotzdem konnte ich von dem Bafög gut leben. Ich hatte vorher auch nicht viel Geld und konnte mir ab und zu mal was gönnen. Ich lebte sparsam, bekam noch mein Kindergeld und hatte einen 450-Euro-Job.

Ein Stipendium hatte ich nicht auf dem Schirm. Ich weiß auch nicht, ob ich die Anforderungen erfüllt hätte. Die Not war auch nicht so groß, dass ich einen Studienkredit aufnehmen musste. Das wären mir auch zu krasse Schulden gewesen.

Mittlerweile bin ich aber im achten Semester, also über der Regelstudienzeit. Bafög bekomme ich nicht mehr und muss neben dem Studium mehr arbeiten. Das war am Anfang stressig, funktioniert mittlerweile aber ganz gut.

Mein Lebensstandard hat sich sogar verbessert. Ich bin aber froh, dass es so etwas wie das Bafög gibt. Sonst hätte ich mir das Studium nicht leisten können.“

Titelfoto: Tim Gouw/Unsplash

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Simon Schröder, Jahrgang 1992, fehlt als Schönwetter-Surfer nur eines an seiner geliebten Heimatstadt: Dauersonne. Deshalb entflieht er jeden Sommer Hamburgs Schmuddelwetter und arbeitet als Wellenreitlehrer an der französischen Atlantikküste. Sein Studium der Kulturwissenschaften in Lüneburg war ihm zu theoretisch. Praktische Arbeit fand er nach seinem Abschluss bei den Online-Magazinen "Zeitjung" und "Bento". Mit seinem Gespür für Menschen interviewte er Pornoproduzenten, Freier und Lehrer. Wenn er es an seinem Schreibtisch nicht mehr aushielt, kochte er im Nil und Salt & Silver. Für seine zwei Mitbewohner macht er noch heute seine raffinierte Bolognese. Geheimzutat: Schokolade. Das würde er aber nie jemandem verraten. Kürzel: sis