Die Hamburgerin Anna Leena Wacker hat ihre Haare abgeschnitten und für einen guten Zweck gespendet. Aus ihnen entsteht nun eine Perücke. Im Interview erzählt sie, warum sie mitgemacht hat und auf was man achten sollte.

„Wir glauben an eine Welt, in der Menschen einander helfen.“ Das ist das Credo des Projekts „Haarespenden“. Zusammen mit der Zweithaarmanufaktur verarbeitet das Unternehmen gespendete Haare zu Perücken und vermittelt diese etwa an krebskranke Menschen. Wer unter krankhaftem Haarausfall, einer sogenannten Alopezie leidet, kommt als Empfänger*in ebenfalls infrage. Studentin Anna Leena Wacker trennte sich im April von 23 Zentimetern ihres Haars und schickte diese an das Unternehmen.

FINK.HAMBURG: Warum war es Dir wichtig, Deine Haare zu spenden?

Wacker: Ich bin davon überzeugt, dass eine Perücke kranken Menschen in einer schweren Zeit eine unglaubliche Lebensqualität vermitteln kann. Ich kann von mir selbst sagen: Sofern ich jemals in dieser Situation sein sollte, würde ich eine Perücke haben wollen. Diese sind aber sehr teuer und viele Krankenkassen übernehmen nur einen kleinen Teil der Kosten. Eine Haarspende ist das, was ich tun kann, um bedürftigen Menschen zu helfen.

FINK.HAMBURG: Nach welchem Prinzip hast Du die Organisation für Deine Haarspende ausgewählt?

Wacker: Ich habe mich viel im Internet informiert. Wichtig war mir, dass es eine seriöse Organisation ist. Zu 100 Prozent weiß man das natürlich nie. Das ist genau wie bei der Blutspende. Ein bisschen muss man an das Gute glauben.

Am Ende hatte ich zwei oder drei Organisationen in der engeren Auswahl. Den Ausschlag für das Projekt „Haarespenden“ hat dann gegeben, dass man seine Haare dort schon ab einer Länge von 20 Zentimetern einschicken kann, während es bei den anderen beiden Organisationen erst ab 25 Zentimetern möglich war.

FINK.HAMBURG: Wie lange hat es gedauert, bis Deine Haare so lang waren?

Wacker: Insgesamt habe ich meine Haare ungefähr zwei oder drei Jahre wachsen lassen und bin nur einmal im Jahr zum Friseur gegangen, um die Spitzen schneiden zu lassen. Da habe ich Glück, meine Haare sind sehr gesund, die muss ich nicht so oft schneiden.

Eigentlich wollte ich sie schon im Dezember letzten Jahres abschneiden. Damals waren sie allerdings noch nicht lang genug für eine Spende. Deswegen habe ich noch vier Monate gewartet. Am 12. April kamen sie dann ab.

„Es war merkwürdig, aber auch befreiend“

 

FINK.HAMBURG: Wie hat es sich angefühlt, so viel von Deinem Haar abzuschneiden?

Wacker: Das war ein sehr emotionaler Schritt für mich. Jeder, der schon einmal so lange Haare hatte, weiß, wie viel Arbeit und Pflege da drinsteckt. Mir liefen schon ein bis zwei Tränen runter. Es hat sich auf der einen Seite sehr merkwürdig angefühlt, war aber auch befreiend.

FINK.HAMBURG: Wie ging es danach mit dem Versand weiter?

Wacker: Ich habe meine abgeschnittenen Haare zu einem dicken Zopf geflochten, diesen dann in einen Umschlag gesteckt und an das Projekt geschickt. Vorher habe ich besonders darauf geachtet, dass die Haare komplett trocken sind, da sie sonst in dem Umschlag schimmeln können.

Das Projekt „Haarespenden“ gibt es seit 2015. Andere Organisationen in Deutschland, die Haarspenden annehmen, sind etwa Haarschnitt mit Herz, Riesewick & Partner und BUZ Rapunzel.

FINK.HAMBURG: Was würdest Du anderen Menschen mitgeben, die ihre Haare spenden wollen?

Wacker: Eine gute Vorbereitung ist alles! Auf der Homepage des Projekts „Haarespenden“ ist aufgelistet, was man beachten sollte. Ich persönlich habe auch ein Maßband, dünne Zopfgummis und eine Plastiktüte mit zum Friseur genommen, damit die Friseurin besser messen und ich die Haare danach besser transportieren kann.

FINK.HAMBURG: Würdest Du es wieder machen?

Wacker: Auf jeden Fall! Es ist so einfach, Gutes zu tun. Man kann nicht nur mit Geld helfen, sondern auch mit so vielen anderen Dingen.

Titelfoto: Anna Leena Wacker

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Reiterhof, Tech-Konzern, Streetfood-Märkte – Nina Maurer , Jahrgang 1994, treibt die Neugier. Als Kind fand sie ihr Glück auf dem Rücken der Pferde. Reitlehrerin wurde sie aber nicht: Nach einem Freiwilligen Sozialen Jahr in einer Schule für Kinder mit Behinderung studierte sie Ökotrophologie in Hamburg. Ihre Begeisterung für Essen und Kommunikation vereinte sie als Werkstudentin und Volontärin in einer PR-Agentur. Für Food-Marken durchforstete sie sämtliche Blogs Deutschlands. Seit 2018 arbeitet sie in der Unternehmenskommunikation des Tech-Konzerns NXP. Wenn sich Nina nicht gerade mit künstlicher Intelligenz beschäftigt, stöbert sie in der Hamburger Gastro-Szene nach rohem Fisch und Kurzkornreis. Auch zu Hause experimentiert sie gerne: ob Sushi, Curry oder Kürbissuppe – Hauptsache viel Ingwer. Kürzel: nim

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