Boris Johnson hat mit der EU gedealt und jetzt wird wieder diskutiert. Aber wen interessiert das Hin und Her überhaupt noch? FINK.HAMBURG hat mit drei Studierenden darüber gesprochen. 

Letzten Samstag war es mal wieder soweit: Premierminister Boris Johnson stellte sich dem Unterhaus des britischen Parlaments. In einer 90-minütigen Debatte präsentierte er den Brexit-Entwurf und die Entscheidung wurde vertagt. Mal wieder.

Mittlerweile hat man das Gefühl, dass alles schon einmal erlebt zu haben. Statt May steht jetzt Johnson in den Nachrichten und es geht gefühlt immer um dasselbe. Dieses Hin und Her fängt an zu langweilen, man verliert den Überblick und die Lust, sich mit dem Thema auseinanderzusetzen.

Ist das wirklich so? Beschäftigen wir uns nicht mehr mit dem Thema? Haben wir vor lauter Langeweile den Überblick verloren? Und wie stehen junge Menschen in Hamburg eigentlich zum Brexit?

Darüber haben wir mit drei Studierenden der HAW Hamburg gesprochen.

Jonas, 20 – der Brexit als Negativ-Beispiel

Jonas im Portrait.
Foto: Simon Schröder

„Im Prinzip ist es doch eine Aufgabe der Regierung, Politik zu machen und dem Volk Entscheidungen abzunehmen. Eine wichtige Entscheidung dem Volk zu überlassen, funktioniert vorne und hinten nicht.

Das Volk kann gar nicht die Ausmaße des Ganzen begreifen. Wenn sich jetzt auch noch die Fakten immer wieder ändern, um trotzdem eine Entscheidung zu erzwingen, ist das in meinen Augen nur dumm.

Ich beschäftige mich regelmäßig mit dem Thema. Leider ist mein Telefon kaputt und ich laufe mit einem uralten Knochen rum. Da bekomme ich keine Push-Nachrichten mehr und kann mich nicht mehr so leicht auf dem Laufenden halten.

Aber es ist interessant, weil der Brexit für uns als Negativ-Beispiel dienen kann. Zeigt es doch, warum Deutschland weiterhin in der EU bleiben sollte.“

Sans, 21 – kein Interesse, aber niemand soll leiden

Sans im Portrait
Foto: Simon Schröder

„Ich bin überhaupt nicht in dem Thema drin.

Für mich wirkte es anfangs wie eine unüberlegte Aktion. Irgendwer wollte irgendwas machen und irgendwem die Schuld dafür geben. So wird es in der Politik gerne gemacht.

Ich habe auch so meine Zweifel, ob ein Austritt aus der EU wirklich helfen wird. Wie die Leute im Moment denken, also auch die Mehrheit der Bevölkerung – das weiß ich nicht.

Wenn der Brexit den Menschen wirtschaftlich wirklich helfen wird, dann ist das gut. Eine Seite von mir sagt auch, lass sie doch mal machen und gucken, wo sie hinkommen. Ich möchte aber nicht, dass jemand leidet oder Nachteile durch einen Brexit bekommt. So richtig weiß ich aber nicht, was der Deal dann genau bedeutet. Die Briten aber glaube ich auch nicht.“

Alex, 24 – die Entscheidung wird wieder aufgeschoben

Alex im Portrait
Foto: Simon Schröder

„Es ist wirklich schwierig. Johnson legt dem Unterhaus jetzt einen Entwurf vor und man wartet mal wieder auf den Deal oder eben nicht. Bei diesem ganzen Hin und Her habe ich das Gefühl, den Überblick zu verlieren.

Ich bekomme das Thema eher so nebenbei in den Nachrichten mit. Aber vor allem halte ich mich auf dem Laufenden, ob es zu einer endgültigen Entscheidung kommt oder nicht.

Es fühlt sich aber so an, als würde die Entscheidung immer weiter aufgeschoben – bis dann eine der Parteien irgendwann einknickt.“

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Simon Schröder, Jahrgang 1992, fehlt als Schönwetter-Surfer nur eines an seiner geliebten Heimatstadt: Dauersonne. Deshalb entflieht er jeden Sommer Hamburgs Schmuddelwetter und arbeitet als Wellenreitlehrer an der französischen Atlantikküste. Sein Studium der Kulturwissenschaften in Lüneburg war ihm zu theoretisch. Praktische Arbeit fand er nach seinem Abschluss bei den Online-Magazinen "Zeitjung" und "Bento". Mit seinem Gespür für Menschen interviewte er Pornoproduzenten, Freier und Lehrer. Wenn er es an seinem Schreibtisch nicht mehr aushielt, kochte er im Nil und Salt & Silver. Für seine zwei Mitbewohner macht er noch heute seine raffinierte Bolognese. Geheimzutat: Schokolade. Das würde er aber nie jemandem verraten. Kürzel: sis

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