Ein Beagle schaut traurig, im Hintergrund Maschendrahtzaun. Solche Hunde wurden im LPT-Labur bei Hamburg für Tierversuche gehalten.
Solche Beagle wurden aus dem LPT-Labor in Mienenbüttel gerettet. Tierschützer warnen jetzt vor falschen Inseraten im Netz. Foto Pixabay

Die Tierschutzorganisation Vier Pfoten warnt vor Betrügern, die vorgeben, ein Zuhause für Hunde aus einem LPT-Labor zu suchen. Angeblich sollen die Tiere eingeschläfert werden, das soll Käufer locken.

Das skandalträchtige LPT-Labor in Mienenbüttel sorgt weiter für Schlagzeilen. Die Tierschutzorganisation Vier Pfoten warnt nun auf ihrer Webseite vor Tierhändlern, die Beagles verkaufen, die angeblich aus dem Labor stammen. Diese Anzeigen seien Betrug, heißt es in der Mitteilung.

„Illegale Welpenhändler nutzen das Schicksal der Laborhunde und die Empathie von Tierfreunden, um ihre betrügerischen Geschäfte zu betreiben“, so Daniela Schneider, Kampagnenverantwortliche für Heimtiere bei Vier Pfoten Deutschland, auf der Webseite. Sie kritisiert vor allem, dass in den Inseraten im Internet und über Messenger-Dienste behauptet werde, die Hunde würden eingeschläfert, sollte kein neues Zuhause für sie gefunden werden.

Tatsächlich war bereits am Montag bekannt geworden, dass alle verbliebenen Versuchstiere aus Mienenbüttel – zuletzt ging es um 96 Beagle-Hunde – an Tierheime und Pflegestellen vermittelt wurden. Der Landkreis Harburg hatte am 17. Januar die Außenstelle des
Laboratory of Pharmacology and Toxicology (LPT) aufgrund von Tierschutzverstößen schließen lassen.

200 Affen aus LPT-Labor zurück in den Niederlanden

Tierschützer unter anderem vom Hamburger Tierschutzverein kritisierten jedoch, dass LPT im Vorfeld rund 200 Affen aus dem Labor an den Händler für Labortiere in den Niederlanden zurückverkauft hatte. Das Veterinäramt des Landkreises hatte den Abtransport beaufsichtigt.

„Solange die tierschutzrechtlichen Vorgaben beim Transport eingehalten werden, haben wir keine rechtliche Möglichkeit einzugreifen“, erklärt Katja Bendig, Pressesprecherin des Landkreises Harburg. Da sich die Tiere im Besitz von LPT befanden, habe das LPT-Labor frei entscheiden können, ob und an wen die Tiere verkauft werden.

Lediglich Name und Adresse der neuen Halter mussten die Verantwortlichen der Behörde mitteilen. Bei den Affen handele es sich nicht um relevante Beweismittel im laufenden Strafverfahren der Staatsanwaltschaft Stade.

2,8 Millionen Tiere für Tierversuche eingesetzt

Versuche an Menschenaffen verbietet im Regelfall zwar eine EU-Richtlinie aus dem Jahr 2010. Tests an nichtmenschlichen Primaten sind aber aufgrund ihrer genetischen Nähe zum Menschen etwa in der biomedizinischen Grundlagenforschung erlaubt. Das größte Affentestlabor Europas befindet sich in den Niederlanden.

In Deutschland wurden nach Angaben der Bundesregierung im Jahr 2018 rund 2,8 Millionen Tiere bei Tierversuchen eingesetzt oder zu wissenschaftlichen Zwecken getötet. Nur knapp 0,1 Prozent der für Tierversuche eingesetzten Tiere waren Affen. Größtenteils kamen Mäuse und Ratten zum Einsatz. Die Zahlen aus dem Vorjahr sind ähnlich. Ein Schwerpunkt lag etwa in der Erforschung von Krebserkrankungen.

Weil die EU-Vorgaben für Tierversuche in Deutschland aus Sicht von Brüssel nur unzureichend eingehalten werden, hatte die EU im Sommer 2018 ein Vertragsverletzungsverfahren gegen Deutschland eingeleitet. Die Bundesregierung versprach Nachbesserung, erbat aber Zeit bis November 2020. Seit Jahren setzen sich nicht nur Tierschützer, sondern auch Ärzte und die Tierschutzpartei für ein Verbot von Tierversuchen ein.

sju/dpa

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