Für diesen Samstag rufen mehrere Tierschutz-Organisationen erneut zu einer Großdemonstration gegen Tierversuche in Hamburg auf. Das in die Schlagzeilen geratene LPT-Labor in Mienenbüttel hat derweil die Schließung angekündigt.

Keine Tierversuche mehr rund um Hamburg – dafür wollen am Samstag mehrere Tierschutzorganisationen protestieren und rufen erneut zu einer Demonstration auf. Beteiligt sind unter anderem die Soko Tierschutz sowie die Tierrechtsorganisation Ariwa. „Tierversuche sind grausam und schlichtweg nicht mehr zeitgemäß. Wir fordern von der Politik einen Ausstiegsplan der Tierversuche“, sagt Friedrich Mülln von dem Verein Soko Tierschutz.

Am Heidi-Kabel-Platz (nahe des Hauptbahnhofs) startet der Demonstrationszug, zieht den Jungfernstieg entlang bis hin zum Rathaus. Die Kundgebung findet dann am Speersort, nahe der Mönckebergstraße, statt. Die Veranstalter erwarten zwischen 8.000 bis 10.000 Demonstranten*innen. Bereits Mitte Oktober protestierten Schätzungen zufolge mehr als 7.000 Demonstrant*innen in Hamburg gegen Tierversuche.

Missstände bei Tierversuchen in Hamburg aufgedeckt

Im Fokus steht vor allem das Unternehmen Laboratory of Pharmacology and Toxicology (LPT), das im Oktober in die Schlagzeilen geraten war.  Die Soko-Tierschutz hatte Missstände im LPT-Labor in Mienenbüttel aufgedeckt. Ein Aktivist des Vereins arbeitete über Monate verdeckt in dem Labor. Ein Video zeigt wie Affen, Hunde und Katzen unter unwürdigen Bedingungen gehalten werden. Eine Tierhaltung, die laut des Vereins zudem gegen geltendes Recht verstößt.

Friedrich Mülln ist der Meinung, dass dem Unternehmen das Genehmigungsrecht für Tierversuche sofort entzogen werden sollte, da dort geltendes Recht missachtet werde. „Es soll keine weitere Gefahr für Tiere und Menschen von dieser Firma ausgehen.“ Wichtig sei ihm nicht nur die Schließung von Mienenbüttel, sondern auch die der beiden anderen Labore in Hamburg und Schleswig-Holstein durch die Behörden, sagt Mülln. Einer unternehmenseigenen Schließung vertraut er aber nicht.

LPT schließt nach Skandal Labor in Mienenbüttel

Nach Berichten des NDR hat LPT in einem internen Schreiben an die Mitarbeiter für Februar 2020 die Schließung des Tierversuchslabors in Mienenbüttel angekündigt.

LPT äußerte sich bisher nicht zu einer Anfrage von FINK.HAMBURG. Das Unternehmen hat aber am vergangenen Donnerstag 76 Affen zurück an den Lieferanten in die Niederlande transportieren lassen.

Nach den Hinweisen durch die Tierschützer hat der Landkreis Harburg die Kontrollen des LPT-Tierversuchslabors in Mienenbüttel verschärft. Das Labor werde nun häufiger kontrolliert, teilte die Behörde in einer Pressemitteilung mit. Bei zwei Vor-Ort-Kontrollen im Oktober waren Verstöße bei der Tierhaltung festgestellt worden.

Kontrollen in der Vergangenheit ohne Auffälligkeiten

Verletzte oder misshandelte Tiere hätten die Kontrolleure aber nie vorgefunden, auch nicht in der Vergangenheit, heißt es. Das LPT-Labor war seit 2015 bis zu den Vorwürfen neun Mal besucht worden, davon sieben Mal unangekündigt. „Wir prüfen nun zudem den Entzug der Betriebserlaubnis“, sagt Katja Bendig, Sprecherin des Landkreises Harburg, gegenüber FINK.HAMBURG. Dazu müsse dem Betreiber aber zuerst Unzuverlässigkeit nachgewiesen werden.

„Da reichen keine Verdachtsmomente. Wir sammeln gerade Indizien und Beweise, aber das geht nicht so schnell“, so Bendig. Dazu sei ihre Behörde in engem Kontakt mit den Behörden in Plön und Hamburg, die für die anderen beiden LPT-Standorte zuständig sind. Sollte dem Tierlabor die Betriebserlaubnis entzogen werden, müsste das Unternehmen den betreffenden Standort sofort schließen.

acs/sju

Titelfoto: SOKO Tierschutz

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Antonie Schlenska tänzelte sich von der Ballerina zur deutschen Hip-Hop-Meisterin. 1993 in Hannover geboren studierte sie Gesellschafts- und Wirtschaftskommunikation in Berlin. Seit ihrer Abschlussarbeit weiß sie alles über Podcasting. In der Vermarktungsabteilung bei Gruner und Jahr analysierte sie den deutschen Zeitschriftenmarkt. Außerdem machte sie in dem Verlag Stationen im Innovation Lab, bei der „Brigitte“ und bei „Geo“. Beim Geo-Magazin gestaltete sie die Fotostrecke eines Kriegsfotografen. Privat arbeitet sie am liebsten mit einer analogen Kamera und bemalt die überbelichteten Fotos mit Acrylfarben. Zu Hause an ihrem selbstgebauten Tisch isst sie gerne Mayo mit Kroketten, Käse mit Brot oder Pesto mit Nudeln. Die Kalorien tanzt sie sowieso wieder ab. Kürzel: acs
Sandra Jütte, Jahrgang 1985, hat schon beim Imperium gearbeitet. Aber keine Sorge: In diesem Fall ist das eine Schauspielagentur in Berlin. Für ihr Studium der Wirtschaftskommunikation zog sie von Niedersachsen in die Bundeshauptstadt, bevor sie für ein Reisemagazin die Straßen Kapstadts erkundete. Dem Lokaljournalismus blieb sie während ihres Volontariats bei der "Märkischen Oderzeitung" in Brandenburg treu. Die Themen waren dort sogar spannender: Sandra schrieb unter anderem über einen entführten Dackel, den Sexshop im 5000-Seelen-Dorf und dreifachen Mord. In ihrer Zukunft sieht sie sich im Online- oder Fernsehjournalismus, denn sie will mehr als nur Print. Schokolade zum Beispiel. Kürzel: sju

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