Erdbeeren selbst zu pflücken, ist derzeit beliebt, die Felder sind mancherorts leergeräubert. Die Bauern verzeichnen eine erhöhte Nachfrage nach regionalen Produkten. FINK.HAMBURG hat sich umgehört und zeigt, wo ihr pflücken könnt.

Das Sommerwetter der vergangenen Tage weckte in vielen Hamburger*innen offenbar die Lust auf Erdbeeren. Zurzeit sind die Beeren so gefragt, dass die Bauern reagieren mussten. Bei der Familie Glantz, einem Familienbetrieb mit mehreren Erdbeerhöfen um Hamburg herum, sind die Felder teilweise nur vormittags geöffnet. Auch beim Erdbeer- und Spargelhof Löscher ist die Nachfrage so groß, dass manche Felder ganztägig geschlossen sind.

Wer mit Korb aufs Feld will, sollte sich am besten vorab über Öffnungszeiten und den Stand der Ernte informieren. Eine gute Saison also bislang. Dabei war lange unklar, ob dieses Jahr überhaupt Erdbeeren verkauft werden können.

Wegen Corona: Schwerer Start in die Saison

Dieses Jahr erschwerte die Corona-Krise den Obst- und Gemüsebauern den Start in die Saison. Wegen der Einreisebeschränkungen fehlten die dringend notwendigen Erntehelfer*innen. Lange hatte die Bundesregierung diskutiert. Das Ergebnis: Obst und Gemüse ist systemrelevant. Im April und Mai konnten so jeweils 40.000 Erntehelfer*innen aus dem Ausland einreisen, unter strengen Hygiene-Auflagen. Zudem war eine Höchstgrenze von 80.000 Saisonarbeitskräften festgelegt. Seit dieser Woche dürfen Erntehelfer*innen aus den EU-Staaten und dem Schengen-Raum wieder ohne Beschränkungen nach Deutschland reisen.

Obst- und Gemüsebauer Enno Glantz hat die Diskussion im März und April schlaflose Nächte bereitet. Doch zum Glück habe die Politik „zum Schluss Einsicht gezeigt und nach Lösungen gesucht, wie man die Ernte machen kann“, sagt er gegenüber FINK.HAMBURG. Die strengen Regeln kann er nachvollziehen: „Das ist richtig und wichtig. Wir haben konsequente Maßnahmen getroffen, damit es zu keinem Corona-Fall kommt.“ Mund- und Spuckschutz beim Verkauf in den Ständen und während der Ernte seien nur ein kleiner Teil vom Gesamtkonzept. „Wir haben freiwillig einen Betriebsarzt, eine Krankenstation für den Fall der Fälle, dass die Arbeiter sofort isoliert werden können und wir messen auch jeden Tag Fieber“, sagt Glantz.

Steigende Nachfrage nach regionalen Produkten

Auf dem Hof der Familie Löscher arbeiten die Mitarbeiter*innen in Quarantäne-Gruppen zusammen und kaufen bei einem für sie eingerichteten Kiosk auf dem Hof ein. „Wir haben alle unsere Mitarbeiter in regelmäßigen Abständen auf Corona getestet“, so Felix Löscher. Auch in den beiden Betrieben der Familie Glantz gelten strenge Abstands- und Hygienevorschriften.

Bisher scheinen sich die Maßnahmen bewährt zu haben. „Toi, toi, toi, es ist noch nichts passiert“, sagt Erdbeerbauer Glantz. Auch bei den Mitarbeiter*innen des Erdbeer- und Spargelhof Löscher wurde „zum Glück noch nichts gefunden“, so Löscher. Dort versucht man, mit zusätzlichen Ständen und mehr Personal Menschenansammlungen zu vermeiden.

Beim Erdbeerhof Glantz ist man mit dem bisherigen Verlauf der Saison zufrieden, der Umsatz habe sich schon um zehn Prozent erhöht und das, obwohl der geschützte Anbau erst im Mai startete. Glantz und Löscher sind davon überzeugt, dass die Menschen regionalen Landwirt*innen zunehmend mehr vertrauen. „Momentan sucht der Kunde ein regionales Produkt, wo er schnell Beziehungen zu aufbauen kann“, so Löscher. „Der Trend war letztes Jahr schon da, aber meiner Meinung nach hat Corona diesen regionalen Wert verstärkt“, sagt Glantz.

Frische selbstgepflückte Erdbeeren
Selbstgepflückte Erdbeeren vom Erdbeerfeld in Öjendorf. Foto: Chiara Schenk

Laut Löscher erreicht die Saison diese Woche ihren Höhepunkt. Durch den Anbau spätreifender Sorten werde die Selbstpflücksaison aber noch andauern, so Glantz.

Wo ihr in und um Hamburg am besten Erdbeeren selber pflücken könnt, seht ihr hier:

Titelfoto: Chiara Schenk

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Melissa Körner ist schon einmal durch das größte betauchbare Wrack im Mittelmeer geschwommen - die Zenobia, 40 Meter tief, bestückt mit LKWs. Über Wasser bewegt sie sich am liebsten auf dem Kitesurfbrett oder dem Boot fort. 1999 in Schleswig-Holstein geboren, bereiste sie schon früh die Welt und verbrachte fast jeden Sommer bei ihrer amerikanischen Gastfamilie in Buffalo an der kanadischen Grenze. Neben Deutsch und Englisch spricht sie auch Französisch und Spanisch. Mit Menschen unterhält sie sich gern, studiert hat sie daher Medien- und Kommunikationswissenschaften an der Uni Hamburg. Das allein war ihr zu theoretisch, praktische Erfahrung sammelte sie daher bei RTL in den Landesstudios Kiel und Hamburg. Ihr Ziel: Moderatorin. Oder noch besser, eine eigene Late-Night-Show oder Produktionsfirma. Kürzel: mel
Obwohl Chiara Schenk, Jahrgang 1995, einen italienischen Vornamen hat, italienische Küche liebt und jedes Jahr mindestens einmal nach Italien reist, zog es sie nach dem Abitur aus ihrer Heimatstadt Reutlingen nach Down Under. In Australien versuchte sich Chiara zunächst als Au Pair, bewachte als „traffic controller“ dann aber nach kurzer Zeit schon lieber Verkehrsbaustellen als Kinder. Die Zusage für ihren Bachelor an der Filmuniversität Babelsberg ging auf dem Postweg verloren, und so erfuhr die angehende Rettungsschwimmerin erst drei Tage vor Semesterbeginn von ihrem Umzug nach Berlin. Die ersten Wochen verbrachte sie dann auf der Couch einer freundlichen älteren Dame. Später gab sie in Berlin Kindern Schwimmunterricht – sie hofft auf ähnlichen Bedarf in Hamburg. Kürzel: cis

1 KOMMENTAR

  1. […] Sommerzeit ist Erdbeerzeit! Statt die roten Beeren im Supermarkt zu kaufen, könnt ihr sie auf vielen Feldern in und um Hamburg einfach selbst pflücken. Die Erdbeerfelder zu betreten ist kostenlos – ihr zahlt lediglich, was ihr sammelt. Dabei ist es egal, ob ihr nur einen kleinen Korb oder gleich mehrere Kilos mit nach Hause nehmt. Die ein oder andere Beere könnt ihr auch direkt auf dem Feld naschen. Hier findet ihr ein Feld in eurer Nähe. […]

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