Für viele ist der Gang in die Kirche an Weihnachten wichtig. Dieses Jahr können Heiligabend-Gottesdienste wegen der Corona-Pandemie nicht wie gewohnt in der Kirche stattfinden – als Alternative aber zum Beispiel im Parkhaus oder doch im Stadion?

Wer in die Kirche möchte, sollte sich vorab über den Gottesdienst seiner Wahl an Heiligabend informieren. Denn wegen der Corona-Pandemie haben sich viele Kirchengemeinden in Hamburg eine Alternative zum klassischen Gottesdienst gesucht: Laut der evangelisch-freikirchlichen Gemeinde in Schnelsen sei die Geburt Jesu eher ungemütlich gewesen, kalt und ohne anheimelnde Atmosphäre. Die Stimmung sei in der Gemeinschaft der Menschen und durch das Singen der Engel entstanden. Da Jesus dort geboren wurde, wo die Transportmittel der damaligen Zeit wie Esel und Ochsen abgestellt wurden, sei das Parkhaus am Albertinen Krankenhaus kein unangemessener Ort für einen Weihnachtsgottesdienst.

„Wir hatten im Sommer schon einmal einen Gottesdienst im Parkhaus, um den Abschluss für die Religionsunterrichtsgruppe zu feiern“, erzählt Manfred Ewaldt, Pastor der freikirchlichen Gemeinde in Schnelsen. „Wegen der Ansteckungsgefahr kommen einige Familien nicht in geschlossene Räume, so war die Idee praktisch.

Parkhaus und Stadion – kreative Alternativen für die Kirche an Weihnachten

Im untersten Stockwerk des Parkhauses hätten die Besucher*innen ein Dach über den Kopf und seien geschützt vor Wind. Zwar sei das ein eher ungewöhnlicher Ort, doch könne er auch einen ganz neuen Zugang zur Weihnachtsgeschichte vermitteln. 300 Menschen hätten im Parkhaus Platz – die Gemeinde rechne aber nur mit der Hälfte.

Die Ev.-Luth. Auferstehungskirchengemeinde Hamburg-Lurup hat seinen Ausweichsort für den Gottesdienst an Heiligabend im Stadion des SV Lurup gefunden. Krippenspiel statt Fußball, Weihnachtspredigt statt Fangesänge. „Es ist ideal, weil zusätzlich zu den geschützten Sitzmöglichkeiten auch eine gute Beschallungstechnik besteht“, erklärt Pastor Martin Goetz-Schuirmann, der den Heiligabend-Gottesdienst leiten wird. „Traditionell haben wir in der Auferstehungskirche in Lurup fünf Gottesdienste, an denen jeweils über 300 Menschen teilnehmen können und gerade zum Krippenspiel noch viele hinten standen“, so Goetz-Schuirmann.

Doch dieses Jahr hätte die Kirche an Weihnachten aufgrund der Corona-Vorschriften nur 65 Plätze vergeben können. Nun können durch die Kooperation mit dem SV Lurup rund 300 Tickets verteilt werden, wobei sich Menschen aus einem gemeinsamen Haushalt ein Ticket teilen. Aktuell sei die Hälfte der Tickets bereits reserviert.

Weihnachten in der Kirche trotz hoher Coronazahlen

Trotz der hohen Coronazahlen sei der Besuch des Weihnachtsgottesdienstes an Heiligabend wichtig. „Die Menschen möchten die Weihnachtsbotschaft hören, erleben und sich berühren lassen von dieser Geschichte, die unsere Sehnsucht nach Frieden und Liebe für unser Leben und diese Welt in so wunderbaren Bildern aufnimmt“, verteidigt Pastor Goetz-Schuirmann die Gottesdienst an Weihnachten. In diesem Jahr der Pandemie seien viele Menschen mürbe geworden und dünnhäutiger. „Es ist so Vieles belastend. Für die Familien im Zusammenleben und auch existenziellen Nöten“, sagt er.

Die Menschen würden Einsamkeit und Schmerz erfahren, aber auch Fragen an die bisherige Lebensweise stellen. „Weihnachten ist das Datum im Jahr, wo Menschen den Zusammenhalt untereinander spüren wollen und ihre Seele gründen möchten“, erklärt der Pastor. Das sei in diesem Jahr noch viel wichtiger als in Jahren ohne Krise. Pastor Ewaldt betont, dass die Religionsfreiheit nicht umsonst grundgesetzlich verankert sei. „Für Christen ist der Gottesdienst ein wesentlicher Teil der Nachfolge, die den ganzen Menschen umfasst“, erklärt er.

Modernes Krippenspiel und summen statt singen

Neben den Hygienevorschriften wird der Gottesdienst im Parkhaus des Albertinen-Krankenhauses kürzer sein. Auch der Chor wird nicht singen und statt Orgel und Podest müssen zeitgemäße Alternativen herhalten. „Es gibt einen zentralen Aktionsraum, eine moderne Krippe, ein Campingwagen, ein Pavillon, Campingausrüstung für den Stall, natürlich geschmückt mit Lichtern und Tannengrün“, erzählt Pastor Ewaldt. Stühle werden von den Besucher*innen mitgebracht und die entsprechende Technik von ehrenamtlichen Helfer*innen aufgebaut.

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Ungewöhnlich: In diesem Parkhaus am Albertinen Krankenhaus in Hamburg-Schnelsen wird der Gottesdienst der Kirche am Krankenhaus stattfinden.
Foto: Melissa Körner

Um eine weihnachtliche und spirituelle Atmosphäre in einem Stadion zu schaffen setzen die Organistator*innen der Auferstehungskirche in Lurup auf Musik und das Krippenspiel, dass auf den gesamten Raum des Stadions ausgelegt sein soll. Fußballtore werden zum Stall von Bethlehem oder zum Palast des Herodes. Aber auch ein paar Schafe aus Pappmaschee wird es geben. In der Predigt hält der Pastor sich kurz: „Die Aufmerksamkeit ist dafür nicht herzustellen“, sagt Pastor Goetz-Schuirmann.

Die Orgel wird durch ein an die Technik des Stadions angeschlossenes E-Piano ersetzt, zu dem ein Musikstudent singen, die Besucher*innen aber nur mitsummen werden. Vor allem bekannte Lieder wie „Ihr Kinderlein kommet“, „Alle Jahre wieder“, oder „Stille Nacht“ sollen gesummt werden, da das Singen in der Gemeinschaft aktuell untersagt ist und es keine Liederzettel geben wird. „Das ist wichtig, dass etwas emotional Verlässliches bleibt an Weihnachten“, erklärt Pastor Goetz-Schuirmann.

Glaube gebe den Menschen Hoffnung

Während der Corona-Pandemie sei der Glaube für viele Christ*innen eher bedeutsamer geworden, meint Pastor Ewaldt. „Es ist der grundsätzliche Halt im Leben. Darauf kann man sich verlassen und viele sind sehr kreativ geworden, ihren Glauben zu leben und zu stärken“, so Ewaldt.

„Der Glaube hilft, Zeiten von Entbehrung durchzustehen, weil er sich aus der Hoffnung speist“ Goetz-Schuirmann, Pastor

Schönreden möchte Pastor Goetz-Schuirmann die Pandemie nicht, denn sie bedeute großes Leid, vor allem für Menschen, die auf unterstützende Angebote angewiesen sind. „Menschen in der Kirche versuchen auf kreative Weise, Hoffnungszeichen zu setzen“, so Goetz-Schuirmann. Der Glaube nehme in dieser Zeit einen besonderen Stellenwert ein. „Sowohl in der Wahrnehmung der Verantwortung für andere wie der Deutung dessen, was wir gerade erleben und auch der Entwicklung von Perspektiven“, so Pastor Goetz-Schuirmann. 

Beide Kirchengemeinden übermitteln den Glauben nun auch auf anderen Wegen wie in den sozialen Medien, im Internet oder in Telefongottesdiensten. In der Adventszeit habe sich die Zahl der Teilnehmer*innen bei den täglichen Andachten in der Auferstehungskirche gegenüber den Vorjahren mehr als verdoppelt.

 Technik könne die Gemeinschaft nicht ersetzen

Neue Formen zu finden, um den Glauben zu vermitteln, sei sehr herausfordernd gewesen, sagt Pastor Goetz-Schuirmann. Ähnlich sei es bei Teilen der Gemeindearbeit in Hamburg-Schnelsen, die dann technisch aufgerüstet wurden. Doch: „Viele Gruppen können sich nicht treffen diese Gemeinschaft lässt sich auch nicht technisch ersetzen“, so Pastor Ewaldt.

Die Auferstehungskirchengemeinde in Lurup beschäftige auch die Frage, was sie verantworten könne. „Dabei entstehen dann auch Fragen, ob mit zweierlei Maß gemessen wird, wenn sich bestimmte Gruppen treffen dürfen und andere nicht. Die Herausforderung ist da, „alle“ im Blick zu behalten.“, erklärt Pastor Goetz-Schirmann.

In beiden Kirchengemeinden wird es während der Weihnachtsfeiertage auch Gottesdienste in den Kirchen geben, dann aber im deutlich kleineren Rahmen. Dabei sei die Organisation dieses Jahr aufwendiger: „Auch für mich als Pastor ist nach dem Stadiongottesdienst Heiligabend noch nicht abgefeiert“, so Pastor Goetz-Schuirmann. 

Titelbild: Melissa Körner

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Melissa Körner ist schon einmal durch das größte betauchbare Wrack im Mittelmeer geschwommen - die Zenobia, 40 Meter tief, bestückt mit LKWs. Über Wasser bewegt sie sich am liebsten auf dem Kitesurfbrett oder dem Boot fort. 1999 in Schleswig-Holstein geboren, bereiste sie schon früh die Welt und verbrachte fast jeden Sommer bei ihrer amerikanischen Gastfamilie in Buffalo an der kanadischen Grenze. Neben Deutsch und Englisch spricht sie auch Französisch und Spanisch. Mit Menschen unterhält sie sich gern, studiert hat sie daher Medien- und Kommunikationswissenschaften an der Uni Hamburg. Das allein war ihr zu theoretisch, praktische Erfahrung sammelte sie daher bei RTL in den Landesstudios Kiel und Hamburg. Ihr Ziel: Eine eigene Late-Night-Show oder noch besser, eine eigene Produktionsfirma gründen. Kürzel: mel