Lost ist das Jugendwort 2020.
Lost ist das Jugendwort 2020. Foto: Maximilian Kaiser

„Lost“ ist das Jugendwort des Jahres 2020. Es beschreibt, wie sich mein Vater fühlen muss, wenn zwischen meinem Teenager-Bruder und mir beim Abendessen Sätze fallen, wie: „No offense, aber der boy ist so cringe“.

Mein Vater beschriftet eine Tafel vor seinem Geschäft: „Unsere Terrasse lädt zum „Schillen“ ein.“ Das war vor ein paar Jahren. Heimlich wischte ich beim Vorbeigehen mit dem Zeigefinger das S weg. Anfangs war ich peinlich berührt, aber dann kam ein Gefühl von Stolz in mir auf.

Chill doch mal!

Ich hatte ihm schließlich das Wort beigebracht, als er einmal aufgebracht war (vermutlich wegen steigender Energiekosten oder so) und ich ihm sagte: „Papa, chill doch mal“. Damals war er sich nicht sicher, ob ich ihn gerade angesichts meiner hochpubertären Phase beschimpft hatte. „Was soll ich?“, fragte er mich mit aufgeregter Stimme und zusammengezogenen Augenbrauen. Innerlich darauf vorbereitet, mir zu erklären, dass er immer noch mein Erziehungsberechtigter sei und ich nicht so frech sein solle. Ich konnte die explosive Stimmung aber gerade noch entschärfen, als ich ihm mit genervtem Unterton erklärte, dass chillen entspannen meint.

Letztens hatten wir wieder eine ähnliche Situation: Während des gemeinsamen Familienessens versuchten mein 16-jähriger Bruder und ich ihm das Wort „cringe“ näherzubringen. Das stand neben „wild“ (oder „wyld“) in der Finalrunde vom Jugendwort 2020. Beide konnten sich jedoch nicht durchsetzen gegen „lost“, das aktuelle Jugendwort.

Jugendwort des Jahres: Lost in Translation

Um meinem Vater das Wort „cringe“ zu erklären, setzte ich auf Körpersprache und untermalte meine Aussprache gestisch und mimisch mit einem Schaudern und einem angeekelten Gesichtsausdruck. Als einziger echter Jugendlicher am Tisch warf mein kleiner Bruder dann die deutsche Umschreibung „sich fremdschämen“ ein. Wir Kinder waren uns nicht ganz einig, ob wir damit den Nagel auf den Kopf getroffen haben. Auch die Aussprache („krünsch?“) mussten wir nochmal genauer erläutern. Aber ich bin mir sicher: Bald steht auf einem Schild vor dem Geschäft: „Kommen Sie herein, unser Laden ist nicht „cringe“!“

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Mit Barockfrisur und prunkvollem Reifrock: So konnte man Caterina Klaeden, Jahrgang 1995, in der Innenstadt von Passau bewundern. Neben ihrem Medien- und Kommunikations-Studium zeigte sie dort bei mittelalterlichen Schauspielführungen zum Beispiel das Pesthaus oder den Pranger. Beim Yoga kann sie den Kopfstand, am Handstand arbeitet sie noch. Gebürtig kommt Caterina aus dem Harz, dort entdeckte sie ihre Liebe zum Journalismus. Bei der „Goslarschen Zeitung“ leitete sie das Ressort „Junge Szene“. Für die Miniserie „Harz Attack“ berichtete sie unter anderem über ein Survival Camp. Dabei machte sie Feuer mit Feuersteinen, lernte Kräuterkunde und war mit Schlittenhunden unterwegs. Als kleines Kind wollte sie Delfin-Dompteurin werden. Heute bringt sie in ihrem Podcast „Late Night Hate mit Caty“ Leute zum Lachen und greift darin all das auf, was in ihrem verrückten Leben passiert oder sie ärgert, etwa das unterirdische W-Lan an der Uni Passau. Kürzel: cat

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