Am Montagabend leuchteten zahlreiche Kerzen in Gedenken an die Opfer der Pogromnacht. Zum 82. Jahrestag schöpft die jüdische Gemeinde die Hoffnung, dass die in der NS-Zeit zerstörte Bornplatzsynagoge wieder aufgebaut wird.

Am Montag haben Hamburger*innen vielerorts den jüdischen Opfern der Pogromnacht 1938 gedacht. Auf dem ehemaligen Bornplatz, wo einst die größte Synagoge Norddeutschlands stand, wurde eine damals geraubte Thorakrone von einem Spender an die jüdisch Gemeinde übergeben. Abends wurden im Rahmen der Gedenkveranstaltung „Grindel leuchtet“ Kerzen und Blumen an zahlreichen Stolpersteinen abgelegt – den am Boden verlegten Gedenktafeln, auf denen die Namen von in der NS-Zeit ermordeten oder vertriebenen Menschen eingraviert wurden.

Was während der Pogromnacht in Hamburg geschah

Die Pogromnacht vom 9. auf den 10. November 1938 gilt als Beginn der systematischen Vertreibung von deutschen Juden und Jüdinnen. Etwa 8.000 jüdische Hamburger*innen wurden anschließend verschleppt und ermordet.

„Die meisten Hamburgerinnen und Hamburger schwiegen, aus Angst, aus Feigheit, aus Gleichgültigkeit“, sagte Hamburgs Zweite Bürgermeisterin Katharina Fegebank (Die Grünen) am Montag über die Verbrechen. „Dafür möchte ich mich auch im Namen der Stadt hier heute entschuldigen.“ Deutschlandweit waren damals jüdische Einrichtungen zerstört, geschändet und geplündert worden – darunter auch die Bornplatzsynagoge.

Laut Recherchen der „Hamburger Morgenpost“ wurden dabei alle Besitztümer aus der Synagoge vernichtet oder geraubt und seitdem nie wiedergesehen – mit Ausnahme der silbernen Thorakrone. Vor zehn Jahren bot ein Antiquitätenhändler die Krone erstmals der jüdischen Gemeinde zum Kauf an. Doch dafür fehlte lange das Geld.

Daniel Sheffer, ein Hamburger Unternehmer und Mitglied der jüdischen Gemeinde, kaufte die Thorakrone nun frei. Dank seiner Spende geht das Silberkunstwerk wieder in den Besitz der jüdischen Gemeinde über. Am Montag übergab eine jüdische Schülerin die Krone feierlich an den stellvertretenden Landesrabbiner Shmuel Havlin. Dies war auch der Auftakt einer Kampagne der Initiative „Wiederaufbau Bornplatzsynagoge“.

Sieh dir diesen Beitrag auf Instagram an

Ein Beitrag geteilt von Raawi Jüdisches Magazin (@raawinews) am

Aktion zum Wiederaufbau der Bornplatzsynagoge

„So wie diese Krone wieder in unser Leben getreten ist, so soll die Vielfalt und die Schönheit, die Prächtigkeit jüdischen Lebens wieder in der Hansestadt aufblühen“, sagt Sheffer in einem Instagram-Video über das Ziel der Kampagne. Bis zum Holocaust-Gedenktag am 27. Januar sollen 100.000 digitale Unterschriften für den Wiederaufbau der Bornplatzsynagoge gesammelt werden. Gestartet wurde die Aktion von Sheffer, Fegebank, und Philipp Stricharz, dem Vorsitzenden der jüdischen Gemeinde.

Stricharz sagt: „Der Wunsch, uns anzugreifen, unsere Gebäude und unsere Identität verschwinden zu lassen, der ist immer noch da, wie zuletzt Halle und leider auch Hamburg gezeigt haben.“ Damit bezieht er sich unter anderem auf den antisemitischen Angriff auf einen Studenten vor der Synagoge an der Hohen Weide im Oktober. Diese Synagoge wurde 1960 eingeweiht, wird laut Stricharz aber bis heute kaum wahrgenommen. Eine neue Bornplatzsynagoge hingegen, könne die jüdische Gemeinde zu einem sichtbaren und selbstverständlichen Teil Hamburgs machen.

Über den Wiederaufbau der Bornplatzsynagoge wird schon seit über einem Jahr diskutiert. Im Februar hatte sich die Hamburger Bürgerschaft einstimmig dafür ausgesprochen. Der Senat hatte daraufhin eine Machbarkeitsstudie angestoßen, für die der Haushaltsausschuss im Bundestag 600.000 Euro zur Verfügung stellt. Die Studie wird derzeit vorbereitet.

pia/dpa