Vor Weihnachten ist für die Post die Zustellung der Pakete besonders stressig. Foto: Jan Woitas/zb/dpa
Vor Weihnachten ist für die Post die Zustellung der Pakete besonders stressig. Foto: Jan Woitas/zb/dpa

Für die Post ist Weihnachten die stressigste Zeit des Jahres. Besonders im Corona-Winter 2020. FINK.HAMBURG-Redakteuer Patrick hat selbst mal Pakete ausgetragen und weiß, worüber sich Zusteller*innen freuen – und was gar nicht geht.

Die Geschäfte in der Stadt sind geschlossen. Eine Woche vor Heiligabend beginnt im Corona-Winter 2020 der zweite Lockdown. Wer noch keine Weihnachtsgeschenke hat, muss sie jetzt online bestellen – wenn das nicht ohnehin schon geschehen ist. Ist ja auch entspannt, ein paar Klicks und die Geschenke für die Liebsten kommen bequem nach Hause. Oft schon am nächsten Tag.

Wie das funktioniert, darüber machen wir uns oft gar keine Gedanken. So eine Online-Shoppingtour ist heute schließlich selbstverständlich und klappt meistens reibungslos. Außer diese verdammten Paketboten und Paketbotinnen machen ihren Job nicht richtig!1!!

Für Postboten-Witze hagelt es gerade Likes auf Social Media. Und wenn ihr ehrlich seid, schmunzelt auch ihr, wenn ihr einen solchen Post lest. Das habe ich auch. Bis ich in den Semesterferien selbst Pakete ausgefahren habe, in den Sommerferien, auf dem Dorf.

Seither habe ich großen Respekt vor dem Job und reagiere allergisch auf die „Der-DHL-Mann-hat-extra-gewartet-bis-ich-duschen-bin-Witze“. Die „Bild“ ruft auch noch dazu auf, Videos von „Erfahrungsberichten“ zu schicken. Damit wird das Bashing noch verstärkt: Schlagzeilen macht, was schief läuft. Oder habt ihr schon mal einen Witz über ein angekommenes Paket gelesen? Na gut, im Postillion vielleicht.

Katzenstreu per Post bis an die Wohnungstür

Und das ist unfair. Mal ehrlich: Wer hat so eine Story schon selbst erlebt? Wer hatte ernsthafte Probleme mit Paketzusteller*innen? Und wie oft seid ihr ihnen im Treppenhaus selbst mal entgegengegangen, wenn sie euch schwere Sachen bringen?

Ich habe im Auftrag der Post Boxsäcke in den dritten Stock geschleppt. Da kann ich etwas schlechte Laune beim Zustellen schon irgendwie verstehen. Oft habe ich schon morgens beim Beladen meines gelben Fahrzeugs die Augen verdreht, wenn ich bestimmte Namen auf den Paketen las. Und das nicht, weil die Pakete zu schwer, sondern die Leute unfreundlich, faul oder einfach unangenehm waren.

Richtig ermunternd ist auch, wenn man 20 Kilo Katzenstreu das Treppenhaus hochwuchtet und der Kunde scherzhaft von oben ruft: „Die Pakete sind aber schwer, was habe ich da wohl wieder bestellt?“ Ich war in einem Sommer Postbote, als Corona nur eine Biermarke war. Ich hatte keinen Regentag, war jung, sportlich und habe das maximal fünf Wochen am Stück gemacht. Was der Job vor Weihnachten bedeutet, mag ich mir kaum vorstellen.

Helfende Hände vor Weihnachten

Die Deutsche Post DHL hat bereits Ende November 2020 mit 1,6 Milliarden Sendungen einen Jahresrekord aufgestellt. An den Tagen vor Heiligabend rechnet der Konzern mit 11 Millionen Paketen täglich. Laut Pressestelle bearbeitet das Paketzentrum Hamburg aktuell an Spitzentagen 410.000 Sendungen für die Region der Postleitzahlen beginnend mit 20, 21 und 22. Zwar wurden schon im Frühsommer 4.000 Mitarbeiter*innen eingestellt und die 2.400 Zustellbezirke um weitere 370 Bezirke entlastet. Dennoch wird fast rund um die Uhr gearbeitet, damit eine schnelle Zustellung erfolgen kann.

Was könnt ihr tun, damit ihr mit einem einigermaßen guten Gewissen noch Weihnachtsgeschenke bestellen könnt?
1. Gebt eurem Postboten oder eurer Postbotin Trinkgeld. Viele werden mit Schokolade überhäuft, vielleicht wollen sie das aber gar nicht?
2. Eilt zur Tür, wenn ihr ein Paket erwartet. Ihr könnt euch gar nicht vorstellen, wie lange sich 15 Sekunden vor verschlossenen Türen anfühlen, in der Kälte, bei Wind, kurz vor Feierabend.
3. Nehmt Pakete für eure Nachbarn und Nachbarinnen an. Es ist super nervig, Pakete wieder zurückzuschleppen, vor allem wenn die Pakete für die Wohnung neben an nicht angenommen werden wollen. Es ist bald Weihnachten, seid lieb zueinander.
4. Die Post hat noch weitere Tipps, wie Ablageort bestimmen, Pakete schnell in den Filialen abholen oder Packstationen benutzen. Pakete sollen bis zum 19. Dezember verschickt werden, Briefe und Postkarten bis zum 22. Dezember, damit alles rechtzeitig ankommt.
5. Öffnet nicht in Unterwäsche, Schlafklamotten oder Bademode die Tür … Ich weiß, das beißt sich oft mit Punkt zwei. Ich muss es trotzdem schreiben, ist unangenehm auf der anderen Seite.

Doppelte Menge vor Weihnachten

Ich habe damals an stressigen Tagen – meistens dienstags, da werden die Wochenendbestellungen versendet – ca. 150 Pakete in mein Auto geladen. Ein Kollege sagte mir, an Weihnachten können das doppelt so viele sein. Wie viele es aktuell in Hamburg sind, wollte mir eine Sprecherin nicht verraten. Sie befänden sich im Wettbewerb.

Und natürlich müssen hier auch Subunternehmen erwähnt werden, die die Deutsche Post DHL einstellt. Aktuell werden rund zwei Prozent der Bezirke von sogenannten Servicepartnern befahren. Diese sollen sich zumindest „zur Einhaltung aller gesetzlichen Regelungen, wie Beachtung des Mindestlohngesetzes“ verpflichten. Neben dem Anbieter DHL gibt es weitere Zustellunternehmen, wie DPD oder Hermes. Wenn Zusteller*innen letzteren Anbieters mal wieder nach 20 Uhr an der Haustür klingeln, ist das ein Zeichen für extrem lange Arbeitstage.

Bitte gehört nicht zu den Menschen, die Postboten und Postbotinnen nicht zu schätzen wissen. Ich möchte mich in diesem Winter ganz besonders für ihre Arbeit bedanken.

Titelbild: Jan Woitas/zb/dpa