Alltag, Gesellschaft, Politik: Der Klimawandel ist überall Thema. Doch was tun Hochschulen, um die globale Krise zu verhindern? Diese Frage steht vom 2. bis 4. Juni 2021 im Zentrum des Global University Leaders Council Hamburg, der digital stattfindet.

Klimaschutz geht jeden etwas an. Diese Aussage gilt sowohl für Einzelpersonen als auch die Gesellschaft als Ganzes. Auch in der Politik nehmen Klimafragen immer mehr Raum ein – und zwar parteiübergreifend. Doch welchen Beitrag können eigentlich Institutionen wie Hochschulen zum Klimaschutz leisten? Müssen auch sie Antworten auf die dringlichen Fragen unserer Zeit bereithalten? Kann Lehre, Forschung und Wissensaustausch die Zerstörung unseres Planeten verhindern?

Diesen und weiteren Themen widmen sich von 2. bis 4. Juni  Hochschulpräsident:innen aus 27 Ländern auf dem digitalen Global University Leaders Council (GUC) in Hamburg. In diesem Jahr findet die gemeinsame Initiative der Hochschulrektorenkonferenz, der Körber-Stiftung und der Universität Hamburg digital statt. Die Teilnehmenden schalten sich unter anderem aus Brasilien, Russland, Australien oder Ghana zu. Während die offiziellen GUC-Sitzungen im geschlossenen Kreis stattfinden, war der einleitende Vortrag am Vorabend des Councils öffentlich zugänglich. Moderiert von Barbara Hans, ehemalige Chefredakteurin bei „Spiegel“ und „Spiegel Online“, startete Nobelpreisträgerin Esther Duflo das Programm dabei mit einem klaren Statement:

Universitäten spielen eine entscheidende Rolle beim Klimaschutz!

Vortrag von Nobelpreisträgerin Esther Duflo

Die öffentlich zugängliche Vorveranstaltung des GUC hatte ein klares Ziel: Sowohl die Hamburger als auch die Welt auf die Rolle der Wissenschaft in Klimafragen aufmerksam zu machen.

Schon die Expertise der Sprecherin zeugte dabei vom fachlichen Kaliber des diesjährigen Councils: Esther Duflo ist Professorin für Armutsbekämpfung und Entwicklungsökonomie am Massachusetts Institute of Technology, das „Time Magazine“ setzt sie 2011 auf die Liste der weltweit einflussreichsten Personen. 2019 wurde Esther Duflo schließlich mit gerade einmal 47 Jahren der Nobelpreis für Wirtschaftswissenschaften verliehen. Sie ist die zweite Frau und bisher jüngste Person mit dieser Auszeichnung.

Globale Ungleichheit

In ihrer digitalen Keynote „Good economics for warmer times“ machte Duflo gleich zu Beginn eines deutlich: Wenn es um Krisen geht, wird die globale Perspektive meist vernachlässigt. Bestens zu beobachten sei dies am Beispiel der Impfstoffverteilung während der Covid-19-Pandemie – eine Entwicklung, die sich, der Wissenschaftlerin zufolge, nahtlos auch auf die Klimakrise übertragen lässt: Die reichsten zehn Prozent verursachen die Hälfte der weltweiten Emissionen, so Duflo. Mit den Klimaauswirkungen haben jedoch größtenteils Länder des globalen Südens wie Pakistan, Nordindien und die Sahelzone in Afrika zu kämpfen.

„Wir überschätzen die Wunder der Technik“

Duflo betonte die große Verantwortung, welche die Industriestaaten deswegen tragen. Der Schlüssel zum Umgang mit der Klimakrise liege dabei nicht primär in technologischer Innovation, sondern in kollektivem Handeln, das von Regierungen gesteuert werden müsse: „Wir überschätzen die Wunder der Technik und unterschätzen die Fähigkeit des Menschen, Wandel anzustoßen.“ Universitäten und Hochschulen könnten dies unterstützen, indem sie zum Beispiel Forschungsprojekte mit internationalen Entscheidungsträgern realisieren, die eben jenes Handeln untermauern.

Logo GUC
Foto: Global University Leaders Council

Unis sollten mit gutem Beispiel vorangehen

Im anschließenden Diskussions-Panel bezogen Peter-André Alt (Präsident Hochschulrektorenkonferenz), Pam Fredman (Präsident International Association of Universities), Mamokgethi Phakeng (Vice-Chancellor, University of Cape Town) und Detlef Stammer (Leiter des Weltklimaforschungs-Programms WCRP und Sprecher des Exzellenzclusters Climate, Climatic Change and Society an der Universität Hamburg) Position zu Esther Duflos Vortrag.

Diskutiert wurde vor allem die Zusammenarbeit von Wissenschaft und Politik. Die Verantwortlichen sahen die Bereiche Information und Kommunikation als starke Werkzeuge im gemeinsamen Kampf gegen die Klimakrise. „Menschen müssen informiert genug sein, um zu vertrauen“, fasst es Alt zusammen. Zudem sollten Universitäten selbst aktiv mit gutem Beispiel vorangehen, ihre Emissionen verringern und CO-Neutralität anstreben.

GUC 2021: Drei Tage volles Programm

Esther Duflos Vortrag war nur der Anfang und ein Vorgeschmack auf den offiziellen Teil des virtuellen GUCs. Die Tage von Mittwoch bis Freitag sind für die teilnehmenden Hochschulleiter:innen vollgepackt mit weiteren Programmpunkten. Ob Forschungsstudien, Diskussionsrunden oder Arbeitsgruppen: In den kommenden Tagen erarbeiten die anwesenden Experten einen gemeinsamen Lösungsentwurf für den Kampf gegen den Klimawandel. Mit der „Hamburg Declaration 2021“ wollen sie eine fundierte Handlungsempfehlung aussprechen, wie Hochschulen ihrer großen Verantwortung gerecht werden können – und müssen.

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