Die HVV-App erstrahlt in einem neuen Glanz. Doch die Meinungen über die Nutzerfreundlichkeit der App gehen hierbei auseinander. Auch bei den FINK.HAMBURG-Redakteur:innen Jan-Eric und Julia.

Ein Beitrag von: Jan-Eric Kroeger und Julia Rupf.

Jan-Eric findet: Die Generalüberholung war überfällig

Ein funktionierender öffentlicher Nahverkehr ist für ein Dorfkind wie mich nicht selbstverständlich. In meiner Schulzeit fuhren zwischen dem Kaff, in dem ich wohnte, und der neun Kilometer entfernten Kleinstadt, in der ich zur Schule ging, neben dem Schulbus nur drei weitere Busse über den Tag verteilt. Mal kamen sie pünktlich, mal nicht. Abfahrtszeiten per App? Sowas kann man doch vom analogen Fahrplan an der Haltestelle ablesen! Seine Planungen von einem Bus des öffentlichen Nahverkehrs abhängig machen? Dann lieber gleich aufs Fahrrad umsteigen! Hab ich auch so gemacht.

Umso begeisterter war ich nach meinem Umzug nach Hamburg. Eine einzige Handy-App, die mir Verkehrsmittel übergreifend sagt, wie ich von A nach B gelange! Irre. Allerdings ließ sich über Design und Nutzerfreundlichkeit streiten. Beides erinnerte mich eher an die Ära von Gameboy Advance und Nokia Handys. Die Generalüberholung der HVV-App, die Anfang Oktober endlich ihr Update bekam, war daher überfällig.

Bei dieser Gelegenheit krempelte der Hamburger Verkehrsverbund gleich sein komplettes Erscheinungsbild um. Logo, Farben, App – alles neu. So viele Veränderungen sorgten bei vielen Hamburger:innen für gemischte Gefühle. Für mich überwiegt das Positive.

Mit einem Klick zur Arbeit

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Endlich ist eine digitale Karte mit Standort sofort ersichtlich. Das ist besonders für Abfahrten oder Umstiege an einer unbekannten Haltestelle von Vorteil. Ebenso kann man sich nun besonders häufig genutzte Verbindungen auf die Kurzwahl legen: mit einem Klick „nach Hause“, „zur Arbeit“ oder „zum Sport“. Zur Orientierung erscheinen sogar die Bus- und Bahnlinien, die in der Nähe abfahren. Nicht zu vergessen: das hanseatische Flair. Auf der Startseite werde ich mit „Moin“ begrüßt, drücke ich auf den linken Auswahlreiter appelliert die App an meine Pünktlichkeit: „Nicht lang schnacken…“. Den Lokalcolorit finde ich gut.

Fazit: Die neue App passt sich allemal besser an meine Nutzungsgewohnheiten an als die alte. Und sie funktioniert erst recht besser als die bemoosten Aushänge in den Haltstellen-Häuschen meiner Heimat.

Jule fragt sich: Ist der HVV bald im Social Media Game?

Darauf haben wir Öffi-Nutzer:innen alle gewartet: Eine App, die uns neben der schnellsten Verbindung auch noch ein fancy Erscheinungsbild auf das Smartphone zaubert und damit die „Tik-Tok“-Generation als User:innen gewinnen möchte. Ja, richtig gehört. Bei der neuen HVV-App weiß ich nämlich nie genau, ob ich wirklich die schnellste Verbindung suche oder nicht doch irgendein Hashtag eingeben soll.

Aber was bleibt mir auch anderes übrig als die HVV-App zu nutzen, wenn ich nach der Uni noch gerne an die Landungsbrücken fahren möchte und die U3 immer noch gesperrt ist? In diesem Fall weiß ich nicht, wie ich da hinkommen soll. Als Alternative: Die Google Maps-App schlägt mir vor, einfach drei Kilometer zu Fuß zu laufen und von der „Deutsche Bahn“-App möchte ich erst gar nicht anfangen.

Also doch zurück zur HVV-App. „Wo möchtest du hin?“, fragt mich das Suchfeld und ich tippe „L A N D U N G S B R Ü C K E N“ in das Feld ein. Und tatsächlich: Die App spuckt mir endlich eine Verbindung aus, die aktuelle Bauarbeiten berücksichtigt.

Schnell ein Ticket kaufen: nicht drin

Was mich aber nervt: Im Verlauf werden meine letzten Verbindungen nicht gespeichert, nur die Haltestellen, die „häufig genutzt werden“. Schnell ein Ticket kaufen ist nicht drin, vorher muss ich mich nämlich einloggen und bin dann verwirrt, weshalb es auch noch die „HVV-Switch“-App gibt. Das ist nämlich noch eine App des Hamburger Verkehrsverbunds, die den Wechsel zwischen Bus, Bahn, Fähre, Auto, Fahrrad und Scooter ermöglicht.

Im Endeffekt schaue ich dann erstmal auf der einen App, wann mein Bus fährt, um dann vielleicht mit der anderen App doch das Sharing-Auto zu nehmen. Könnte der HVV die Apps nicht einfach zusammenführen?

So könnte man die schlechte Kaufoption der neuen HVV-App umgehen und das verwirrende Überangebot verringern. Naja, trotzdem werde ich auch morgen wohl wieder das neue fancy Icon auf meinem Handy antippen, um mir dann die spätmöglichste Verbindung rauszusuchen, um noch pünktlich zur Uni zu kommen – eine andere Wahl habe ich nicht.

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Julia Rupf, Jahrgang 1995, hat Xavier Naidoo aus der Jury von DSDS geschrieben. Sie berichtete als Erste über seine Verschwörungstheorien. Außerdem hat sie bereits Will Smith interviewt und kommt aus der gleichen Kleinstadt wie die Rapper Shindy, Bausa und RIN: Bietigheim-Bissingen. Weil sie auch ansonsten keine Angst vor großen Namen hat, schreibt sie alles (Un-)Wichtige aus der Welt der Promis für die „Hamburger Morgenpost“, die „Gala“ und TV-Movie.de auf. In Hamburg ist Jule irgendwo zwischen Punk, Kickboxen und Hip-Hop unterwegs. Hauptsache Subkultur. Nach Jules erstem Tattoo redete ihre Mama eine Woche lang nicht mehr mit ihr, gebracht hat es aber nichts: Inzwischen hat sie vierzehn davon. Kürzel: jup

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