Hannoverscher Bahnhof: Streit um NS-Gedenkstätte beendet

Eigenes Gebäude für Dokumentationszentrum

Gedenktafel zum ehemaligen Hannoverschen Bahnhof. Foto: Umweltbehörde/Schöfer
Gedenktafel zum ehemaligen Hannoverschen Bahnhof. Foto: Umweltbehörde/Schöfer

Der Streit um das Dokumentationszentrum Denkmal Hannoverscher Bahnhof ist beigelegt. Es wird in einem eigenen Bau in unmittelbarer Nähe des ehemaligen Deportationsbahnhofs in der Hafencity entstehen.

Die Entscheidung ist gefallen: Das Dokumentationszentrum zur NS-Gedenkstätte Denkmal Hannoverscher Bahnhof entsteht in einem eigens errichteten Gebäude und nicht wie geplant im Erdgeschoss eines Büro- und Hotelgebäudes. Mit der Entscheidung legen die Beteiligten einen einjährigen Streit um die Baupläne bei. Verfolgtenverbände hatten im März 2021 abgelehnt, sich den ursprünglich geplanten Standort mit einem Unternehmen zu teilen, das in der Vergangenheit von der NS-Kriegswirtschaft profitiert hatte.

Das Denkmal Hannoverscher Bahnhof liegt am Lohsepark mitten in der Hamburger Hafencity. Die Gedenkstätte erinnert an den Standort des ehemaligen Hannoverschen Bahnhof. Hier deportierten die Nationalsozialisten zwischen 1940 und 1945 zahlreiche Jüdinnen und Juden, Sintize und Sinti sowie Romnja und Roma in Ghettos und Lager. Das Denkmal unterteilt sich in drei Elemente: den zentralen Gedenkort am ehemaligen Bahnsteig 2, die Fuge entlang des früheren Gleisbetts und das geplante Dokumentationszentrum

Ein alternativer Standort

Für das neue Dokumentationszentrum entsteht ein eigenes Gebäude an der Ericusbrücke am nördlichen Ende des Lohseparks. Die Mehrkosten für die neue Baumaßnahme will die ursprüngliche Baufirma Müller-Spreer und Co. Am Lohsepark KG übernehmen. Nach Fertigstellung wird das Gebäude dann an die Stadt übergeben. Wie im Ursprungsentwurf soll es viel Platz für Ausstellungsflächen geben. Auch Seminarräume, Arbeitsräume und Verkehrsflächen sind Teil des Konzepts.

Lageplam denk.mal Hannoverscher Bahnhof. Foto: HafenCity Hamburg GmbH
Lageplan Denkmal Hannoverscher Bahnhof. Foto: HafenCity Hamburg GmbH

„Uns war von Beginn an wichtig, das Dokumentationszentrum im engen Austausch mit den Verbänden zu realisieren. Insofern bin ich froh, dass wir dank des Mediationsverfahrens nun eine Lösung gefunden haben, mit der wir diesen wichtigen Ort des Erinnerns weiter gemeinsam umsetzen können“, betont Carsten Brosda, Senator für Kultur und Medien.

Hannoverscher Bahnhof: Streit um Deportationsdenkmal

Ursprünglich sollte das der Gedenkstätte zugehörige Dokumentationszentrum im Erdgeschoss eines Bürogebäudes am Standort Am Lohsepark / Steinschanze entstehen. Die Eröffnung war für 2023 geplant. Allerdings kritisierten die Verfolgtenverbände die Unternehmenshistorie des Mitmieters Wintershall DEA AG, die eng mit der Kriegswirtschaft des NS-Regimes verwoben ist. Daraufhin initiierte die Behörde für Kultur und Medien im März 2021 ein Mediationsverfahren, das nun zu einer einvernehmlichen Einigung führte.

„Wir sind froh, dass unser Protest gegen die Zumutung, die Erinnerung an unsere Deportierten und Ermordeten im Erdgeschoss der Firmenzentrale eines mit den Nazi-Verbrechen verbundenen Konzerns unterzubringen, gewirkt hat“, sagt Arnold Weiß, Landesverein der Sinti in Hamburg e.V..

ebo