Gruenderinnen in Hamburg Headstart
Die Gründerinnen der Recruitingagentur Headstart: Lis Nielsen und Anne Schepull von Wussow. Foto: privat

In dieser Serie stellen wir Frauen und ihre Gründungsideen vor. Den Anfang machen Lis Nielsen und Anne Schepull von Wussow. Sie suchen die besten Kandidaten für offene Stellen in Unternehmen.

„Es geht nicht nur um den Kopf. Es geht um den Menschen“, sagen Lis Nielsen (55) und Anne Schepull von Wussow (41). Dass es sich dabei nicht nur um ein Lippenbekenntnis handelt, beweisen die beiden Frauen täglich: In ihrer Recruitingagentur Headstart stehen flexible Ressourcenverteilung und individuelle Arbeitszeiten im Fokus, ihre Mitarbeiterinnen arbeiten auf Vertrauensbasis und sie sind selbst nur in Teilzeit angestellt. Die Gründerinnen sind beim diesjährigen Emotion Award in der Kategorie „Frauen in Führung“ nominiert.

In einem Hinterhof an der Holstenstraße befindet sich das Büro von Lis Nielsen und Anne Schepull von Wussow. Die Räume bezogen sie erst vor Kurzem, ihre Agentur gibt es bereits seit drei Jahren. Die Unternehmerinnen vermitteln Jobsuchende an Werbeagenturen und in die Medienbranche. Außerdem bieten sie Einzelcoachings an und halten Vorträge. Beide kommen aus der Hamburger Agenturszene. Mit den Kandidaten halten sie auch nach dem Einstieg in den Job Kontakt. Denn während Bewerber in anderen Recruitingagenturen nur eine Nummer sind, halten die Headstart-Gründerinnen den persönlichen Kontakt. Ihre Datenbank umfasst mittlerweile mehr als 12.000 Jobsuchende. Bei einer erfolgreichen Vermittlung zahlen immer die Agenturen für die Arbeit der Gründerinnen.

Wenn ihr eure Agentur nicht gegründet hättet, was würdet ihr heute machen?

Anne: Wahrscheinlich etwas ganz Ähnliches.

Lis: Ich wäre auf der Fashion-Week. Ich habe ein kleines Label, das ich nebenbei betreibe. Aktuell komme ich aber nicht dazu, es weiter auszubauen oder zu promoten.

Wie sieht ein typischer Tag bei euch aus?

Eigentlich ist kein Tag gleich. Alle unsere Mitarbeiterinnen sind in Teilzeit angestellt und sehr flexibel. Nur den Montag starten wir alle gemeinsam mit einer Konferenz. Da teilen wir unsere Kapazitäten für die Woche ein und klären ab, wer wann wie vor Ort ist.

Lis Nielsen ist bei Headstart für die Kreation zuständig, Anne Schepull von Wussow für die Beratung und die Buchhaltung. „Wir vertrauen uns zu 100 Prozent“, sagt Lis. „Das ist die Grundlage für eine gute Gründung.“ Beide haben schon vorher selbstständig als Recruiterinnen gearbeitet und sich bei Agenturanfragen gegenseitig geholfen. Um ihre Kompetenzen zu bündeln, entschlossen sie sich 2014 für die gemeinsame Gründung.

„Für ein gemeinsames Ziel zu kämpfen, motiviert“, sagt Anne Schepull von Wussow. „Allein kann man viel machen, aber nicht alles. Und nicht effektiv. Das ist wirklich Fakt“, so Lis Nielsen. Nicht mehr alleine zu kämpfen und einen Sparringpartner zu haben, fehlte vor allem Anne in ihrer Selbstständigkeit. Jetzt sitzt sie mit einem Team aus sieben Mitarbeiterinnen in ihrem Büro.

Fünf Tipps für Gründerinnen

von Lis Nielsen und Anne Schepull von Wussow

1. 100 Prozent fokussieren. Wer ein Unternehmen gründet, sollte das als Hauptprojekt sehen. 2. Mit Startkapital für die ersten drei Monate starten. Das nimmt den Druck, direkt Umsätze machen zu müssen. 3. Sich mit Geschäftspartnern oder -kunden persönlich treffen, schafft Vertrauen und hilft bessere Beziehungen aufzubauen. Wenn möglich, sogar mit einem bereits bestehenden Netzwerk starten. 4. Den richtigen Gründungspartner finden. Je unterschiedlicher die Kompetenzen sind, umso besser ergänzt man sich später. 5. Mitarbeiter einstellen. Je früher, desto besser. Man lernt Dinge abzugeben, umso schneller erreicht man sein Ziel.
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Lisa-Marie Eichhorn, Jahrgang 1989, schläft besonders gut ein, wenn auf dem Bildschirm „Ultimate Fighting“ läuft. Sie kommt aus der Nähe von Stuttgart und interessiert sich für eine Vielzahl von Themen, von Deutschrap bis Stadtpolitik. Studiert hat sie an der Universität Hamburg, und zwar Deutsche Sprache und Literatur mit dem Schwerpunkt Medien und Theater. Sie hat schon für Medien von „Bild“ bis „Tagesschau“ gearbeitet. Damit finanziert sie das, was sie am liebsten ständig macht: ausgedehnte Reisen.