Im ersten Jahr FINK.HAMBURG wurden knapp 900 Artikel recherchiert, geschrieben und veröffentlicht. Von der Reportage bis zum Exklusiv-Interview – diese 24 Beiträge haben uns Redakteure besonders geprägt.

Johanna Felde (Ressort Wirtschaft & Soziales): „Wer sexuell aktiv war, befand sich in Gefahr“

Bis 1969 wurden Homosexuelle in Deutschland strafrechtlich verfolgt. 1994 wurde der sogenannte Schwulen-Paragraf 175 endgültig abgeschafft. Aber erst jetzt entwirft die Bundesregierung ein Gesetz für die Rehabilitierung Betroffener. Noch nie davon gehört? Hatte ich bis vor kurzem auch nicht. Mein erster Impuls: Einen Mann finden, der davon betroffen war. Einen Tag lang habe ich erfolglos alle möglichen Anlaufstellen abtelefoniert. Mein letzter Ansprechpartner gab mir schließlich den entscheidenden Tipp. Einen Tag später saß ich bei Gottfried Lorenz im Wohnzimmer am Hamburger Stadtrand. Er war selbst nicht direkt davon betroffen, das Interview mit ihm hat mich dennoch sehr berührt und mir gezeigt, wie wichtig es ist, sich bei der Recherche nicht zu versteifen. Die entscheidende Frage war letztendlich eine ganz andere: Wie viele Menschen würden von der Entschädigung eigentlich Gebrauch machen? Erschreckend wenige. Viele Männer dieser Generation leben ihre Sexualität bis heute nicht aus, sind verheiratet und haben Kinder. Ach so: Lesbische Frauen wurden übrigens nicht verfolgt, weil ihnen die Sexualität nicht zugesprochen wurde. Wieder so ein Thema.

ZUM PORTRÄT VON GOTTFRIED LORENZ „WER SEXUELL AKTIV WAR, BEFAND SICH IN GEFAHR“

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Gottfried Lorenz (77) forscht seit Jahren zur Schwulengeschichte in Hamburg. Foto: Johanna Felde

Lukas Schepers (Kultur-Ressort): „Schachmatt am Taxistand“

Dieser Beitrag war für mich besonders, weil mir die Taxifahrer am ersten Tag in Hamburg gleich aufgefallen sind. Sie sind mir bei meinem ersten Besuch in der Hansestadt sofort aufgefallen. Ich empfand es besonders schön, dass sie ihre Pause gemeinschaftlich verbringen, statt in ihren Autos vor dem Handy zu sitzen. Als Journalist erahnt man schnell eine Geschichte hinter solchen Menschen und die Neugier wurde im zweiten Semester so groß, dass ich einfach auf sie zugegangen bin.

ZUR REPORTAGE „SCHACHMATT AM TAXISTAND“

Schachspielende Taxifahrer Hamburg Hauptbahnhof
Die schachspielenden Taxifahrer vom Hamburg Hauptbahnhof. Foto: Lukas Schepers

Julian Kornacker (Technik-Ressort): „Machu Kila erwartet dich“

Dieser Videodreh war seit langem der erste für mich. Außerdem war das mein erster Artikel über ein Computerspiel, das von einem jungen Entwicklerstudio gemacht wird. Als wir von dem Spiel gehört hatten, war sofort klar, dass wir dazu ein Videointerview mit dem Chef der Firma machen müssen. Seit dem Dreh bin ich übrigens sehr gespannt, wie das fertige Spiel nachher aussehen wird.

ZUM BEITRAG „MACHU KILA ERWARTET DICH“

Harriet Dohmeyer (Kultur-Ressort): „Bleibuchstaben für die digitale Zukunft“

An der HAW bin ich fast täglich am Bleisatzlabor vorbeigelaufen, dem perfekten Schauplatz für einen Beitrag über das Thema Typographie. Deswegen habe ich dort nach kurzer Vorrecherche einfach an der Tür geklopft und den Laborleiter Richard Scheffler um ein Interview gebeten. Aus der Idee für einen Artikel über die Grundlagen der Typografie hat sich aber schließlich eine Reportage entwickelt. Denn vor Ort fand ich die Begeisterung der Studierenden für die Bleisatzbuchstaben und den Zusammenhang zwischen alter Technik und digitaler Zukunft viel faszinierender.

Also verabschiedete ich mich vom meinem Plan. Aber obwohl ich die visuellen Inhalte für meine Reportage schon erstellt hatte, war der Text ein kleiner Kampf. Dafür musste ich einige Schranken inmeinem Kopf aufbrechen. Gerade weil ich an dem Artikel so viel geschraubt habe und er mich ordentlich zermürbt hat, ist er rückblickend mein Lieblingsbeitrag aus dem letzten Jahr.

ZUM ARTIKEL ÜBER TYPOGRAPHIE: „BLEIBUCHSTABEN FÜR DIE DIGITALE ZUKUNFT“

Buchstaben aus der Schublade im Bleisatz/Buchdruck Labor. GIF: Harriet Dohmeyer
Buchstaben aus der Schublade im Bleisatz/Buchdruck Labor. GIF: Harriet Dohmeyer

Mats Mumme (Politik-Ressort): „Die Hölle war gründlich geplant“

„Welcome to Hell“ sollte die größte Demo gegen den G20-Gipfel werden und ich war mit meinem Team mittendrin. Für mich war dieser Beitrag besonders, weil ich noch nie zuvor so nah in einer eskalierenden Demonstration als Berichterstatter stand. Wir hatten uns mit einer Videokamera direkt am Ausgang des Hamburger Fischmarktes positioniert, so dass wir einen sehr guten Überblick über die Entwicklungen der Demo hatten und später in einem Video auch sehr detailliert den Polizeieinsatz am Hafen abbilden konnten. Auf jeden Fall hat mich dieser Tag sowie das G20-Wochenende in meiner journalistischen Arbeit geprägt. Auch ein halbes Jahr nach G20 beschäftigen mich noch immer die Aufarbeitungen des Gipfels.

ZUR G20-REPORTAGE „DIE HÖLLE WAR GRÜNDLICH GEPLANT“

Atessa Bock (Ressort Mensch & Umwelt): „Halten Superfoods, was sie versprechen?“

Mein Beitrag zum Thema Superfoods war aus mehreren Gründen etwas Besonderes für mich: Zum einen trifft er thematisch im wahrsten Sinne des Wortes genau meinen Geschmack. Denn auch in meiner Freizeit beschäftige ich mich gerne mit dem Thema Ernährung. Lange Zeit träumte ich davon, einmal für die Women’s Health zu schreiben. Mit diesem Artikel fühlte ich mich ein wenig, als würde ich gerade in der genannten Redaktion sitzen. Gleichzeitig stellte der Artikel mich vor eine journalistische Herausforderung: Ich musste mein eigenes Wissen kritisch hinterfragen und teilweise sogar durch das Wissen einer Expertin widerlegen. Das war manchmal nicht so einfach, vor allem weil ich mich aus meiner „Komfortzone“ bewegen musste. So habe ich aber auch viel Neues dazugelernt. Zusammenfassend ist dieser Artikel mein längster und zeitintensivster Beitrag auf FINK.HAMBURG.

ZUM ARTIKEL „HALTEN SUPERFOODS, WAS SIE VERSPRECHEN?“

Eine Schale Müsli mit Gojibeeren
Superfoods sollen schon in geringen Mengen unseren Nährstoffbedarf decken. Foto: Via Pixabay.

Martin Tege (Kultur-Ressort): „Ich habe Ausschwitz überlebt“

Selten habe ich eine Frau getroffen, die so bemerkenswert ist wie Else Baker. Als achtjähriges Mädchen wurde sie von den Nazis nach Auschwitz deportiert. Durch sehr viel Glück überlebte sie den Krieg und konnte später in London ein neues Leben beginnen. Im Mai hatten mein Kollege Christoph und ich die Möglichkeit, sie zu interviewen. Wir trafen sie im Lohsepark in der HafenCity: Dort, wo Else 1944 in einen Viehwagen gesperrt und abtransportiert wurde. Beeindruckt hat mich, wie stark und voller Lebensmut sie auch mit Anfang 80 noch ist – trotz der schrecklichen Dinge, die ihr passiert sind. Ihre Geschichte erzählen zu dürfen, hat mir wirklich sehr viel bedeutet.

ZUM PORTRÄT ÜBER EINE NS-ZEITZEUGIN

Von Hamburg in die Konzentrationslager Auschwitz und Ravensbrück: Als kleines Mädchen wird Else Baker von den Nazis deportiert – und überlebt.
Als kleines Mädchen wurde Else Baker von den Nazis deportiert. Foto: Martin Tege

Catalina Langer (Politik-Ressort): „Bildung ist für Kinder in Not mit das Wichtigste“

Die Straßen sind menschenleer, als ich zum Interview mit der Unicef-Botschafterin Muzoon Almellehan fahre. Je mehr ich mich der Innenstadt und dem Messegelände des G20-Gipfels nähere, desto lauter sind die Hubschrauber und Polizeisirenen zu hören. Das G20-Wochenende im Juli 2017 war für unsere ganze Redaktion eine außergewöhnliche Erfahrung. Ein paar von uns waren bei den Krawallen in der Schanze dabei, die anderen verfolgten die schrecklichen Szenen per Livestream. Bei meinem Treffen mit Muzoon Almellehan und dem Unicef-Geschäftsführer Christian Schneider ging es mir darum, die Rolle von NGOs beim G20-Gipfel zu thematisieren. Denn in der Presse dominierten die Ausschreitungen die Berichterstattung. Bei dem Gespräch mit Muzoon habe ich gemerkt, wie Unicef und andere Organisationen den Gipfel als Sprachrohr benutzen. Dass die Bemühungen von vielen NGOs durch friedliche Demos oder durch die Teilnahme am Gipfeltreffen in den Hintergrund geraten sind, finde ich immer noch sehr schade. Als Journalistin hat mich das Wochenende und die Geschehnisse sehr geprägt.

ZUM INTERVIEW MIT DER UNICEF-BOTSCHAFTERIN

Muzoon Almellehan und Christian Schneider in Hamburg. Photo: Catalina Langer
Muzoon Almellehan und Christian Schneider in Hamburg. Photo: Catalina Langer

Jan Siemers (Technik-Ressort): „Im Baukasten der Superlative“

Ich bin ein Fan des Fliegens. Deswegen war der Besuch im Airbus Werk in Hamburg-Finkenwerder, dem Baukasten der Superlative, für mich sehr besonders. Dort konnte ich große und kleine Maschinen, die man sonst nur vom Rollfeld, von Innen oder vom Blick in den Himmel kennt, in ihrem Rohbau bestaunen. Oder besser gesagt: Die einzelnen Bauteile. Ob es nun der blanke Stahl, kilometerlange Verkabelung oder winzig kleine Schrauben sind. Alles muss genau zusammen passen, damit nachher ein sicheres Verkehrsmittel an die Airlines übergeben werden kann. Leider darf man auf dem kompletten Werksgelände nicht fotografieren, doch die Bilder von den großen Montagehallen und dem gigantischen A380 brennen sich auch ohne Kamera ins Gedächtnis.

ZUR REPORTAGE IM AIRBUS-WERK

Mitarbeiter von Airbus bauen an einem A320 im Werk in Finkenwerder. Foto: Christian Charisius/dpa
Mitarbeiter von Airbus bauen an einem A320 im Werk in Finkenwerder. Foto: Christian Charisius/dpa

Ines Timm (Ressort Wirtschaft & Soziales): „Deutsche Seefahrer sitzen an Land fest“

„Deutsche Seefahrer sitzen an Land fest“ – Ein Thema, das mich schon länger beschäftigt hat und von dem ich durch Freunde und Bekannte erfuhr. Für FINK.HAMBURG konnte ich dieses Thema journalistisch betrachten und führte mehrere Interviews mit Betroffenen, einem Gewerkschaftsvertreter und dem Pressesprecher des Verbands Deutscher Reeder. Die Komplexität und die (Nicht)-Bereitschaft einiger Interviewpartner, mir Auskunft zu geben, war für mich eine besondere Erfahrung. Durch diesen Artikel habe ich noch einmal gemerkt, wie wichtig guter Journalismus in der heutigen Zeit ist.

ZUM ARTIKEL ÜBER DIE DEUTSCHE SEEFAHRT

Offizier auf einer Schiffsbrücke.
Offizier auf einer Schiffsbrücke. Foto: danr13 – Fotolia.com

Agata Strausa (Politik-Ressort): „Ein Freitag an Hamburgs Partytanke“

Den Abend an der Party-Tankstelle mitten im Gewerbegebiet in Hamburg-Allermöhe werde ich nicht so schnell vergessen. Mein Kollege Julian und ich waren dort, um vom Tunertreffen zu berichten. Zum einen war der Besuch besonders, weil es von der freundlichen Tankwartin frisch gebackene Käsebrezeln geschenkt gab – eine Spezialität des Hauses. Außerdem konnten wir durch unsere Recherche ein Klischee widerlegen. Statt PS-Protzern und Autoposern sind wir dort Autoliebhabern begegnet, die leidenschaftlich von ihrem Bastelhobby schwärmten. Und die Polizei für „korrekte Leute“ hielten.

ZUR TUNERTREFFEN-REPORTAGE IN ALLERMÖHE

Infografik zur Tankstelle in Allermöhe. Grafik: Julian Kornacker

Oliver Koop (Technik-Ressort): „Ein Thriller wird zum Party-Spass“

Ich wollte schon immer einmal fürs Videospielen bezahlt werden. Nun werden wir zwar leider nicht bezahlt, aber trotzdem wurde ein kleiner Traum wahr, als Julian und ich das Playlink-Spiel „Hidden Agenda“ für FINK.HAMBURG getestet haben. Denn immerhin kann ich jetzt behaupten, dass ich für mein Studium zocken durfte. Ein kleines bisschen Ernüchterung gab es aber trotzdem: Denn wenn man ein Spiel testet, muss man plötzlich auf so viel mehr achten und es inhaltlich und technisch auseinandernehmen. Ich glaube, auf Dauer würde mir das den Spielspaß rauben. Also wohl doch kein Traumjob.

ZUM SPIELETEST VON „HIDDEN AGENDA“

Hidden Agenda PS4 Spiel
„Hidden Agenda“, das neue Spiel für das PlayLink-System von PlayStation. Foto: Screenshots: Supermassive Games, Collage: Julian Kornacker

Lisa-Marie Eichhorn (Ressort Mensch & Umwelt): „Aluhüte absetzen: Die Waschkaus kommen“

Es ist Abend, das Ehepaar, mit denen ich mich zum Interview getroffen habe, sitzt in seiner modern eingerichteten Edelstahlküche, eine Katze schmiegt sich ans Stuhlbein und im Hintergrund surrt der Trockner. Alles wirkt normal. Alexa und Alexander Waschkau machen jedoch einen Podcast über Verschwörungstheorien. Er heißt „Hoaxilla“. Das Repertoire reicht von Social Bots bis hin zu Chemtrails. Ich fand bei diesem Thema besonders spannend, mit was für Themen sich das Ehepaar beschäftigt und auf welchen Widerstand sie dabei stoßen. Das Verrückteste ist dabei, dass ich erfahren habe, dass es Leute gibt, die an eine hohle Erde glauben – in der Nazis, Politiker und Wikinger leben sollen. Der Zugang liegt übrigens in der Antarktis. 😉

ZUM ARTIKEL ÜBER VERSCHWÖRUNGSTHEORIEN

Fotos: Pixabay Illustration: Christina Höhnen

Christoph Petersen (Ressort Wirtschaft & Soziales): „Pizzabote auf dem Weg durch die G20-Hölle“

Auf einmal ist es mucksmäuschenstill in der Redaktion: kein Klappern der Tastaturen, kein Live-Stream, keine Push-Meldungen. Nur Benjamin erzählt am anderen Ende der Telefonleitung seine Geschichte. Er ist der Pizzaboote, der sich am Abend mitten in der Welcome-to-Hell-Demo am Fischmarkt wiederfand. Zwischen Polizei, fliegenden Pflastersteinen und linken Aktivisten. Was mir in diesem Moment noch nicht klar ist: Ich werde der einzige Journalist sein, mit dem Benjamin redet, denn sein Arbeitgeber verbietet jedes weitere Interview. Für FINK.HAMBURG ist das Interview ein toller Auftakt in ein aufregendes G20-Wochenende. Für mich ist es bis heute ein unvergesslicher Moment, und ich frage mich, ob ich bei einer Recherche noch einmal so viel Glück haben werde.

ZUM ARTIKEL ÜBER DEN G20-PIZZABOTEN

"Welcome to Hell"-Demo am Fischmarkt. Foto: Dominik Schacht.
„Welcome to Hell“-Demo am Fischmarkt. Foto: Dominik Schacht

Christina Höhnen (Ressort Mensch & Umwelt):

Schon im Sommer 2017 kam im Newsroom  die Thematik „Gewalt gegen den Rettungsdienst“ auf. Dabei fiel mir ein, dass ein Kommilitone aus meinem Bachelorstudium nebenberuflich als Sanitäter beim Arbeiter Samariter Bund in Ottensen arbeitet. Ihn konnte ich dann im Dezember zwölf Stunden im Rettungswagen (RTW) begleiten. An diesem Tag tauchte ich in einen völlig neuen Arbeitsalltag ein, in dem man den Menschen aus einer komplett anderen Perspektive begegnet und für kurze Zeit einen Einblick in ihre Lebensumstände erhält. Wenn ich jetzt Sirenen von Rettungsfahrzeugen höre, habe ich eine bessere Vorstellung davon, was im Wagen gerade vor sich geht.

ZUR SANITÄTER-REPORTAGE

Die ASB-Rettungssanitäter Nils Lohmann und Jon-Hendrik Thumb. Foto: Christina Höhnen

Talika Öztürk (Politik-Ressort): „Meine depressive Mutter und Schwester“

Wie fühlt es sich an, wenn deine Mama einfach keine Motivation hat, morgens aus dem Bett aufzustehen? Im Dezember letzten Jahres habe ich die sehr persönliche Geschichte einer Studentin aufgeschrieben, deren Mutter und Schwester unter Depressionen leiden. Ich selber habe mich dadurch viel mehr mit dieser Krankheit beschäftigt und verstanden, wie wichtig es ist, das Bewusstsein dafür zu stärken.

ZUM ARTIKEL ÜBER DEPRESSION

Wenn Menschen unter Depressionen leiden, leiden Angehörige auch. Foto: Abbie Bernet/Unsplash
Wenn Menschen unter Depressionen leiden, leiden Angehörige auch. Foto: Abbie Bernet/Unsplash

Sarah Kneipp (Technik-Ressort): „Welpen in der Plastiktüte“

Welpen, die kurz nach ihrer Geburt in einer Plastiktüte ausgesetzt werden. Ein Kater, den man aus Wut stundenlang durch die Wohnung schleudert und hetzt, und der dann seiner Erschöpfung erliegt. Das sind nur zwei von vielen Fällen, mit denen sich Hamburger Tierschützer auseinandersetzen müssen. Für mein Feature über die Arbeit des Hamburger Tierschutzvereines war ich einen Tag im Tierheim in der Süderstraße und habe mich umgesehen. Da ich selber vor einem Jahr einen Hund aus schlechten Verhältnissen adoptiert habe, war ich emotional nicht unvoreingenommen. Für mich war es daher etwas Besonderes, den Tierschützern eine Plattform zu bieten und auf das Thema aufmerksam zu machen. Die Geschichten, die ich an dem Tag erzählt bekommen habe, haben mich betrübt und noch lange beschäftigt.

ZUM ARTIKEL ÜBER EIN HAMBURGER TIERHEIM

Etwa 1.200 Tiere warten im Hamburger Tierheim aktuell auf ein neues Zuhause. Foto: Sarah Kneipp

Johanna Klug (Ressort Wirtschaft & Soziales): „Jürgen Vogel spricht über den Tod“

Durch die Kooperation mit dem Filmfest Hamburg hatten wir die Möglichkeit Filme zu rezensieren, aber auch Schauspieler oder Regisseure zu interviewen. Zusammen mit Ines habe ich über den Kinofilm „Der Mann aus dem Eis“ berichtet und ein Interview mit Jürgen Vogel geführt. Ganz entspannt und ungezwungen haben wir ihn dann in einem Hotelzimmer im Grand Elysee getroffen. Auch Fragen zu seinem eigenen Tod und dem Wunsch nach seiner Bestattung hat er offen und ehrlich beantwortet. Eine inspirierende Begegnung, woraus dann auch die Rezension und das Videointerview entstanden sind.

ZUR REZENSION ÜBER JÜRGEN VOGELS „MANN AUS DEM EIS“

Lesley-Ann Jahn (Kultur-Ressort): „Integration zwischen Hummus und Kardamom“

Montagmorgen. Ich quäle mich aus dem Bett und muss direkt zu einem Interview. Meine Motivation hält sich in Grenzen. Aber schon bei der Begrüßung von Manuela Maurer merke ich, dass dieser Termin ein besonderer wird. Manuela hat das Catering-Projekt Chickpeace ins Leben gerufen, bei dem geflüchtete Frauen Spezialitäten aus ihrem Land zubereiten. Manuelas Enthusiasmus für das Projekt, ihre gute Laune und die positive Lebenseinstellung stecken an. Wir reden fast zwei Stunden lang. Nach dem Termin schreibe ich den Artikel zwar nur über das Projekt auf – habe aber für mich persönlich aus dem Treffen viel mehr mitgenommen, als ich je gedacht hätte.

ZUM PORTRÄT DES PROJEKTS „CHICKPEACE“

Rihab Hussein kocht bei Chickpeace Gerichte aus ihrer Heimat. Foto: Oliver Schwarzwald
Rihab Hussein kocht bei Chickpeace Gerichte aus ihrer Heimat. Foto: Oliver Schwarzwald

Johanna Röhr (Ressort Mensch & Umwelt): „Willst du mit mir in den Wald gehen?“

Wer geht schon in den Wald? Also so richtig: abseits der Wege, mitten im wilden Grün, mit glühenden Wangen und einer schlammverschmierten Jacke auf der Erde kniend. Eben. Auch ich war vermutlich das letzte Mal mit neun Jahren abseits des Weges mitten im Wald – bis zum November letzten Jahres. Bei der Pflanzaktion im Forst Klövensteen habe ich das erste Mal nach vielen Jahren wieder so bewusst die Natur erlebt (und noch dazu 80 Bäume gepflanzt). Einen ganzen Tag im Wald zu verbringen und mein Erlebnis aufzuschreiben, hat irgendwas mit mir gemacht.

ZUR REPORTAGE ÜBER DIE BAUMPFLANZAKTION IM HAMBURGER UMLAND

FINK.HAMBURG-Redakteurin Johanna mit ihrem ersten selbstgepflanzten Baum. Foto: Paul Spethmann / @stolem
FINK.HAMBURG-Redakteurin Johanna mit ihrem ersten selbstgepflanzten Baum. Foto: Paul Spethmann

Laura Lagershausen (Ressort Wirtschaft & Soziales): „Eine Tafel ist eine sichere Sache“

Wie digital sind Klassenzimmer heutzutage und welches Thema spielen digitale Medienkompetenzen im Schulalltag? Über diese Frage haben wir im vergangenen Sommer mit Bildungssenator Ties Rabe gesprochen. Danach war uns klar: Das ist nur die eine Sicht der Dinge. Um den Status Quo abbilden zu können, müssen wir mit allen Menschen des Schulbetriebs sprechen – vom Schüler über den Elternvertreter bis hin zum Lehrer. Die größte Herausforderung war jedoch nicht, gesprächsbereite Interviewpartner zu finden, sondern – für den eigenen Eindruck und Fotos – selbst eine Schule besuchen zu dürfen. So zog sich die Veröffentlichung des Beitrags über einige Wochen hin. Als er dann endlich online war, hat mich besonders das positive Feedback auf Twitter gefreut. Der Artikel wurde nämlich mehrfach von Lehrern oder Digitalbeauftragten aus dem Schulwesen geteilt, zitiert und kommentiert. Das zeigte mir, dass das Thema wirklich relevant ist und einen (empfindlichen) Nerv getroffen hat.

ZUM ARTIKEL ÜBER DIE DIGITALISIERUNG VON SCHULEN

Schultafel
Foto: Laura Lagershausen

Joachim Plingen (Politik-Ressort): „Ausbeutung statt Straße“

Könntest du dir vorstellen, auf der Straße zu leben? Wahrscheinlich nicht. Und dennoch ist das für immer mehr Menschen Realität. Aber warum eigentlich? Es gibt viele Gründe, in die Obdachlosigkeit abzurutschen und viele Konsequenzen, die sich daraus ergeben. Wer in Hamburg lebt, sieht jeden Tag Menschen, die ihr Leben in einem Dschungel aus umherrennenden Beinen, Abfall und Schmutz verbringen müssen. Mich mit ehemaligen Obdachlosen und Leuten zu unterhalten, die sich um diese Obdachlose kümmern, hat mich sehr viel lernen lassen: Warum Menschen lieber eine Nacht bei Minusgraden im Freien verbringen, als in einer Massenunterkunft zu schlafen und dass viele Frauen es bevorzugen, für andere zu putzen oder sich anfassen zu lassen, um nicht auf der Straße schlafen zu müssen.

ZUM ARTIKEL ÜBER OBDACHLOSIGKEIT IN HAMBURG

In Hamburg leben immer mehr Menschen auf der Straße. Besonders Frauen sind häufiger obdachlos als zuvor. Foto: Newton Graffiti_cc by 2.0
In Hamburg leben immer mehr Menschen auf der Straße. Besonders Frauen sind häufiger obdachlos als zuvor. Foto: Newton Graffiti

Marie-Sophie Vorbrodt (Ressort Mensch & Umwelt): „Cem, einer von den Affenfelsen“

Graue Hochhausreihen ragen hinter kahlen Bäumen hervor. Es sieht aus, als seien einzelne Teile der Gebäude unterschiedlich schnell in die Höhe geschossen, um dann abrupt aufzuhören zu wachsen. Ich befinde mich am Osdorfer Born, einer Plattenbausiedlung im Westen Hamburgs. Hier lebt der 16-jährige Rapper Cem, der bald einen Plattenvertrag unterschreibt. Er hat mich mitgenommen auf einen Spaziergang durch seine Siedlung und mit mir seine Gedanken über Heimatgefühle und die Flucht aus dem Ghetto geteilt. Diesen Nachmittag in Worten zu verarbeiten und die Stimmung am Born zu verschriftlichen, hat mir von allen Artikeln am meisten Spaß gemacht und war gleichzeitig eine Herausforderung. Das Ergebnis macht mich stolz, zumal der Artikel mit wunderbaren Bildern unterfüttert ist. Die Fotografin Signe Heldt hat Cem über einen längeren Zeitraum begleitet und sein Leben am Osdorfer Born fotografisch dokumentiert.

DIE REPORTAGE ERSCHEINT PARALLEL ZUM MAGAZIN „NICHT JETZT“ IM FRÜHJAHR 2018

Osdorfer Born Nicht jetzt
Foto: Signe Heldt

Robert Bauguitte (Kultur-Ressort): „Das große Geschäft mit den Junggesellenabschieden“

Mein Lieblingsartikel des letzten Jahres war auf jeden Fall die aufwendige Recherche zum Thema Junggesellenabschiede in Hamburg. Ein auf den ersten Blick eher triviales Thema, an dem aber ein ganzer Geschäftszweig hängt. Auf der einen Seite hat es sehr viel Spaß gemacht, die Reeperbahn an einem Freitagabend entlang zu schlendern und dabei die vielen lustig verkleideten und halbbetrunkenen Hochzeitswilliger auf sich wirken zu lassen. Auf der anderen Seite war es aber gar nicht so einfach herauszufinden, welche Agenturen und Bars sich an diesen Personen durch geleitete Touren bereichern. Unheimlich spannend waren auch die unterschiedlichen Reaktionen der Kneipen-Wirte: Von Ablehnung, Duldung und bis hin zur Einladung. Für mich selber nehme ich aus dem Artikel mit: Wenn ich meine Heirat zelebriere, dann nicht auf der Reeperbahn, sondern lieber in einer Paintballhalle.

ZUR REPORTAGE AUF DER REEPERBAHN

Junggesellenabschiede Hamburg
Auf die richtige Verkleidung beim Junggesellenabschied kommt es an. Foto: imago/snapshot