Die ehemalige Thomaskirche in Rahlstedt. // Foto: Talika Öztürk

In der Thomaskirche in Rahlstedt stehen seit Monaten Räume leer. Aktivisten haben diese besetzt – und viele Ideen, was dort passieren soll. 

„Ab jetzt besetzt und selbstverwaltet.“ Ein Transparent ziert den Turm der ehemaligen Thomaskirche. Die Kirche liegt am Ende einer langen Auffahrt zwischen der Meiendorfer Straße und der Jarnostraße in Rahlstedt. Das rote Gebäude steht auf einem sehr großen Grundstück mitten im Grünen. Einige Aktivsten stehen vor der seit Sonntag besetzten Kirche und unterhalten sich mit Anwohnern: „Wir wollen ein selbstverwaltetes Zentrum schaffen, in dem jeder willkommen ist“, sagt Tony. Die Anwohner zeigen sich erfreut, und eine Rentnerin kündigt an, in den kommenden Tagen mit einem selbstgebackenen Kuchen noch einmal vorbeizukommen.

Seit 2012 finden in der Thomaskirche in Rahlstedt keine regelmäßigen Gottesdienste mehr statt. Die darauffolgende Nutzung als Jugendkirche wurde Ende 2016 eingestellt. Seitdem stehen die Räume der Kirche leer. „Das ist doch verschenkter Raum“, so eine Nachbarin.

Die Räume der Kirche werden aktuell vom Kirchenkreis Hamburg-Ost verwaltet. Wolfgang Främke, Pressesprecher des Kirchenkreises, bestätigt, dass die Räume zum jetzigen Zeitpunkt von mehreren Aktivisten besetzt sind. Ab diesem Dienstag möchte sich der Kirchenkreis mit den Aktivisten und deren Forderungen auseinandersetzten und in den direkten Dialog treten. Tony sieht den Verhandlungen positiv entgegen: „Wir sind dabei, ein Konzept für ein selbstverwaltetes Zentrum zu entwickeln. Ich denke, die Gespräche mit dem Kirchenkreis werden gut verlaufen.“

In einigen Gesprächen mit Besetzern, Anwohnern und anderen Interessierten wurde in den vergangenen Tagen Ideen gesammelt, wie die Räume in Zukunft genutzt werden können. Es sollen Projekte wie ein Gemeinschaftsgarten, Nachhilfe-Gruppen oder auch ein Tausch-Laden entstehen. „Je nachdem, was hier vor Ort gebraucht wird“, sagt Tony. Für ihn ist es wichtig, dass das Zentrum möglichst diskriminierungsfrei, unkommerziell, selbstverwaltet und gerecht ist.

Die Beschriftung der Toiletten in der besetzten Kirche. // GIF: Talika Öztürk
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Talika Öztürk, Jahrgang 1995, hasst nichts mehr als Käse, außer Rassismus - und der ist ja auch Käse. Snapchat steht bei der Berlinerin irgendwo kurz vor gutem Essen und Trinken. Sie liebt (viele!) Sneaker, gute Laune und Lakritz. Den Bachelor in Publizistik und Politik im Gepäck, sammelte Talika berufliche Erfahrung in einer Werbeagentur und im Theater. Ansonsten setzt die Älteste von drei Schwestern ihre journalistischen Schwerpunkte in den Bereichen Kultur und Politik. Die ersten vier Jahre ihres Lebens verbrachte sie in Istanbul, aber ihr Türkisch ist etwas eingerostet.