Verena Felder im Konfettiregen vor dem Räppli.
Verena Felder im Konfettiregen vor dem "Räppli". Foto: Johanna Klug

In dieser Serie stellen wir Frauen und ihre Gründungsideen vor: Früher arbeitete Verena Felder in einer Champagnerbar. Dann hat sie sich in Eimsbüttel ihren Traum vom eigenen Laden erfüllt. Das „Räppli“ soll ein mietbarer Raum für kreative Ideen sein.

Räppli ist ein Schweizer Wort und bedeutet Konfetti. Die Vorliebe zu den kleinen bunten Papierschnipseln und ihre Schweizer Wurzeln haben Verena Felder zu dem Namen „Räppli“ inspiriert.

Minimalistisch. Klare und einfache Strukturen. Keine Dekorationsartikel. Zunächst einmal wirkt das „Räppli“, das versteckt in einer Seitengasse zur Osterstraße in Eimsbüttel liegt, nicht wie ein kreativer Ort. Verena Felder steht in der Mitte des Ladens. Ihre Stimme hallt im Raum nach, füllt jede Ecke gleichmäßig aus. Richtig bunt wird es hier erst, wenn jemand die Location mietet. Für eine Ausstellung, einen Designmarkt oder einen Dinnerabend beispielsweise.

„Das ist mein Raum. Meine Insel. Hier bin ich.“

Nach jedem Event wird das „Räppli“ dann wieder neu definiert, um der nächsten Persönlichkeit zur Verfügung zu stehen: „Das ist mein Raum. Meine Insel. Hier bin ich“, sagt Verena Felder und lächelt. Diese Zeit, wenn nichts außer ein paar Stühlen und einem Tisch die Leere füllen, ist für Verena am inspirierendsten. „Vielleicht gerade, weil hier nichts steht. Ich brauche viel Freiraum“, sagt sie und macht eine ausladende Geste.

leerer Raum
Das „Räppli“. Foto: Verena Felder

Verena kommt aus einer kreativen, offenen und gefühlsbetonten Familie. Sie wollte nach dem Abitur etwas total Gegensätzliches machen. „Ich habe nach einer Herausforderung gesucht, um erwachsen zu werden. Da war Jura perfekt.“ Das sachliche Studium begeisterte sie zwar, allerdings fehlten ihr dann doch die zwischenmenschlichen Beziehungen bei der Arbeit.

Verena Felder ging in die Gastronomie und Eventbranche. Sieben Jahre lang war sie Shopmanagerin der Champagnerbar von Veuve Clicquot im Alsterhaus. Sieben Jahre lang hatte sie eine Sechstagewoche. Ihre Aufgabe war es, für andere da zu sein, Menschen in der Bar des Luxuskaufhauses zusammenzubringen. „Ich habe der Bar ein Gesicht gegeben und mich dabei selbst verloren“, sagt Verena. „Da ist mir klargeworden, dass ich mein eigener Chef sein möchte.“

„Die glitzerbunte Welt auf Instagram ist nicht die Realität.“

Parallel zum Job entwickelte sich ihre Idee vom eigenen Laden. Im April 2016 eröffnete sie das „Räppli“, arbeitete von Montag bis Samstag im Alsterhaus und an Sonntagen für ihre Selbstständigkeit. „Es gab keinen Businessplan, ich habe das aus dem Bauch heraus entschieden“, so Verena.

Fünf Tipps für Gründungskreative:

1. Eine Idee, für die man brennt

2. Mut zum Risiko

3. Menschen, die einen unterstützen

4. Finanzielle Absicherung

5. Dinge mal anders machen, als andere

Durch die enorme Doppelbelastung kamen auch Existenzängste. Prioritäten und eigene Wertevorstellungen änderten sich, und damit auch ihr soziales Umfeld. „Viele Freunde oder Bekannte können nicht nachvollziehen, wie viel Arbeit hinter einer Gründung steckt. Die sehen nur die glitzerbunte Welt auf meinem Instagram-Account. Aber das ist ja nicht die Realität.“ Wer sich selbständig macht, müsse Kompromisse eingehen und beispielsweise 24 Stunden an sieben Tagen in der Woche erreichbar sein. Die Unterstützung von Freunden und der Familien sei deshalb enorm wichtig.

Einhorn pop up Bäckerei
Einhorn Pop up Bäckerei. Foto: Verena Felder

Verena Felders große Leidenschaft ist die Fotografie. Nachdem sie einen Fotowettbewerb und damit eine Reise nach Afrika gewonnen hatte, bekam sie immer mehr Aufträge. Ihre Bilder kann sie nun auch in ihrem Laden ausstellen und nebenbei an Shootings und Fotoprojekten arbeiten.

Fotoausstellung im Räppli
Fotoausstellung. Foto: Verena Felder

Seit einem halben Jahr konzentriert sich Verena komplett auf das „Räppli“. „Zum Leben reichen die Einnahmen noch nicht, aber ich kann eine kontinuierliche positive Entwicklung beobachten“, sagt sie. Das gesparte Geld aus ihrer früheren Arbeit hilft, die Kosten zu decken. Im Moment organisiert sie auf Anfrage Kindergeburtstage, veranstaltet Weinschulungen oder bietet Kreativmärkte an. Dann verwandelt sich der Laden in einen kleinen Marktplatz mit genügend Freiraum für selbstgemachte Törtchen und Waffeln. In Kooperationen mit anderen Künstlern werden Traumfänger, Ohrringe oder Einhornbroschen verkauft.

„Ich habe mir einen Ort gewünscht, an dem ich alles vereinen kann, was mich ausmacht. Wo könnte ich schon ein neonfarbenes Einhorn an das Schaufenster malen?“, sagt Verena. Ihre Augen glänzen vor Freude. „Ich kann meine Arbeit gar nicht genau definieren. Aber vielleicht ist es gerade das Gute, dass ich es nicht muss.“


 

Die Gründerin des Räppli Verena Felder
Verena Felder. Foto: Vera Tammen

 

Verena Felder ist in Köln geboren. Nach ihrem Jura-Studium in Hamburg arbeitete sie sieben Jahre lang in einer Champagnerbar.

Parallel dazu baute sie im April 2016 ihren eigenen Laden, das „Räppli“, auf. Sie sagt selbst, dass sie dabei ihrem Bauchgefühl und keinem Businessplan folgte.


In der Serie Gründerinnen beleuchtet FINK.Hamburg die Hamburger Startupszene und stellt Frauen vor, die den Schritt in die Selbstständigkeit gewagt haben.