Vom weißbärtigen Tankerkapitän in Uniform bis zum selbstständigen Barkassenführer im Hamburger Hafen: Was sind das für Menschen, die als Kapitäne zur See fahren? Der Dokumentarfilm „Kapitäne“ gibt eine Antwort. Sehenswert, ohne Kitsch und dennoch emotional. Nur ein Aspekt fehlt.

Der Film porträtiert fünf Hamburger Kapitäne: Iko Eiben, Rainer Stange, Ulf Wolter, Patrick Ehnert und Günther Rieck haben alle auf unterschiedlichen Schiffstypen das Kommando. Sie beschreiben ihre bisherige Laufbahn – vom Schiffsjungen über die Ausbildung bis hin zum Kapitän. Jeder von ihnen geht anders mit der Verantwortung und der Crew um. Der eine bemüht sich um den Kontakt zu seinem Team, zum Beispiel beim gemeinsamen Tischtennisspiel. Der andere ist aufgrund seines Alters darauf bedacht, seine Respektsposition zu halten. Doch trotz gegensätzlicher Ansichten teilen alle die Liebe zur Seefahrt.

Dabei begleitet der Film von Frank Stolp und seinem Sohn Lennart die Protagonisten nicht nur an Bord der Schiffe, sondern zeigt sie auch in ihrem privaten Umfeld. „Kapitäne“ nimmt sich Zeit für die ganz persönlichen Geschichten. Der Kapitän der MS Europa 2, Ulf Wolter, und sein jüngerer Sohn, müssen nach jeder Reise erst einmal wieder zueinanderfinden. Der Film zeigt eindrucksvoll: Kapitäne sind sehr unabhängige und freiheitsliebende, aber auch einsame Menschen, die vieles mit sich selbst ausmachen wollen und müssen.

Neben den Protagonisten spielt Hamburg im Film eine wichtige Rolle. Die Hansestadt ist Dreh- und Angelpunkt der Dokumentation. Einstellungen der Ladekräne im Hamburger Hafen, letzte Überbleibsel der Baugerüste an der Elbphilharmonie, dazwischen kreischende Möwen über dem Wasser: Romantischer hätte man Hamburg nicht inszenieren können.

Und auch die Entstehungsgeschichte des Films zeugt von Liebe und Leidenschaft. Ursprünglich war er für die Bewerbung zum Studiengang Kameratechnik von Sohn Lennart gedacht. Das Projekt entwickelte sich aber schnell zu einer Herzensangelegenheit. Nur so konnten die beiden auch ohne einen Auftrag und ein Budget die Energie und das Geld für den Film aufbringen. Die Dreharbeiten erstreckten sich über 40 Tage, aufgeteilt auf drei Jahre. Die rund 100 Stunden Filmmaterial schnitten Frank und Lennart Stolp in etwa sechs Monaten zusammen.

„Kapitäne“ lässt die Protagonisten sprechen. Deutlich wird: Alle fünf lieben ihren Job. Der Film vermittelt dadurch ein sehr positives Bild des Berufs. Untermalt werden die Interviewpassagen mit ausdrucksstarken Bildern von Schiffen auf See, im Eis oder von Wracks an den Stränden Namibias.

In Erinnerung bleiben vor allem die gestochen scharfen, klaren Bilder. Gelungen sind den Filmemachern diese durch die Auswahl der Objektive. Zum Einsatz kamen Kameras mit Festbrennweite, mit denen man nicht zoomen kann. Das macht die Produktion aufwendiger – die Kameramänner müssen sich hierfür mehr bewegen. Der Qualität der Bilder kommt das aber zu Gute. Ab und zu lassen die Autoren die Bilder für sich wirken, an anderer Stelle sind diese unterlegt von leisem Klavierspiel. Die Titelmusik stellten Eike Swoboda und Nadja Rüdebusch zusammen. Der einprägsame Titelsong „Seaman Like“ (Trailer) wurde eigens für den Film komponiert. „Kapitäne“ wechselt dabei auch den Erzählton von emotional bewegenden Passagen bis hin zu lustigen Szenen.

Die Filmemacher lassen die Kapitäne subjektiv von ihrem Beruf erzählen, negative Themen, etwa die Auswirkungen der schon lang anhaltenden Wirtschaftskrise, kommen nicht vor. Schmerzlich vermissen lässt der Film die weiblichen Protagonisten. Er vermittelt den Eindruck, dass die Seefahrt und vor allem der Berufsstand des Kapitäns auch im Jahr 2017 noch eine rein männliche Domäne ist.

„Kapitäne“ bietet eine Vielzahl an maritimen Hamburg-Bildern und zeichnet ein sehr romantisches Bild des Berufs. Es ist eine 90-minütige Hommage an das „Tor zur Welt“ und den Kaptitänsberuf. Trotz der fehlenden Weiblichkeit ist „Kapitäne“ eine echte Hamburger Perle.


Ab einer Gruppenanzahl von zehn Personen, kannst Du aber auch eine Privatvorstellung im Abaton Kino in Hamburg buchen. Ende 2017 wird der Film auch auf DVD erhältlich sein.

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Ines Timm, Jahrgang 1989, hat schon einmal mitten in einem Gewitter einen Mastbruch überstanden. Die begeisterte Seglerin stammt aus einer Seefahrerfamilie, sie liebt das Meer, würde aber nie eine Kreuzfahrt machen. Geboren ist sie in Brunsbüttel, nach dem Abitur absolvierte sie in Flensburg eine Ausbildung zur Schifffahrtskauffrau. Danach studierte sie an der FH Flensburg BWL mit Schwerpunkt Marketing. Nach dem Bachelor arbeitete sie in unterschiedlichen Werbeagenturen, unter anderem bei Scholz & Friends, und betreute Kampagnen für namhafte Kunden wie Siemens oder das Bundesverkehrsministerium. Als ehrenamtliches Mitglied unterstützt sie mit ihrer Expertise in Öffentlichkeitsarbeit und Marketing den Kulturlotse Hamburg e.V.