Piraten sehen es meist weniger auf die Ladung, als vielmehr auf Lösegelder für die Besatzung ab.
Piraten sehen es meist weniger auf die Ladung, als vielmehr auf Lösegelder für die Besatzung ab. Foto: Alexander Kliem/pixabay

Erst umzingeln sie das Schiff, dann kommen sie mit Strickleitern an Bord: Jedes Jahr überfallen Piraten mehr als einhundert Schiffe weltweit. Auch Hamburger Reeder sind betroffen.

Unschuldig liegt das Fischerboot im Atlantischen Ozean vor der Küste Nigerias. Nichts deutet darauf hin, dass von hier aus gerade ein großes Schiff gekapert wird. Piraten koordinieren die Angriffe auf die Frachter meist von Fischerbooten aus. Per Funk stehen sie mit mehreren kleinen, wendigen Schnellbooten in Kontakt, die das Schiff umzingeln. Der Crew an Bord des Schiffes fehlt häufig die Zeit, um rechtzeitig reagieren zu können. Spätestens, wenn es die Piraten mit Strickleitern an Bord geschafft haben, gerät das Schiff außer Kontrolle.

Am Wochenende haben Piraten vor dem nigerianischen Hafen Onne das Containerschiff „Demeter“ der Hamburger Reederei Peter Döhle geentert und sechs Besatzungsmitglieder entführt. Die verbliebenen zwölf Seeleute blieben unverletzt, das Schiff konnte in sichere Gewässer gesteuert werden. Doch das Schicksal der verschleppten Besatzungsmitglieder ist auch am Mittwoch noch ungewiss.

Das Containerschiff "Demeter" der Reederei Peter Döhle wurde von Piraten vor Nigeria angegriffen.
Das Containerschiff „Demeter“ der Reederei Peter Döhle wurde von Piraten vor Nigeria angegriffen. Foto: Maik Ebel

Piraten wollen Lösegeld erpressen

Jährlich werden mehr als einhundert Schiffe weltweit von Piraten überfallen. Die Internationale Handelskammer meldet von Januar bis September dieses Jahr 121 Zwischenfälle. 80 Besatzungsmitglieder wurden dabei als Geisel genommen, 49 entführt und zwei getötet. Laut Christof Schwaner vom Verband Deutscher Reeder (VDR) ist die „Demeter“ in diesem Jahr das erste Schiff einer deutschen Reederei, das von Piraten angegriffen wurde.

Laut VDR haben es Piraten häufig auf Wertgegenstände oder ein Lösegeld abgesehen. Die Vorgehensweise sei jedoch stark von der jeweiligen Position des Schiffes abhängig: In der Straße von Malakka, vor der Küste Malaysias, sind Piraten vor allem an persönlichen Wertgegenständen der Crew und der Bordkasse interessiert. Geplünderte Uhren und Wertgegenstände können sie auf dem Festland zu Geld machen. Im Golf von Aden vor der Ostküste Afrikas werden Schiffe und Besatzung oft entführt, um ein Lösegeld zu erpressen. 2009 traf es beispielsweise das Schiff „Hansa Starvanger“ der deutschen Reederei Leonhardt & Blumenberg. Damals gelang es den Piraten ein Lösegeld von 2,75 Millionen US-Dollar zu erbeuten. Ein Lösegeld dürfte auch das Ziel der Piraten vor Nigerias Küste sein, die die sechs Besatzungsmitglieder der „Demeter“ entführt haben.

Schutzmaßnahmen sind meist wirkungslos

Viele Schiffe auf den Weltmeeren sind schlecht ausgerüstet gegen die Angriffe der Piraten. Als wirksamster Schutz gelten Sicherheitseskorten an Bord. Die Teams bis zu zehn Personen sind allerdings teuer – sie kosten mehrere tausend Euro am Tag. Deshalb experimentieren Reeder mit High-Tech-Waffen, wie Schallkanonen, elektromagnetischen Wellen und Sicherheitszäunen. Diese bleiben jedoch häufig wirkungslos.

Update: Am 12. November 2017 teilte die Reederei mit, dass die Seemänner wohlbehalten befreit werden konnten.