KlischeesvsFakten_Fisch
Wie beliebt ist Fisch bei den Hamburgern wirklich? Foto: Unsplash / chuttersnap Grafik: Johanna Felde und Johanna Röhr

In dieser Serie stellen wir gängige Hamburg-Klischees knallharten Fakten gegenüber. Dieses Mal: Hamburger essen viel Fisch. Stimmt das wirklich?

Matjes, Bismarck und Lachs im Brötchen: Fisch gehört zu Hamburg, wie der Wind zur Küste. Wer schon einmal an den Landungsbrücken entlanggelaufen oder nach einer langen Nacht auf dem Kiez zum Fischmarkt geschwankt ist, kennt den Geruch von Fisch in Kombination mit Zwiebeln sehr genau. Hamburgern müsste an dieser Stelle das Wasser im Munde zusammenlaufen. Wer an der Elbe, ja quasi am Meer, wohnt, ernährt sich quasi nur von Fisch oder muss ihn zumindest lieben – soweit das Klischee. Doch wie beliebt ist Fisch bei den Hamburgern tatsächlich?

Fischers Fritz fischt frische Fische

Wenn es um den Verzehr von Fisch, Fischerzeugnissen und Krustentieren geht, sind die Hamburger, gemeinsam mit Menschen aus Mecklenburg-Vorpommern, tatsächlich Spitzenreiter. Rund 6,7 Kilogramm Fisch wurden 2015 pro Kopf in Hamburg eingekauft. „In Hamburg gibt es viele Fachgeschäfte, wie beispielsweise die Fischmarkthalle. Dort wird frischer Fisch angeboten, der dann direkt im Restaurant serviert wird. Das kann man schmecken“, so Silke Schwartau, Abteilungsleiterin für Lebensmittel und Ernährung bei der Verbraucherzentrale Hamburg. „Nach Bayern ist der Fisch erstmal ein paar Tage unterwegs“, sagt sie.

Fleisch ist mein Gemüse

Vergleicht man diese Zahl jedoch mit dem Fleischverzehr, ist das Klischee schnell widerlegt: Mit 46 Kilogramm wird rund sieben Mal so viel Fleisch konsumiert wie Fisch. Dieses Ergebnis lässt sich auch auf Gesamtdeutschland übertragen. „Es ist nichts Neues, dass der Fleischkonsum in Deutschland so hoch ist. Das hat mit unseren Ernährungsgewohnheiten zu tun“, sagt Silke Schwartau. Allerdings sei auch eine starke Gegenbewegung zu erkennen. Es gäbe immer mehr Veganer und Vegetarier. „Selbst die Fleischindustrie setzt mittlerweile auf vegetarische Frikadellen und Ähnliches.“

Infografik Fischkonsum
„Hamburger essen nur Fisch.“ Grafik: Johanna Felde und Johanna Röhr

Kaffee ist mein BFF

Dass alltägliche Lebensmittel wie Obst und Brot von den Hamburgern deutlich häufiger verzehrt werden als Fisch, ist wenig überraschend. Hamburg schafft es aber noch in einer weiteren Kategorie an die Spitze: Beim Trinken von Kaffee- und Tee steht Hamburg mit einem Verbrauch von jährlich 237 Kilogramm pro Person im Vergleich mit den anderen Bundesländern auf Platz eins. Das hat vor allem zwei Gründe, sagt Silke Schwartau: „Zum einen gibt es in Hamburg schon immer viele Röstereien, große Kaffeemarken sind hier sehr stark. Zum anderen ist der Zugang zu Kaffee durch den Hafen einfacher.“

Fakt ist: Menschen, die in der Nähe vom Meer leben, essen tatsächlich mehr Fisch. Hamburger dank der Elbe auch. Aber nur, wenn es davor ein Steak und danach noch eine gute Tasse Kaffee gibt.

In der Serie Klischee vs. Fakten beleuchtet FINK.HAMBURG gängige Vorurteile über Hamburg
– und stellt sie knallharten Fakten gegenüber.

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Die Stimme von Johanna Felde, Jahrgang 1993, hat schon so manches junge Paar ins Eheglück begleitet: Eine Zeitlang sang sie in einer Band, die unter anderem bei Hochzeiten auftrat. Die gebürtige Wolfsburgerin mit russlanddeutschen Wurzeln hat sich in Berlin und Schottland für Obdachlose engagiert. Neben ihrem Studium der Publizistik- und Kommunikationswissenschaft an der Freien Universität in Berlin hat sie Praxiserfahrung beim ARD Text und WeltN24 gesammelt. Danach arbeitete sie bei Edition F im Bereich Native Advertising, was ihr Interesse am Verhältnis zwischen Journalismus und PR weckte. Jetzt wohnt sie zusammen mit einem Pärchen in einer 3er-WG im Schanzenviertel – und das funktioniert erstaunlich gut.
Johanna Röhr, Jahrgang 1991, sagt gerne etwas, kann aber auch zuhören - am liebsten wenn's um Sport geht. Und das immer brandaktuell auf Twitter. Sie liebt ihre Heimat München, Nilpferdbabys und gute Satire. Noch fühlt sie sich in Hamburg wie im Ausland, aber das wird sich bestimmt noch ändern. Sie ist Social-Media-Redakteurin bei Spiegel Online und Kommunikationstrainerin, hat aber auch schon als Stadionmoderatorin der Frauenmannschaft des FC Bayern gearbeitet. Sie ist Autorin eines Münchner Stadtführers. Modetrends findet sie cool, merkt das aber immer erst, wenn sie vorbei sind.