Klischees-vs-Fakten-Venedig
Hamburg wird gerne als "Venedig des Nordens" bezeichnet. Foto: Unsplash / Rebe Adelaida Grafik: Johanna Felde, Johanna Röhr

In dieser Serie stellen wir gängige Hamburg-Klischees knallharten Fakten gegenüber. Dieses Mal: Hamburg ist das Venedig des Nordens. Stimmt das wirklich?

Wer an einem schönen Sommerabend durch die Speicherstadt flaniert, braucht nicht einmal die Augen schließen, um sich wie in Venedig zu fühlen: ein lauer Wind streicht durch die Gassen, viele kleine und große Brücken zieren die historischen Bauten, Boote schippern mit aufgeregten Touristen durch die Kanäle. „Hamburg ist das Venedig des Nordens“, sagen deshalb viele. Doch was ist an diesem Klischee dran?

Hamburg: Europas Brückenhauptstadt

In keiner anderen Stadt Europas gibt es so viele Brücken, wie in Hamburg: 2485. Hamburg hat somit mehr Brücken als Venedig (426) und Amsterdam (1539) zusammen. Leif Oetzmann vom Landesbetrieb Straßen, Brücken und Gewässer Hamburgs (LSBG) vermutet, dass es die meisten Brücken im Bezirk Mitte gibt. Der Grund sei „die Infrastruktur mit vielen Straßen-, Schienen- und Wasserverbindungen“. Was man hierbei beachten muss: Die Landfläche Hamburgs ist etwa viermal so groß wie die Venedigs. So wird man bei einem Streifzug durch die Stadt im Nordosten Italiens über wesentlich mehr Brücken gehen, als bei einem Spaziergang durch die Hansestadt. 

Klischees-vs-Fakten-Venedig
„Hamburg, Venedig des Nordens.“ Grafik: Johanna Röhr und Johanna Felde

Pizza, Pasta, Sushi

Damit Hamburg wirklich als „Venedig des Nordens“ gelten kann, reicht der Brückenvergleich allerdings nicht aus. Befragt man das Restaurant-Empfehlungsportal yelp.de* gibt es in Hamburg tatsächlich deutlich mehr italienische als asiatische und portugiesische Restaurants, nämlich 1024. Wer sich also den Flug nach Italien sparen möchte, hat – zumindest wenn es nur um italienisches Essen geht – tatsächlich die Möglichkeit, wie in Venedig zu speisen.

Ja, nein, vielleicht!

Ist Hamburg denn nun das „Venedig des Nordens“? Sind wir ganz ehrlich: das Wetter macht uns – zumindest gefühlt – einen Strich durch die Rechnung. Sind wir noch ehrlicher: auch das italienische Lebensgefühl. Allerdings spricht auch noch ein anderer (Fun-)Fact gegen das Klischee: Bei Wikipedia sind nämlich neben Hamburg gleich zehn weitere Städte als „Venedig des Nordens“ gekennzeichnet. Darunter Amsterdam, Kopenhagen und St. Petersburg. Was gefühlt alle europäischen Städte sind, die relativ viel Wasser haben oder am Wasser liegen. Unser Fazit: Es gibt mehrere „Venedigs“ des Nordens. Damit kann Hamburg gut leben.

*Hinweis: Weder der Handelskammer noch dem Hotel- und Gaststättenverband Hamburg liegen valide Daten zur Restaurantanzahl vor. Ihr Rat an uns: „Gucken Sie doch einfach auf yelp.de nach!“. Die vorliegenden Zahlen basieren also auf einer Zählung nach bestimmten Parametern. Aus diesem Grund sind die angegebenen Daten sicherlich nicht unstrittig.

In der Serie Klischee vs. Fakten beleuchtet FINK.HAMBURG gängige Vorurteile über Hamburg
– und stellt sie knallharten Fakten gegenüber.

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Die Stimme von Johanna Felde, Jahrgang 1993, hat schon so manches junge Paar ins Eheglück begleitet: Eine Zeitlang sang sie in einer Band, die unter anderem bei Hochzeiten auftrat. Die gebürtige Wolfsburgerin mit russlanddeutschen Wurzeln hat sich in Berlin und Schottland für Obdachlose engagiert. Neben ihrem Studium der Publizistik- und Kommunikationswissenschaft an der Freien Universität in Berlin hat sie Praxiserfahrung beim ARD Text und WeltN24 gesammelt. Danach arbeitete sie bei Edition F im Bereich Native Advertising, was ihr Interesse am Verhältnis zwischen Journalismus und PR weckte. Jetzt wohnt sie zusammen mit einem Pärchen in einer 3er-WG im Schanzenviertel – und das funktioniert erstaunlich gut.
Johanna Röhr, Jahrgang 1991, sagt gerne etwas, kann aber auch zuhören - am liebsten wenn's um Sport geht. Und das immer brandaktuell auf Twitter. Sie liebt ihre Heimat München, Nilpferdbabys und gute Satire. Noch fühlt sie sich in Hamburg wie im Ausland, aber das wird sich bestimmt noch ändern. Sie ist Social-Media-Redakteurin bei Spiegel Online und Kommunikationstrainerin, hat aber auch schon als Stadionmoderatorin der Frauenmannschaft des FC Bayern gearbeitet. Sie ist Autorin eines Münchner Stadtführers. Modetrends findet sie cool, merkt das aber immer erst, wenn sie vorbei sind.