Klischees-vs-Fakten-Wetter
Regnet es in Hamburg wirklich viel mehr als im Rest von Deutschland? Foto: Unsplash / Gabriele Diwald Grafik: Johanna Felde, Johanna Röhr

In dieser Serie stellen wir gängige Hamburg-Klischees knallharten Fakten gegenüber. Dieses Mal: Hamburg ist so verregnet. Stimmt das wirklich?

„Hamburg ist ja wirklich schön – aber dieser ständige Regen!“ Es ist das immer gleiche Lied: Hamburg und das Wetter – keine gute Kombination. Soweit das Klischee. Doch wie viel Wahrheit steckt hinter dem Vorurteil? Ist das Wetter in Hamburg tatsächlich so viel schlechter als in anderen Bundesländern? Wir haben die Antworten:

Wo bist du mein Sonnenschein?

Die schlechte Nachricht zuerst: In Hamburg scheint tatsächlich eher selten die Sonne. 1.480 Stunden lang konnten die Hanseaten im Jahr 2016 ihre Nase in die Sonne halten – und landen damit nur knapp vor dem Saarland. Deutschlands sonnigstes Bundesland 2016 ist Brandenburg. Das nordöstliche Bundesland kommt auf 1.735 Sonnenstunden.

„Brandenburg hat mehr Sonne als Hamburg, weil es weiter von der See weg ist. Hier ist die Wetterlage gerne mal ruhiger“, erklärt Diplom-Meteorologe Dominik Jung. Er gibt den Hamburgern aber auch einen Grund zur Hoffnung: „Bei solchen Daten wird immer das Flächenmittel abgebildet. Und die Fläche von Brandenburg ist natürlich größer als die von Hamburg. Das könnte die Statistik auch etwas beeinflussen.“

Wetter in Deutschland. Grafik: Johanna Felde, Johanna Röhr
Wetter in Deutschland. Grafik: Johanna Felde, Johanna Röhr

Nachts ist es kälter als draußen

Fakt ist: Deutschland ist kein warmes Land. Das zeigen nicht nur die dicken Wintermäntel, die in unseren Kleiderschränken hängen, sondern auch die Zahlen des Deutschen Wetterdienstes. Hamburg liegt dabei mit 10,1 Grad Celsius knapp über der gesamtdeutschen Durchschnittstemperatur von 9,6 Grad Celsius. Bayern landet auf dem letzten Platz und ist somit das kälteste Bundesland. Grund für die unterschiedlichen Temperaturen ist das Landklima in Bayern und das Seeklima in Hamburg. Konkret heißt das: Im Sommer und tagsüber ist es in Bayern zwar wärmer als in Hamburg, nachts und im Winter aber deutlich kälter.

Am meisten regnet es im Süden

Was die Niederschlagsmenge angeht, ist Hamburg gar nicht mal so schlecht. Zumindest gibt es fünf Bundesländer, in denen es deutlich mehr regnet. Platz eins belegt sogar ein Bundesland aus dem Süden: Baden-Württemberg. „Im Westen/Südwesten kommen die Regentiefs häufig zuerst an“, erklärt Wetterexperte Jung. „Außerdem ist dort der Schwarzwald. Der ist bekannt dafür, dass sich die Niederschläge dort oft stauen und die Wolken sich ausregnen.“ In Hamburg gibt es diesen Staueffekt zwar nicht, dafür liegt Hamburg nahe der Küste. „Das Wetter ist hier eher wechselhaft. Es ziehen häufiger Tiefdruckgebiete vorbei als beispielsweise im Süden“, sagt Jung. Dadurch sei das Wetter in Hamburg eher unbeständig.

Aber ist das Wetter in Hamburg denn nun wirklich so schlecht? Wetterfachmann Jung hat dazu eine ganz klare Meinung: „Der Eindruck täuscht. Das Wetter in Hamburg ist vielleicht nicht beständig und stabil. Daher bekommt man offenbar den Eindruck das Wetter in Hamburg sei schlecht. Es ist aber eigentlich einfach nur abwechslungsreich.“ Das Wichtigste am Wetter sei aber sowieso etwas anderes: Am Ende gäbe es gar kein gutes oder schlechtes Wetter, so Jung. Denn: „Das ist sowieso Geschmackssache.“

In der Serie Klischee vs. Fakten beleuchtet FINK.HAMBURG gängige Vorurteile über Hamburg
– und stellt sie knallharten Fakten gegenüber.

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Johanna Röhr, Jahrgang 1991, sagt gerne etwas, kann aber auch zuhören - am liebsten wenn's um Sport geht. Und das immer brandaktuell auf Twitter. Sie liebt ihre Heimat München, Nilpferdbabys und gute Satire. Noch fühlt sie sich in Hamburg wie im Ausland, aber das wird sich bestimmt noch ändern. Sie ist Social-Media-Redakteurin bei Spiegel Online und Kommunikationstrainerin, hat aber auch schon als Stadionmoderatorin der Frauenmannschaft des FC Bayern gearbeitet. Sie ist Autorin eines Münchner Stadtführers. Modetrends findet sie cool, merkt das aber immer erst, wenn sie vorbei sind.
Die Stimme von Johanna Felde, Jahrgang 1993, hat schon so manches junge Paar ins Eheglück begleitet: Eine Zeitlang sang sie in einer Band, die unter anderem bei Hochzeiten auftrat. Die gebürtige Wolfsburgerin mit russlanddeutschen Wurzeln hat sich in Berlin und Schottland für Obdachlose engagiert. Neben ihrem Studium der Publizistik- und Kommunikationswissenschaft an der Freien Universität in Berlin hat sie Praxiserfahrung beim ARD Text und WeltN24 gesammelt. Danach arbeitete sie bei Edition F im Bereich Native Advertising, was ihr Interesse am Verhältnis zwischen Journalismus und PR weckte. Jetzt wohnt sie zusammen mit einem Pärchen in einer 3er-WG im Schanzenviertel – und das funktioniert erstaunlich gut.