Klischees-vs-Fakten-Versnobbt
Sind Hamburger wirklich so versnobt? Foto: Unsplash / Mariya Georgieva Grafik: Johanna Felde, Johanna Röhr

In dieser Serie stellen wir gängige Hamburg-Klischees knallharten Fakten gegenüber. Dieses Mal: Hamburg ist so versnobt. Stimmt das wirklich?

Meist tragen Snobs superteure Kleidung – die männlichen ihrer Art in rot und grün. Ein Kaschmirpulli liegt über ihren Schultern während sie Moët-Champagner im Garten ihrer Villa trinken. Sie schmieren sich so viel Gel in ihre Haare, dass sie von fettigen kaum mehr zu unterscheiden sind und fallen durch überheblich-blasiertes Verhalten auf. Soweit die oberflächliche, vorurteilshafte Betrachtung jener Hamburger, die Steppjacke, Segelschuhe und Seidenschal tragen.

Snobs ziehen sich aber nicht nur komisch an, sie sind auch Teil einer ganzen Bewegung. Und wo begann die Snob-Kultur in Deutschland? Genau, in Hamburg. Die neokonservative Jugendbewegung Popper bildete sich Anfang der 1980er Jahre in dieser Stadt und prägte den besonderen Kleidungsstil. Popper zelebrierten demonstrativ den Konsum, auch aus Protest gegen konsumkritische Jugendkulturen. Ein Snob hat also nicht nur Geld, sondern zeigt seinen Reichtum auch sehr gern.

Wie reich und versnobt sind die Hamburger im deutschen Vergleich wirklich?

Money, Money, Money 

Mit 4.434 Euro Brutto pro Monat liegt Hamburg im vorderen Drittel der deutschen Durchschnittsgehälter. Der Vergleich zu Platz eins: Baden-Württemberg liegt nur 162 Euro vom Hamburger Gehalt entfernt. Thüringen landet auf dem letzten Platz und ist 1.344 Euro vom hanseatischen Monatsgehalt entfernt. Für die Unterschiede zwischen den Bundesländern ist laut Dr. Markus Grabka vom Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) vor allem die Wirtschaftsstruktur verantwortlich, die sich je nach Region stark unterscheidet: „Baden-Württemberg ist ein Bundesland, in dem das verarbeitende und exportorientierte Gewerbe eine große Bedeutung hat. In dieser Branche können und werden überdurchschnittlich hohe Löhne gezahlt.“ 

„Hamburg ist so versnobbt.“ Grafik: Johanna Felde und Johanna Röhr
„Hamburg ist so versnobt.“ Grafik: Johanna Felde und Johanna Röhr

The Winner Takes It All

Wenn es um Luxusvillen geht, liegt nicht Hamburg sondern München auf Platz eins. Eine Milliarde Euro geben die Münchner für Prunk-Domizile aus. Hamburg liegt mit über 650 Millionen Euro vor Berlin und Sylt auf dem zweitem Platz. Auch hinsichtlich verkaufter Luxusvillen hat die bayerische Landeshauptstadt die Nase vorn: 600 Villen wurden 2015 in München verkauft, 388 in Hamburg. Im Hinblick auf die Fläche der einzelnen Städte sind die Daten noch aussagekräftiger: Berlin ist flächenmäßig größer und hat mehr Einwohner als Hamburg und München. Dennoch landet die Bundeshauptstadt im Luxusvillen-Rennen nur auf Platz drei.

Unser Fazit: Im Vergleich zu anderen Städten, wie beispielsweise Berlin, müssen sich die Hamburger eingestehen: Hamburg ist schon ziemlich versnobt, wenn man ein hohes Gehalt und teure Häuser zu Indikatoren erklärt. Und: die Snobs aka die Popper kommen aus Hamburg. Das sind satte Punkte auf dem Hamburger Snob-Konto. Klar ist aber auch: München ist mindestens genauso versnobt. Ätsch.

*Sorry für die Überschriften-Ohrwürmer.

In der Serie Klischee vs. Fakten beleuchtet FINK.HAMBURG gängige Vorurteile über Hamburg
– und stellt sie knallharten Fakten gegenüber.

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Johanna Röhr, Jahrgang 1991, sagt gerne etwas, kann aber auch zuhören - am liebsten wenn's um Sport geht. Und das immer brandaktuell auf Twitter. Sie liebt ihre Heimat München, Nilpferdbabys und gute Satire. Noch fühlt sie sich in Hamburg wie im Ausland, aber das wird sich bestimmt noch ändern. Sie ist Social-Media-Redakteurin bei Spiegel Online und Kommunikationstrainerin, hat aber auch schon als Stadionmoderatorin der Frauenmannschaft des FC Bayern gearbeitet. Sie ist Autorin eines Münchner Stadtführers. Modetrends findet sie cool, merkt das aber immer erst, wenn sie vorbei sind.
Die Stimme von Johanna Felde, Jahrgang 1993, hat schon so manches junge Paar ins Eheglück begleitet: Eine Zeitlang sang sie in einer Band, die unter anderem bei Hochzeiten auftrat. Die gebürtige Wolfsburgerin mit russlanddeutschen Wurzeln hat sich in Berlin und Schottland für Obdachlose engagiert. Neben ihrem Studium der Publizistik- und Kommunikationswissenschaft an der Freien Universität in Berlin hat sie Praxiserfahrung beim ARD Text und WeltN24 gesammelt. Danach arbeitete sie bei Edition F im Bereich Native Advertising, was ihr Interesse am Verhältnis zwischen Journalismus und PR weckte. Jetzt wohnt sie zusammen mit einem Pärchen in einer 3er-WG im Schanzenviertel – und das funktioniert erstaunlich gut.

2 KOMMENTARE

  1. Ihr arbeitet mir Durchschnittszahlen. Das sagt leider wenig über die aktuelle finanzielle Situation vieler Hamburger. Laut Statistik besitzen 10 % in Deutschland 63,7 % des Vermögens/Einkommens. Also müssten sich Einkommen und Besitz anders rechnen. Der snobistische Ruf Hamburgs kommt daher, dass eben diese10% den größten Einfluss (Lobbyismus) auf die Politik haben.

    • Liebe Frau Zander, vielen Dank für Ihren Hinweis. Sie haben natürlich recht: wir verwenden in diesem Beitrag Durchschnittszahlen. Allerdings sind es die einzigen Werte, die für einen Vergleich Sinn ergeben. Man muss aber auch sehr genau sein: In unserem Beitrag geht es nicht um Vermögen, sondern um Einkommen. Im Hinblick auf das Gesamtvermögen haben Sie allerdings recht: es ist mit großer Unsicherheit behaftet, da in den Datenquellen Multimillionäre und Milliardäre nicht beobachtet werden. Liebe Grüße aus der Redaktion.

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