Auch die Fans des FC St. Pauli setzen ein Zeichen gegen überhöhte Eintrittspreise. Foto: Pressefoto Baumann GbR, Illustration: Robert Bauguitte
Auch die Fans des FC St. Pauli setzen ein Zeichen gegen überhöhte Eintrittspreise. Foto: Pressefoto Baumann GbR, Illustration: Robert Bauguitte

100 Euro für eine Stehplatz-Karte: Der FC St. Pauli will härter gegen Schwarzmarkt-Händler durchgreifen. Vor allem die Anbieter im Internet sind betroffen. Fans sollen dabei nicht kriminalisiert werden.

Heimspielzeit am Millerntor. Diesen Sonntag werden wieder viele Fans zum Harald-Stender-Platz pilgern. Der MSV Duisburg ist zu Gast. Doch nicht jeder wird auch ein Ticket für das knapp 30.000 Zuschauer fassende Millerntorstadion in der Hand halten. Schon seit Wochen ist das Spiel ausverkauft.

Das wissen auch die Schwarzmarktverkäufer. Wer an der U-Bahnhaltestelle St. Pauli aussteigt, wird direkt angesprochen: „Brauchst du noch eine Karte? Ich habe Steh- und Sitzplätze.“ Wem das nicht seltsam vorkommt, wird sich spätestens beim Preis wundern. Je nach Attraktivität des Gegners verlangen die Verkäufer bis zu 100 Euro pro Karte – für Sitzplätze teilweise das Doppelte.

„Früher sind wir denen noch nachgerannt“, sagt Matthias Müller (32), St. Pauli-Anhänger und mittlerweile Dauerkarteninhaber. Er wird am Sonntag in der Kurve stehen. „Damals haben wir uns mit mehreren Leuten zwei Stunden vor Anpfiff getroffen. Einer hatte immer ein Megaphon dabei. Wenn die Verkäufer dann angefangen haben Passanten anzusprechen, sind wir hin und haben gebrüllt: ‚Das sind Betrüger, kauft nicht bei denen!‘ Mittlerweile geht das aber kaum noch, weil die Schwarzmarktverkäufer jünger geworden und vom neutralen Fan kaum noch zu unterscheiden sind“, sagt Matthias Müller.

Schwarzmarkt verlagert sich ins Internet

Doch eine andere Entwicklung wiegt noch schwerer: Das Schwarzmarkt-Geschäft hat sich vom Stadionvorplatz zunehmend ins Internet verlagert. Interessenten können bei unterschiedlichen Plattformen wie eBay oder Viagogo in großen Mengen selbst für ausverkaufte Spiele Karten kaufen oder ersteigern, selten zum Originalpreis.

Auch mit den beim Online-Versandhaus eBay ersteigerten Karten soll der Zutritt verweigert werden.
Auch beim Online-Versandhaus „eBay“ kann man Karten für St. Pauli-Spiele ersteigern. Screenshot: ebay.de

Vor allem die Plattform Viagogo zieht seit Jahren den Unmut von Fans und Vereinen auf sich. Auf der Website werden Tickets für verschiedene Events angeboten, von Fußballspielen bis hin zu Musikkonzerten. Hinter den Karten steckt jedoch kein offizieller Händler, sondern immer eine Privatperson. Diese verkauft ihr Ticket an den Zwischenhändler Viagogo, der die angebotene Ware dann wiederum mit einem preislichen Aufschlag an Interessenten vermittelt. Inklusive Liefergebühr, Mehrwertsteuer und Buchungssteuer kostet eine Stehplatzkarte für das St. Pauli-Spiel gegen den MSV Duisburg dadurch rund 97 Euro. Im offiziellen Verkauf bezahlt man 12,50 Euro. Rückfragen zu diesem Verkaufsmodell wollte der Anbieter nach Anfrage von FINK.HAMBURG nicht beantworten.

FC St. Pauli sperrt Tickets und mahnt Verkäufer ab

Laut einer offiziellen Mitteilung möchte der FC St. Pauli nun bei im Internet erworbenen Karten härter durchgreifen. Der Verein untersagt in seinen Geschäftsbedingungen ausdrücklich den gewerblichen Handel auf den einschlägigen Plattformen. Allein in der Saison 2016/17 wurden knapp 650 Tickets gesperrt und mehr als 130 Personen wegen unerlaubten Tickethandels abgemahnt. Auch in der aktuellen Saison gab es bereits knapp 350 Ticketsperrungen. Über seine Social-Media-Kanäle warnt der Verein seine Fans vor dem Erwerb solcher Tickets.

Mit welchen technischen Verfahren die betroffenen Tickets erkannt werden, möchte der Verein nicht sagen. Christoph Pieper, Medienleiter beim FC St. Pauli betont aber, dass es einen festen Mitarbeiterstamm gibt, der sich täglich die entsprechenden Plattformen anschaue. Werden Tickets erfolgreich identifiziert, seien diese am Spieltag elektronisch gesperrt. Ein Besucher, der versucht mit einem markierten Ticket ins Millerntorstadion zu gelangen, wird beim Einlass anhand einer roten Kontrolllampe erkannt.

Pieper betont, dass man jedoch niemanden kriminalisieren wolle, sondern immer auch den Einzelfall prüfe. „Denn wir haben keine Lust, dass aus Ticketkäufern plötzlich Geschädigte werden“, so der Medienleiter. Im Gegenzug bietet der Verein dem Käufer einer gesperrten Karte, sofern verfügbar, ein gültiges Ticket zum originalen Preis für den Besuch des Spiels an. Eine Garantie für ein neues Ticket gebe es allerdings nicht.

„Wir haben keine Lust, dass aus ticketkäufern plötzlich geschädigte werden“

Wer im offiziellen Verkauf keine Eintrittskarte ergattert, hat trotzdem noch Chancen das Spiel im Stadion zu erleben. Der Verein bietet seinen Fans mit einer eigenen Ticketbörse im Internet ganz legal die Möglichkeit, noch Eintritt zu erhalten, zum Normalpreis versteht sich. Eine weitere Alternative bietet die Abteilung Fördernde Mitglieder (AFM) am jeweiligen Heimspieltag an. In der AFM-Kartenbörse am Vorplatz vor der Südkurve können nicht genutzte Tickets, auch Dauerkarten, bis zu 2,5 Stunden vor Anpfiff erworben werden.