Adventskalendertürchen 10
"Danke für nichts". Foto: Unsplash, Grafik: Agata Strausa & Laura Lagershausen

Weihnachten ist die Zeit der Nächstenliebe und des Gebens. Für euren Support im ersten Jahr von FINK.HAMBURG möchte sich die Redaktion mit einem Adventskalender und persönlichen Weihnachtstipps bedanken.


Agata Strausa (Ressort Politik)

„Das schönste Geschenk zu Weihnachten ist, wenn ich mit meiner Familie an Heiligabend auf der Skipiste stehe. Das schlimmste Geschenk zu Weihnachten ist vor allem eines: schwierig anzunehmen. Die falschen Geschenke bescheren einfach zu viel Stress.“


Warum Geschenke belastend sind

Nicht immer bekommt man das, was man sich gewünscht hat. Foto: Unsplash, Collage: Agata Strausa

Eigentlich wollte ich über die gesellschaftliche Bedeutung des Schenkens schreiben. Doch während ich mir Artikel dazu durchlas, stellte ich fest, wie nervig das ganze Ritual des Schenkens eigentlich ist. Der ganze Weihnachtsstress entsteht nicht nur dadurch, dass man Geschenke besorgen muss. Viel stressiger ist das Theater um das Annehmen von Geschenken. In der Rolle des Beschenkten kann man so einige Fehler machen. Wie reagiere ich richtig?

Schluss mit dem Gesichtstheater

Kennt ihr dieses unangenehme Gefühl, wenn man ein Geschenk in die Hand nimmt, und sich schon beim Auspacken fragt, wie man am besten im Anschluss reagieren sollte? Man erfühlt das Gewicht des Pakets, tastet sich am Papier entlang. Das Adrenalin-Level steigt, die Hände zittern ein wenig, der Kopf glüht. Dann reißt man die Klebebänder auseinander – und tadaaa – da ist die Überraschung! Aber sie gefällt dir nicht. Noch schlimmer: Du findest das Geschenk hässlich, billig und einfallslos. Du fragst dich, ob du dem Schenker wirklich so wenig bedeutest und ob er dich wirklich so wenig kennt. Du sagst: „Oh danke, wie cool!“, und versuchst zu lächeln. Wirklich schlimm ist es, wenn der Schenker dann auch noch nachfragt: „Gefällt es dir?“. Dann musst du auch noch lügen und etwas sagen wie: „Ja, klar, ist wunderschön, das kann ich gut gebrauchen.“

Lügen gehört zum Ritual des Schenkens

In einem Interview mit dem SZ-Magazin sagt der Soziologe Holger Schwaiger, dass Geschenke auch belastend sein können: Der Beschenkte „soll sich freuen, dankbar sein, sich ein Gegengeschenk ausdenken. Da entsteht immer eine Schuld, die abgetragen werden muss.“

Schuldgefühle zu Weihnachten? Nein, danke! Das hässliche Geschenk ist ja schon genug. Geschenke anzunehmen, will eben gelernt sein. Schwaiger sagt: „Wer schenkt, kommuniziert. Er stellt eine Aussage in den Raum, und der Beschenkte muss darauf irgendwie reagieren.“ Zeige man keine oder zu wenig Dankbarkeit, könne es die Beziehung kompliziert machen.

Liest man im Knigge nach, was zum gepflegten Geschenke Annehmen gehört, heißt es: „Der Beschenkte wird seine etwaige Enttäuschung tunlichst verbergen. Es gehört zu den Lasten des Lebens, auch mit unerfreulichen Dingen klaglos zurecht zu kommen.“ Wow, also sollte ich mich freuen, auch wenn ich lieber weinen würde? Das kann doch nicht der Weihnachts-Spirit sein.

Laut Soziologe Schwaiger können Geschenke sogar eine Demütigung sein: Wenn das Geschenk so teuer ist, dass der Beschenkte keine Chance hat, je etwas Gleichwertiges zurückschenken zu können.

Nehmen und geben lassen

Wer schenkt, erwartet auch etwas zurück. Das muss nicht immer etwas Materielles sein, es kann auch Zuneigung, Zeit oder eine Gefälligkeit sein. Es gibt Menschen, die von sich behaupten, sie würden schenken, ohne zu erwarten, dass man ihnen etwas zurückgibt. Schenken alleine mache ihnen schon Freude genug. Aber sie belügen sich selbst, finde ich. Was sie antreibt ist reiner Egoismus – und ein Freifahrtschein zum uneingeschränkten Konsumieren. Denn dadurch, dass sie die gekaufte Ware weitergeben, stellt sich das sonst oft aufkommende schlechte Gewissen beim grenzenlosen Shoppen  nicht ein. Man kauft und tut damit etwas Gutes, behaupten die vermeintlich Selbstlosen gerne. Doch eigentlich sorgen sie nur dafür, dass das schlechte Gewissen mit dem Geschenk irgendwie weitergegeben wird.

Zum Schluss bleibt die Frage: Sollte man ganz auf die Bescherung zu Weihnachten verzichten und sich einfach gar nichts schenken? Nein, auf keinen Fall! Es gibt bestimmt auch das eine Geschenk unter dem Baum, das einen beim Öffnen einfach vor Freude in die Luft springen lässt, weil man die eigene Freude nicht zurückhalten kann und die Welt um sich herum vergisst. In diesem Sinne: Frohe Weihnachten!

Hinter den Türchen unseres FINK.HAMBURG-Adventskalenders verstecken sich persönliche Weihnachtstipps und -geschichten unserer Redakteure.