Tomaten und Kartoffeln
Tomaten und Kartoffeln enthalten beide den Giftstoff Solanin. Foto: Linh Pham / unsplash

Darf man Joghurtdeckel ablecken? Und ist der grüne Ansatz von Tomaten giftig? HAW-Professorin Katharina Riehn gibt Aufschluss über die bekanntesten Lebensmittelmythen. Mit überraschenden Ergebnissen.

Donnerstagabend. Einige FINK.HAMBURG-Redakteure sitzen bei Auflauf und Möhrensalat zusammen. Das Thema Mensa kommt auf und damit die Frage, warum es dort so selten Spinat gibt. Das Rätsel scheint schnell gelöst: „Spinat darf man doch nicht wieder aufwärmen“, gibt eine der Anwesenden zu bedenken. Aber ist das wirklich so? Es folgt eine lange Diskussion über Lebensmittelmythen, die viele schon einmal gehört haben.

FINK.HAMBURG hat mit Katharina Riehn, Professorin für Lebensmittel-Mikrobiologie und -toxologie an der HAW Hamburg, über neun Lebensmittelmythen gesprochen. Das sind die Ergebnisse:

Der grüne Ansatz von Tomaten ist giftig.

Richtig. Tomaten enthalten, genauso wie Kartoffeln, den Giftstoff Solanin, der sich in den grünen Teilen befindet. „Besonders in unreifen grünen Tomaten und in dem grünen Ansatz, auch Gripsch genannt“, sagt Riehn. Deshalb sollte man die Gripsche nicht mitessen. Solanin führt zu Vergiftungen mit Atembeschwerden, Kreislaufproblemen und Übergeben. Dafür müsste man aber sehr viele Tomaten und Gripsche essen.

Die Schale von Kartoffeln ist ungesund.

Es kommt darauf an. Auch in der Schale von Kartoffeln bildet sich der Giftstoff Solanin. „Der Solaningehalt steigt vor allem dann, wenn Licht an die Kartoffeln kommt. Sichtbar wird das an grünen Stellen auf der Schale und daran, dass die Kartoffel anfängt zu keimen und Augen zu bilden“, sagt HAW-Professorin Riehn. Faustregel: Alles, was an Kartoffeln grün ist und Augen bildet, sollte gründlich abgeschnitten werden. „Wer auf Nummer sicher gehen möchte, sollte Kartoffeln pellen“, sagt Riehn. Das gilt besonders für Schwangere und Kinder. Das unter der Kartoffelschale die meisten Vitamine sind, sei ein Mythos: „Die Schale bietet ernährungsphysiologisch keine Vorteile, da die Vitamine in der ganzen Kartoffel verteilt sind“, erklärt die Professorin.

Lebensmittelmythos Lcheekerne
Sind Lycheekerne tödlich? Foto: Unsplash

Wenn man Lycheekerne runterschluckt, stirbt man.

Es kommt darauf an. „Was giftig sein kann, sind unreife Lychees bzw. Lycheekerne – aber nur, wenn man sehr sehr viele davon essen würde.“, sagt Riehn. Denn die enthaltenen die Giftstoffe Hypoglycin A und Methylen Cyclopropylen Glycine (MCPG) senken den Blutzuckerspiegel. Bei einem Vorfall in Indien hatten Kinder große Mengen unreifer Früchte verzehrt und waren dann an einer Hyperglykämie, also einem Zuckerschock, gestorben. „Wenn man aber mal einen Kern schluckt, passiert nichts“, erklärt die HAW-Professorin.

Angebrochene Konservendosen sollten unbedingt umgefüllt werden – sonst wird der Inhalt giftig.

Fast richtig. Reagiert Weißblech mit Sauerstoff wird Zinn freigesetzt und gelangt in den Doseninhalt. Das passiert, wenn die Beschichtung unvollständig ist oder beim Öffnen beschädigt wird, insbesondere bei sauren Lebensmitteln wie Früchten oder Tomaten. In großen Mengen ist Zinn schädlich. „Wenn man etwas in Konservendosen übrig hat, sollte man dies sicherheitshalber umfüllen“, so Riehn.

Lebensmittelmythen zu viel Wasser trinken
Ist zu viel Wasser ungesund? Foto: Unsplash

Zu viel Wasser auf einmal ist tödlich.

Falsch. „Wenn ich auf einmal sehr, sehr viel Wasser trinke, kann ich tatsächlich den Elektrolythaushalt meines Körpers durcheinander bringen“, sagt Riehn. Bei hoher Wasserzufuhr werden die löslichen Elektrolyte aus dem Körper rausgezogen. „Passiert das häufiger, kann der Elektrolythaushalt nachhaltig geschädigt werden“, sagt Riehn. Zu viel Wasser ist auf jeden Fall nicht gesund, tödlich aber auch nicht.

Angebranntes Essen ist krebserregend.

Richtig. Das liegt jedoch nicht am entstehenden Kohlenstoff – dieser ist nämlich nicht giftig. Das Problem sind Kohlenwasserstoffe, die man zum Beispiel auch beim Rauchen aufnimmt. Diese entstehen beim Verbrennen und sind krebserregend. Außerdem wird bei stärkehaltigen Lebensmitteln, wie Kartoffeln oder Nudeln, Acrylamid freigesetzt. „Dieser Stoff steht in der Diskussion krebserregend zu sein“, sagt Professorin Riehn. Ebenfalls bedenklich: Nitrosamine. Diese können sich beim Verbrennen von Lebensmitteln, die mit Nitritpökelsalz behandelten sind, bilden. Nitrosamine können verschiedene Krankheiten wie Krebs, Alzheimer, Parkinson, Diabetes oder Leberschäden auslösen. Die HAW-Professorin rät dazu, verbrannte Stellen an Lebensmitteln immer großzügig zu entfernen.

Muskatnuss ist in großen Mengen giftig.

Richtig. Der Muskatnussbaum steht mit seiner Frucht auf der Website gifte.de. „Aber um überhaupt etwas zu merken, müsste man mindestens eine oder zwei ganze Muskatnüsse essen“, sagt die Professorin für Lebensmittel-Mikrobiologie und -toxologie. Dann können laut gifte.de Schmerzen im Bauchbereich, Erbrechen, Schwindel oder Übelkeit auftreten. Bei Kindern kann ein übermäßiger Verzehr zum Koma oder sogar Tod führen. Beim Würzen kann die Muskatnuss jedoch kaum versehentlich überdosiert werden. Denn allein der Eigengeschmack schützt davor zu viel von ihr zu essen. „In kleinen Dosen ist Muskatnuss völlig harmlos“, erklärt Professorin Riehn.

Spinat Aufwärmen Lebensmittelmyhtos
Darf Spinat ein zweites Mal aufgewärmt werden? Foto: Unsplash

Spinat sollte kein zweites Mal aufgewärmt werden – weil er dann giftig für den Menschen ist.

Fast richtig. Schuld daran ist das Nitrat im Spinat. Das wird von Pflanzen zum Wachsen benötigt, ist aber an sich ungiftig. Erst in Kombination mit Bakterien, die sich beim langsamen Abkühlen des Spinats vermehren, wird aus Nitrat Nitrit. HAW-Professorin Riehn erklärt: „Nitrit kann Sauerstoff im Blut binden und somit zu einem inneren Ersticken führen.“ Das ist jedoch nur für Säuglinge und kleine Kinder gefährlich, Erwachsene können wiederaufgewärmten Spinat bedenkenlos verzehren. Allerdings sollten Reste besser im Kühlschrank aufbewahrt werden.

Das Ablecken von Joghurtdeckeln löst Alzheimer aus.

Falsch. Die Deckel von Joghurtbechern bestehen zwar aus Aluminiumfolie, die laut einem Mythos aus den Sechzigern ein Auslöser für Alzheimer sein soll, wissenschaftliche Studien haben die Einwirkungen von Aluminium auf Alzheimer jedoch widerlegt. Auch die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit ist „nicht zu der Auffassung, dass die Aluminiumexposition durch Lebensmittel mit dem Risiko verbunden ist.“ Durch das Ablecken des Joghurtdeckels nehme man auf gar keinen Fall entsprechende Mengen Aluminium auf, so Professorin Riehn. „Wenn man gerne Joghurtdeckel ableckt, kann man das weiterhin unbedenklich tun“, erklärt sie.

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Bei gutem Wetter findet man Laura Lagershausen, Jahrgang 1990, in einem Tretboot auf der Alster, bei schlechtem in einem gemütlichen Café im Eppendorfer Weg. Die studierte Modejournalistin schreibt als freie Redakteurin unter anderem für Kundenmagazine bekannter Modemarken, auf ihrem eigenen Blog stellt sie die Hotspots der Hansestadt vor. Was ihr an Hamburg fehlt? Eine so lebendige Hiphop-Tanzszene wie die ihrer Geburtsstadt Hannover - dort war sie früher als Profi aktiv.
Die Stimme von Johanna Felde, Jahrgang 1993, hat schon so manches junge Paar ins Eheglück begleitet: Eine Zeitlang sang sie in einer Band, die unter anderem bei Hochzeiten auftrat. Die gebürtige Wolfsburgerin mit russlanddeutschen Wurzeln hat sich in Berlin und Schottland für Obdachlose engagiert. Neben ihrem Studium der Publizistik- und Kommunikationswissenschaft an der Freien Universität in Berlin hat sie Praxiserfahrung beim ARD Text und WeltN24 gesammelt. Danach arbeitete sie bei Edition F im Bereich Native Advertising, was ihr Interesse am Verhältnis zwischen Journalismus und PR weckte. Jetzt wohnt sie zusammen mit einem Pärchen in einer 3er-WG im Schanzenviertel – und das funktioniert erstaunlich gut.
Atessa Bock, Jahrgang 1993, stand schon einmal für einen „Tatort“ mit Til Schweiger vor der Kamera – als Komparsin. Instagram ist ihr digitales Tagebuch. Ihre Posts handeln von Ernährungstrends, Lifestyle-Themen, oder sie nimmt ihre Community mit zum Sport und auf Reisen rund um den Globus. An der Hochschule Osnabrück hat sie Kommunikationsmanagement studiert, ihre berufliche Leidenschaft fand sie danach in der Unternehmenskommunikation sowie im Influencer-Marketing. Eins käme für die gebürtige Hannoveranerin nie in Frage: Für ein Unternehmen zu arbeiten, hinter dessen Werten sie nicht steht.