G20 Sonderausschuss
Karolina Käfer (27) fordert Gerechtigkeit bei der "Welcome to Hell" Demo. Foto: Lukas Schepers

Am Donnerstag können Hamburger Bürger*innen vor dem G20-Sonderausschuss der Bürgerschaft ihre Meinung zu den Krawallen beim Gipfel im Juli 2017 äußern. In der Kulturkirche Altona wird die öffentliche Anhörung stattfinden.

Der G20-Sonderausschuss hat Anwohner*innen aufgefordert, heute um 17 Uhr in der St. Johannis Kirche ihre Eindrücke vom Gipfel im letzten Juli zu schildern und Anregungen an die Ausschussmitglieder zu geben. Die Redezeit ist dabei auf drei Minuten pro Beitrag begrenzt. Wer nicht öffentlich in Erscheinung treten möchte, soll die Möglichkeit haben, sich abseits der postierten Kameras zu äußern. Senat und Fraktionen wollen erst zum Ende der Veranstaltung zu Wort kommen. Der Ausschuss werde zuhören und die Fragen auf seiner nächsten Sitzung an den Senat weitergeben, sagte die Grünen-Vertreterin Antje Möller.

Ungewöhnlich: Ort und Zielgruppe

Der Ausschuss tagt dort, wo während des G20-Gipfels Demonstrant*innen campierten. Die Kirchengemeinde Altona-Ost erlaubte Aktivist*innen auf dem Gelände der St. Johannis Kirche ihre Zelte aufzuschlagen. Diese Camps waren umstritten und wurden andernorts polizeilich verboten.

An diesem Ort werden nun erstmals Hamburger*innen gefragt, wie sie den Gipfel erlebt haben. Sie sollen die Möglichkeit haben, ihre Eindrücke, Ängste und Erlebnisse direkt zu schildern, erklärte der Vorsitzende des G20-Ausschusses, Milan Pein (SPD), dem „NDR“. „Wir rechnen mit Anwohnern, mit Vertretern von Vereinen, vielleicht auch von Schulen. Wir rechnen mit allen, die das Thema interessiert und das sind letztlich alle Hamburgerinnen und Hamburger gewesen, denn die Ereignisse rund um G20 haben uns ja alle nachhaltig erschüttert“, sagte Pein.

Kein Interesse an Dialog

Henning Brauer, vom Stadtteilbeirat Sternschanze, kommt das zu spät. Er habe keine großen Erwartungen an diese Sitzung, sagte er in einem Interview mit „Hamburg Eins“. Bisher habe er nicht den Eindruck, dass der Ausschuss ein Interesse an einer gemeinsamen Aufarbeitung habe. „Der Ausschuss hat alles dafür getan, dass keiner von dieser Sitzung weiß“, sagt Brauer. Der Ort und der Termin seien erst eine Woche vorher bekanntgegeben worden.

Christiane Schneider von der Linksfraktion geht davon aus, dass viele Hamburger*innen Kritik an der Polizei äußern werden. „Meine Erwartung ist: Es wird richtig voll.“ Es werde darum gehen, warum die Polizei bei den Krawallen im Schanzenviertel nicht rechtzeitig eingegriffen habe und warum das Regierungstreffen mit derartigen Folgen überhaupt veranstaltet wurde.

Die Sitzung wird live im Internet übertragen. Da der Stream nicht gespeichert wird, kann man die Sitzung nur in Echtzeit verfolgen.

ps/dpa

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Pia Siber, Jahrgang 1992, hat schon einmal einem Huhn das Radfahren beigebracht. Geboren ist sie in Bremen, aufgewachsen aber auf dem Dorf. Ihre Schule ging pleite, aufs Abitur hat sie sich deshalb zu Hause vorbereitet. In Bremen hat sie Politikwissenschaft studiert, machte währenddessen PR für ein Wissenschaftskolleg und arbeitete für die „taz“, Radio Bremen und „Bento“. Ihr größtes Opfer: Nachdem sie einen Bulli ein halbes Jahr lang zum mobilen Heim ausgebaut hatte, entließ sie ihre Hündin Nala damit hinaus in die Welt – in menschlicher Begleitung. Jetzt wohnt sie in einer WG in Hamburgs Dorf: Altona. Vielleicht findet Pia hier endlich Zeit zum Akkordeonspielen oder zum Boxen. Priorität hat aber erstmal die Suche nach den besten Pommes der Stadt. Kürzel: ps