Frauen* auf die Bühne – das fordern die Veranstalter*innen des Further Festivals. Zwei Tage lang treten im Uebel und Gefährlich ausschließlich weibliche* Acts auf, denn Männer sehe man schon genug. Friederike Meyer, Head of Label bei Buback Tonträger, spricht im Interview über ängstliche Typen und Erziehungsaufträge.

FINK.HAMBURG: Wieso organisiert ihr das Further Festival?

Friederike Meyer: Das war schon länger in unseren Köpfen. Uns ist immer wieder aufgefallen, wie männerlastig die meisten Festivals sind. Irgendwann gab es diese Aktion, bei der männliche Acts auf Festivalplakaten geschwärzt wurden – da blieb nicht mehr viel übrig. Da hat es Klick gemacht und wir haben entschieden, dass wir was tun müssen. Ich hoffe, dass sich das Further Festival in Hamburg etabliert und diese geballte Form weiblicher* Acts zu einer festen Institution wird. Wobei wir auch gezielt Trans- und nichtbinäre Personen buchen.

Das Further Festival kritisiert das Line-Up des Dockvilles. Nachdem die männlichen Acts rausgestrichen wurden, bleibt nur ein kleiner Teil stehen.
Wird das Dockville Festival im nächsten Jahr mehr Frauen auf die Bühne holen? Foto: MS Dockville, Bearbeitung Bento.

Die Forderung nach mehr weiblicher* Sichtbarkeit ist nicht neu, kann dieses Festival da etwas verändern?

Meyer: Wir zeigen, dass man locker zwei Festivaltage mit weiblichen* Acts bestücken kann, ohne dass jemandem etwas fehlt. Das soll ein Zeichen für andere Booker*innen werden, denn all diese tollen Acts können auch andere buchen. Außerdem glaube ich, dass solche Veranstaltungen den Frauen* Raum zum Netzwerken geben. Rudelbildung gibt es bei Männern öfter mal, Frauen* sollten sich gegenseitig mehr supporten.

Further* Festival

Was? Zwei Tage Festival: Musik- und Leseprogramm mit ausschließlich weiblichen* Acts

Wo? Resonanzraum und Uebel und Gefährlich, Feldstraße 66, 20359 Hamburg

Wann? 02. bis 03. November 2018, ab 18 Uhr

Wer? Sookee, Margarete Stokowski, MS Banks und viele mehr

Fördern Männer tatsächlich eher Männer?

Meyer: Natürlich gibt es viele Männer, die für diese Problematik sensibilisiert sind und darauf achten, Frauen* zu fördern. Aber es gibt auch viele, die beim Booking ängstlich sind und nur das buchen, was sie selbst am besten kennen: weiße Männer.

Das Gegenargument ist immer, dass sie eben das buchen, was das Publikum sehen möchte.

Meyer: Man kann das Publikum ruhig ein bisschen erziehen, dieses Umdenken muss überall stattfinden. Außerdem haben männlich-weiß dominierte Rockfestivals allmählich einfach ausgedient.

Euer Line-Up ist ziemlich Hip-Hop- und Trap-lastig.

Meyer: Stimmt, das ist einfach so passiert. Momentan gibt es einfach sehr viele, sehr gute Künstler*innen aus diesem Bereich. Wir bilden damit ab, was aktuell in der Musik passiert. Trotzdem versuchen wir, auch in den Musikgenres Wert auf Diversität zu legen.

Auf eurer Webseite schreibt ihr, dass dieser tiefsitzende Sexismus sehr weit unten und sehr früh beginnt. Wo muss man ansetzen, um etwas zu ändern?

Meyer: Es müssten überall noch viel mehr Frauen* arbeiten – also zumindest in der Musikbranche. Mittlerweile trifft man auch mal auf Mischer*innen oder Tour-Leiter*innen, aber da kann sich noch einiges tun.

Zukünftig sollten also bei geschwärzten Festivalplakaten noch 50 Prozent des Line Up stehen bleiben?

Meyer: Genau, das wäre doch mal was. Die britische Key-Change Initiative hat sich genau das zum Ziel gesetzt. Sie wollen bis 2022 einen Anteil von mindestens 50 Prozent Frauen* auf den Bühnen. Leider haben sich nur sechs deutsche Festivals angeschlossen. Aber immerhin ist das Reeperbahnfestival in Hamburg mit dabei, die haben dieses Jahr zum ersten Mal ganz bewusst darauf geachtet, mehr Frauen* zu buchen. Ich wünschte, da würden noch mehr Festivals mitmachen.

Das Further Festival kritisiert das Line-Up vom diesjährigen Rock am Ring. Nachdem die männlichen Acts rausgestrichen wurden, bleibt nur ein kleiner Teil stehen.
Quelle: Rock am Ring, Bearbeitung Bento.

* Mit dem Gender-Sternchen werden Menschen sprachlich berücksichtigt, die nicht mit den Begriffen „Mann“ oder „Frau“ beschrieben werden können. Beispielsweise Trans- oder nichtbinäre Personen.

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Pia Siber, Jahrgang 1992, hat schon einmal einem Huhn das Radfahren beigebracht. Geboren ist sie in Bremen, aufgewachsen aber auf dem Dorf. Ihre Schule ging pleite, aufs Abitur hat sie sich deshalb zu Hause vorbereitet. In Bremen hat sie Politikwissenschaft studiert, machte währenddessen PR für ein Wissenschaftskolleg und arbeitete für die „taz“, Radio Bremen und „Bento“. Ihr größtes Opfer: Nachdem sie einen Bulli ein halbes Jahr lang zum mobilen Heim ausgebaut hatte, entließ sie ihre Hündin Nala damit hinaus in die Welt – in menschlicher Begleitung. Jetzt wohnt sie in einer WG in Hamburgs Dorf: Altona. Vielleicht findet Pia hier endlich Zeit zum Akkordeonspielen oder zum Boxen. Priorität hat aber erstmal die Suche nach den besten Pommes der Stadt. Kürzel: ps

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