Ein Mann, ein Junge und ein Esel ziehen durch Ägypten – verbunden durch eine enge Freundschaft und ein gemeinsames Ziel. Yomeddine ist ein langsamer Roadmovie, der die Drei auf der Suche nach ihrer Vergangenheit begleitet: Unaufgeregt, sensibel und authentisch.

Unter einer großen Brücke, irgendwo in einer Stadt in Ägypten. Ein älterer, kleinwüchsiger Mann sitzt mit seinen Freunden zusammen am Feuer und raucht. Einer der Männer hat keine Beine, das Gesicht des anderen ist entstellt, ein weiterer ist am ganzen Körper von Lepranarben gezeichnet. Sie lachen, scherzen und erzählen Geschichten. Sie kennen sich schon länger, nur der Lepraüberlebende ist neu in der Runde. Er ist auf der Durchreise, unterwegs, um seine Familie zu suchen.

Im Film „Yomeddine“ nimmt der Regisseur A.B. Shawky den Zuschauer mit auf die Reise von Beshay. Einem Mann, der durch Lepra verknotete Hände und ein vollständig vernarbtes Gesicht hat. Die Krankheit ist geheilt, doch man sieht ihm für immer an, dass er sie hatte. Ihn und den Waisenjungen Obama trennen 30 Jahre Lebenszeit, und verbindet eine unausgesprochene Freundschaft. Eine Freundschaft die nicht viele Worte braucht, die an Beschimpfungen wächst und durch Witze überlebt.

Yomeddine zeigt Schicksal von vielen Lepra Erkrankten

Beshay wurde als erkrankter Junge in einer Leprakolonie abgegeben und hat seitdem nichts von seiner Familie gehört. Dieses Schicksal teilen, laut Shawky, viele Leprakranke in Ägypten. Ihm kam die Idee zu diesem Film, während er eine Dokumentation über eine Leprakolonie in Kairo drehte.

Die Hauptdarsteller im Film Yomeddine. Foto: Wild Bunch

Es ist nicht nur der Debütfilm von A.B. Shawky, auch die beiden Hauptdarsteller haben nie zuvor vor einer Kamera gestanden. Vier Monate haben sie trainiert um sich daran zu gewöhnen. Sie konnten weder lesen noch schreiben, weshalb der Regisseur ihnen das Script vorlesen musste. Beide haben ähnliche Charakterzüge wie ihre Rollen im Film. Sie sind authentisch und ehrlich – das überträgt sich auf den Film. Man bekommt keine Geschichte erzählt, sondern begleitet die Beiden auf ihrer Reise.

Underdogs der Gesellschaft

In einen solchen Film wollte zunächst niemand Geld investieren, gut dass er doch produziert worden ist. Die Geschichte wird gemächlich erzählt, es ist ein langsam dahin trottender Esel, der die Geschwindigkeit bestimmt. Unaufgeregt und sensibel wird man hineingezogen in das Leben eines von der Gesellschaft Verstoßenen. Der Film stellt dar, wie es sich anfühlt, in der Gesellschaft nicht willkommen zu sein. Er zeigt, mit wie viel Freunde und Mut jeder Mensch dem Leben begegnen kann, auch wenn er anders aussieht als andere.

 

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Pia Siber, Jahrgang 1992, hat schon einmal einem Huhn das Radfahren beigebracht. Geboren ist sie in Bremen, aufgewachsen aber auf dem Dorf. Ihre Schule ging pleite, aufs Abitur hat sie sich deshalb zu Hause vorbereitet. In Bremen hat sie Politikwissenschaft studiert, machte währenddessen PR für ein Wissenschaftskolleg und arbeitete für die „taz“, Radio Bremen und „Bento“. Ihr größtes Opfer: Nachdem sie einen Bulli ein halbes Jahr lang zum mobilen Heim ausgebaut hatte, entließ sie ihre Hündin Nala damit hinaus in die Welt – in menschlicher Begleitung. Jetzt wohnt sie in einer WG in Hamburgs Dorf: Altona. Vielleicht findet Pia hier endlich Zeit zum Akkordeonspielen oder zum Boxen. Priorität hat aber erstmal die Suche nach den besten Pommes der Stadt. Kürzel: ps