NDR-Intendant Lutz Marmor (l) begutachtet das Bild
NDR-Intendant Lutz Marmor (l) begutachtet das Bild "Sonnenblumen" von Emil Nolde. Foto: Christian Charisius/dpa

Fast 40 Jahre lang war das Gemälde „Sonnenblumen“ von Emil Nolde verschwunden, nun ist es wieder da. 1979 wurde das Bild dem NDR gestohlen. Jetzt kaufte er es für 20.000 Euro zurück – das Gemälde ist mehr als eine Million Euro wert.

Es war ein Diebstahl, der Geschichte schrieb: Vor fast 40 Jahren ist das Bild „Sonnenblumen“ von Emil Nolde aus dem Besitz des Norddeutschen Rundfunk gestohlen worden. Am Pfingstwochenende 1979 war das Aquarell aus einem verschlossenen Büro verschwunden. Es hing vermutlich jahrelang in einer Berliner Wohnung.

Im Mai 2017 meldete sich eine 80-jährige Witwe beim NDR. Sie habe das Gemälde von ihrem Ehemann geerbt. Ein Freund und ehemaliger NDR-Mitarbeiter habe diesem das Bild geschenkt, nachdem er es angeblich im Requisitenfundus gekauft hat. Als Schnäppchen. Heute, 62 Jahre nach Noldes Tod, ist das Gemälde bis zu 1,2 Millionen Euro wert.

Nachdem das Bild in einem Gutachten als echt erklärt wurde, entschied sich der NDR, es für einen „Finderlohn“ von 20.000 Euro zurückzukaufen. Der rechtliche Anspruch auf das Gemälde war inzwischen abgelaufen, da das Gemälde länger als zehn Jahre im Besitz der Frau war und sie nichts von dem Diebstahl wusste. Über ihren Anwalt hatte sie herausgefunden, dass das Bild gestohlen wurde. Ob die Witwe es wegen ihres schlechten Gewissens weit unter Wert verkaufte, bleibt unklar.

Wie lief der Diebstahl ab? Warum landete das Gemälde im Fundus? Und ist diese Geschichte überhaupt wahr? Auch diese Fragen bleiben wohl ungeklärt. Die Ermittlungen der Kriminalpolizei blieben damals ergebnislos, der ehemalige Mitarbeiter des NDR ist inzwischen verstorben.

Damals wurde dem NDR auch das Gemälde „Landschaft mit Bauernhaus“ von Nolde gestohlen. Die Arbeit ist kleiner und nicht so wertvoll wie „Sonnenblumen“. Nun besteht die Hoffnung, neue Hinweise zum Aufenthalt des Bildes zu erhalten.

Wieso besitzt der NDR so wertvolle Gemälde?

Die Rundfunkanstalt teilte mit, dass Käufe von Gemälden früher nicht ungewöhnlich waren, da öffentliche Institutionen verpflichtet waren, die bildenden Künste zu unterstützen. Bereits 1950 kaufte Adolf Grimme, der damalige Generaldirektor des NWDR (Nordwestdeutscher Rundfunk), der Vorgänger des NDR, das Gemälde für 10.000 Mark.

In den 1950er Jahren kaufte der NWDR weitere Werke, die bis heute in seinem Besitz sind. Allerdings sind diese nicht so wertvoll wie „Sonnenblumen“ von Emil Nolde. Sie werden in der Wanderausstellung „Weite und Licht – Norddeutsche Landschaften“ seit 20 Jahren in Norddeutschland ausgestellt, zuletzt in Jesteburg, südlich von Hamburg.

Für den Intendanten des NDR, Lutz Marmor, war schnell klar, was mit dem wiedergefundenen Gemälde passieren soll: „Mit Noldes ‚Sonnenblumen‘ verbindet den NDR eine besondere Geschichte. Deshalb fiel uns die Entscheidung leicht: Wir möchten das Bild allen Menschen in Norddeutschland zugänglich machen.“

Das Gemälde wird nach seiner Restaurierung ab Frühjahr 2019 im Sprengel Museum Hannover ausgestellt, ehe es 2020 in der Kunsthalle Hamburg präsentiert wird. Danach wird es in der Kunsthalle Kiel und im Staatlichen Museum Schwerin ausgestellt. Auch darüber hinaus soll es der Öffentlichkeit zugänglich sein, wie der NDR betont.

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Tobias Zuttmann, Jahrgang 1995, ist als Kind so heftig in eine Glastür gelaufen, dass er darin steckengeblieben ist. Heute bewältigt er lieber einen Halbmarathon. Nach dem Ressortjournalismus-Studium im fränkischen Ansbach absolvierte er eine Reihe von Praktika, unter anderem beim WDR, ZDF und „Kicker“. Am längsten blieb er bei ProSiebenSat.1 in der Redaktion der Sportsendung „ran“, denn auf Sport liegt auch im Journalismus sein Fokus. Anschließend folgte die Übernahme als freier Mitarbeiter. Wenn Tobias nicht gerade auf Weltreise ist, kann man ihn während der Football-Saison im ICE auf der Strecke Hamburg-München antreffen, wenn „ran“ wieder mal nach einem kompetenten Sportbericht verlangt. Dafür zeigt er vollen Einsatz: Für acht Stunden Arbeit fährt er innerhalb eines Tages zwölf Stunden Zug. Kürzel: tz

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