Die Basketballer der Hamburg Towers sind nach einer spektakulären Play-off-Saison die neuen Meister der zweiten Bundesliga. Bürgermeister Peter Tschentscher empfing die Aufsteiger am Dienstag im Rathaus.

Manchen Spielern ist die Müdigkeit nach der langen Saison anzumerken, aber die Stimmung im Rathaus ist dennoch ausgelassen. Die Spieler und Trainer der Hamburg Towers scherzen beim Gruppenfoto und genießen stolz die lobenden Worte des Bürgermeisters.

„Wenn man über diese Geschichte ein Drehbuch geschrieben hätte, wäre sie nie verfilmt worden. Zu kitschig und unglaubwürdig ist sie“, sagt Peter Tschentscher.

Aus sozialem Projekt wird ein Profi-Team

Im September 2013 stellten die Ex-Nationalspieler Marvin Willoughby und Pascal Roller das Projekt Hamburg Towers vor. Ein Jahr später folgte das erste Pflichtspiel. Per Wildcard starteten die Towers ein Jahr später in der ProA, der zweiten deutschen Basketball-Liga. Im fünften Jahr gelang nun die Zweitligameisterschaft und damit der Aufstieg.

Innen- und Sportsenator Andy Grote bezeichnet die Towers als „das erfolgreichste sportliche Projekt, welches wir derzeit in Hamburg haben.“ Sie stünden für „soziale Verantwortung, Bodenständigkeit, Solidarität, Bescheidenheit und interne Geschlossenheit“, so Grote.

Bürgermeister Peter Tschentscher und Innensenator Andy Grote gratulieren Towers-Geschäftsführer Marvin Willoughby.
Bürgermeister Peter Tschentscher und Innensenator Andy Grote gratulieren Towers-Geschäftsführer Marvin Willoughby zum Aufstieg. Foto: Dustin Balsing

Den Unterbau des Profi-Teams bilden verschiedene Sportförderungsprojekte in Hamburg, die Towers-Geschäftsführer Willoughby und andere initiiert haben. Darunter fallen unter anderem der Verein Sport ohne Grenzen, die Inselakademie Wilhelmsburg und das Nachwuchsteam Piraten Hamburg. Willoughby ist der Stadt „dankbar für die sehr große Unterstützung, auch bevor es überhaupt um Profi-Basketball ging.“

Die Towers als Prestigeobjekt

In Hamburg gehen immer wieder Profiklubs ein: Das Eishockeyteam Freezers stellte 2016 den Betrieb ein. Nachdem sie zwei Jahre zuvor noch die Champions League gewinnen konnten, meldeten auch die Handballer vom HSV Hamburg 2015 Insolvenz an. Der Klub befindet sich derzeit im Wiederaufbau und spielt in der 2. Bundesliga.

In beiden Fällen lag es an der Finanzierung. Auch die Towers haben erst seit Januar 2019 mit dem Schienenlogistikunternehmen VTG einen Hauptsponsor gefunden.

Das Ende der beiden Klubs ist auch Bürgermeister Tschentscher noch gut im Gedächtnis geblieben: Die Towers würden nun in Hamburg  „als leider einzige Erstliga-Sportmannschaft wahrgenommen“.

Bis zum Saisonende in der 2. Fußball-Bundesliga bleibt noch unklar, ob das so bleiben muss. Mit ihrem Hintergrund als soziales Projekt bleiben die Towers aber wohl in jedem Fall Vorzeigeobjekt am Sportstandort Hamburg.

dub/jus

Foto: Dustin Balsing

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Dustin Balsing, geboren 1993, verwandelte als Kapitän seiner Tennismannschaft gleich zweimal den alles entscheidenden Matchball zum Aufstieg. Auch sonst ist er sportbegeistert. Neben Tennis und Basketball gilt seine größte Leidenschaft dem Fußball. Für sein Studium der Publizistik ging er als Numerus-Clausus-Flüchtling von Würzburg nach Wien. Dort schrieb der gebürtige Kölner und Hertha-Fan Beiträge und Moderationstexte für einen Nachrichtensender und arbeitete über ein Jahr als Online-Redakteur beim Sportportal “Laola1”. Wien ist für ihn wie ein riesiges Museum, nicht nur die Stadt, sondern auch der Dialekt machen ihm Spaß. Kölsch, Schwäbisch, Sächsisch, Berliner Schnauze: Dustin spricht zwar nicht jede Sprache, aber dafür so gut wie jeden Dialekt. Bald schnackt er auch wie ein Hamburger Jung. Kürzel: dub
Justus Beyer, Jahrgang 1993, macht aus Scheiße Geld. Als Mitbegründer der Firma Horse Powered versorgt er Kleingärtner und Floristen mit Naturdünger-Pellets. Mit einem Jahr saß er das erste Mal auf einem Pferd, Landei ist er trotzdem nicht. Für das Studium der Medien- und Kommunikationswissenschaften zog es ihn vom Dortmunder Familienhof nach Hamburg. Dort analysierte er als Werkstudent bei dem Werberiesen Jung von Matt Zielgruppen und Wettbewerber namhafter Kunden. Unternehmen wie BMW, Montblanc und Ricola bereiteten ihm schlaflose Nächte. Bei Xing fand er dann sein persönliches Silicon Valley: Massagen im Büro, Geburtstagskonfetti und persönliche Weihnachtsgrüße vom CEO. Als Curation Manager fütterte Justus den Algorithmus und vernetzte Menschen mit gleichen beruflichen Interessen. Seine Konstante im Leben: Espresso. Kürzel: jub