Türchen auf: In diesem Jahr erzählen Hamburger*innen im FINK.HAMBURG-Adventskalender von ihrem Leben in der Weihnachtszeit. Fährenfahrer Bastian Muxica erklärt, wie es ihn von Chile nach Hamburg verschlug und was im Winter an Bord anders läuft.

Zwölf Jahre lang arbeitete Bastian Muxica als Steuermann auf bis zu 60 Meter langen Frachtern im Pazifik. Als die Probleme der Fischereibranche zu groß wurden, musste ein Lebensplan B her. Nun steuert er seit über neun Jahren HADAG-Fähren im Hamburger Hafen.

Wie kamst Du zu deinem Job als Fährenfahrer in Hamburg?

Bastian Muxica: Ich komme aus Concepcion in Chile, meine Mutter ist aber Deutsche. In Chile habe ich zwölf Jahre lang auf Fischereischiffen im Pazifik gearbeitet. Da waren wir meist zwei bis drei Tage unterwegs und haben in der Zeit bis zu 1200 Tonnen Fisch geladen. Doch irgendwann wurden die Fische immer weniger und kleiner. Die Firmen machten dicht, die Leute wurden gefeuert.

Mit der Abfindung aus der Fischindustrie habe ich mich dann als Lkw-Unternehmer selbstständig gemacht. Doch als auch das nach zwei Jahren nicht mehr lief, habe ich mit meiner Frau beschlossen auszuwandern. Nicht zuletzt wegen des Hafens fiel die Wahl auf Hamburg.

Was läuft in der Weihnachtszeit an Bord anders als im restlichen Jahr?

Bastian Muxica: Einige Schiffe, so wie auch unseres hier, haben einen Tannenbaum vorne am Bug. Den habe ich mit dem anderen festen Fahrer dieser Fähre zusammen aufgestellt. Das ist eine Tradition, die jedes Jahr weitergeführt wird.

Außerdem haben die Schiffe bei uns ja auch einen Kiosk, der von Donnerstag bis Sonntag geöffnet hat. Normalerweise gibt es da Kaffee, Bier, Snacks und so weiter. Aber sobald es kalt wird, kann man auf der Fähre auch Glühwein kaufen.

Fährt die Fähre auch an den Weihnachtsfeiertagen?

Bastian Muxica: Ja, sogar fast rund um die Uhr! Ich bin jetzt seit neuneinhalb Jahren hier, aber musste glücklicherweise noch nie an Heiligabend arbeiten. Das liegt auch daran, dass wir einige Muslime in der Firma haben, die das weniger stört. Aber an den Feiertagen war ich schön öfter an Bord.

Die Stimmung ist da gar nicht so anders. Nur ist es deutlich voller, weil die Leute alle frei haben. Vor allem wenn die Sonne scheint, ist auf der Fähre die Hölle los – und da ist es auch egal, ob es Minus zehn Grad hat.

Foto: Dustin Balsing

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Dustin Balsing, geboren 1993, verwandelte als Kapitän seiner Tennismannschaft gleich zweimal den alles entscheidenden Matchball zum Aufstieg. Auch sonst ist er sportbegeistert. Neben Tennis und Basketball gilt seine größte Leidenschaft dem Fußball. Für sein Studium der Publizistik ging er als Numerus-Clausus-Flüchtling von Würzburg nach Wien. Dort schrieb der gebürtige Kölner und Hertha-Fan Beiträge und Moderationstexte für einen Nachrichtensender und arbeitete über ein Jahr als Online-Redakteur beim Sportportal “Laola1”. Wien ist für ihn wie ein riesiges Museum, nicht nur die Stadt, sondern auch der Dialekt machen ihm Spaß. Kölsch, Schwäbisch, Sächsisch, Berliner Schnauze: Dustin spricht zwar nicht jede Sprache, aber dafür so gut wie jeden Dialekt. Bald schnackt er auch wie ein Hamburger Jung. Kürzel: dub