Deutschlands Marktführer in Kopfbedeckungen ablösen: Kein geringeres Ziel haben die beiden Hamburger Timo und Mölli mit ihrer Marke Tellem Caps. Über den Antrieb, Großes erreichen zu wollen und den täglichen „Hustle“ eines Start-ups.

In der Ecke des Büros einer Werbeagentur, versteckt hinter Trennwänden, sitzen sich die beiden Gründer gegenüber. Der begrenzte Arbeitsplatz wird von einem mit Kartons überfüllten Regal zusätzlich beschnitten. Platz gibt es nur nach oben in der backsteinernen Gewölbehalle.

Timo Dietterich (30) und Sven „Mölli“ Möller (29) sind die Väter der Marke Tellem Caps. Seit 2015 verkaufen sie Kopfbedeckungen, die sie selbst designen und individuell anfertigen lassen.

Wenn die beiden über ihre großen Visionen sprechen, passt das so gar nicht zu ihrem kleinen Office, nördlich der Altstadt Lüneburgs. Zwar versprüht die Fabrikhalle mit ihren hohen Decken und Fenstern einen gewissen Start-up-Flair. Aber knapp 20 Quadratmetern reichen als Lager für eine international erfolgreiche Marke nicht aus – das soll Tellem Caps aber werden.

Raus auf dem „Nine-to-Five-Käfig“

„Wir leben jeden Tag unseren Traum“, sagt Timo, dessen graue Dadcap einen Schatten über seine Augen wirft. Eine der Hauptmotivationen für die eigene Marke sei es gewesen, aus dem „Nine-to-Five-Käfig“ ausbrechen. „Wir haben beide gemerkt, das macht uns nicht glücklich.“

Mölli sitzt am Schreibtisch es alten Büros, versteckt hinter einem großen Karton.
Die Kartons stapeln sich. Zeit für einen Umzug. Foto: Dustin Balsing

So sieht es auch Mölli, den gelben Schirm seiner roten Truckercap tief ins Gesicht gezogen: „Es fühlt sich richtig an, morgens aufzustehen und etwas für sich selbst zu machen. Sein eigener Chef zu sein.“ Man müsse sich zwar dennoch manchmal motivieren, Gas zu geben. Dabei spiele es ihnen aber in die Karten, zu zweit zu sein.

Entgegen der Norm

Der Einheitsbrei aus den immer wieder gleichen Motiven auf den Mützen, war der Auslöser, eigene Modelle zu gestalten. „Wir designen die Caps von A bis Z selbst. Viele große Labels haben einfach Rohlinge, die sie besticken lassen. Die haben dann auch festgelegte Größenstandards“, sagt Mölli. Vielen Leuten seien aber zum Beispiel die normalen Truckercaps zu hoch. Dem könnten sie dann mit eigenen Designs entgegenwirken.

Auf der Suche nach einer geeigneten Produktionsstätte haben sie über einen Kontakt in Hamburg ein größeres Familienunternehmen in Vietnam gefunden. Dort können sie ihre Caps individuell produzieren lassen, ohne auf Standardmodelle angewiesen zu sein.

Sport als Brücke in die USA

Doch Qualität allein reiche nicht. Die größte Schwierigkeit sei es, sich auf dem Markt einen Namen zu machen. Dafür setzen sie vor allem auf Kontakte in die Sportszene. Seit drei Jahren ist Tellem Caps Partner der Hamburg Towers, die seit dieser Saison in der Basketball Bundesliga spielen. „Wir sind sozusagen mit denen zusammen gewachsen“, sagt Mölli.

Timo und Mölli stehen unter einer Neonröhre.
Die beiden Gründer beraten über Pläne für das neue Office. Foto: Dustin Balsing

Viele ihrer Modelle ziert ein Ankermotiv, das die Verbindung der beiden Hamburger zu Norddeutschland symbolisiert. Der Norden des Landes soll jedoch nicht das Ende sein. Viel mehr soll es weit über Deutschland hinausgehen. Vor ein paar Monaten kontaktierte Timo den American-Football-Star George Kittel auf Instagram.

Auf einem Foto hatte dieser eine viel zu enge Snapback getragen. „Die ist fast geplatzt. Da hab ich ihm einfach geschrieben, ob er Bock auf eine XL-Cap von uns hat. Innerhalb von wenigen Stunden hat er geantwortet und meinte: ‚Klar, schick mal rüber.'“ Auf gleichem Wege haben es die Tellem Caps auch schon auf die Köpfe deutscher Fußballprofis geschafft.

Der neue Raum, fünfmal so groß

Pünktlich zum neuen Jahrzehnt ziehen die beiden in ein neues Büro. Zwischen der alten und der neuen Stätte liegt nur rund ein Kilometer. Der Dachgeschossraum misst ungefähr 100 Quadratmeter. „Damit verfünffachen wir uns“, sagt Timo.

Links vom Eingang stehen Kisten voller Shirts und Sticker. „Das ist nicht unser Kram, gehört Kai“. Kai-Hendrick Schröder ist Fotograf, macht alle Bilder für Tellem Caps und gehört damit zur „Handvoll Helfer“, die Timo und Mölli als Freelancer unterstützen. Für Timo selbstverständlich, dass er hier Sachen lagern kann.

Timo und Mölli stehen unter einer Dachschräge in ihrem neuen Büro. Um sie herum Kartons und Verpackungen.
Mit einem größeren Büro wollen Timo und Mölli ihre Marke auf das nächste Level heben. Foto: Dustin Balsing

Im Vergleich zum alten Büro hängen die Decken hier deutlich niedriger. Die hochgesteckten Ziele bleiben trotzdem.

Ziel: Den Weltmarktführer ablösen

Der neu gewonnene Platz soll nicht nur als Lager dienen. Zum Raumkonzept gehört auch eine Youtube-Ecke. Hier wollen die beiden Behind the Scenes und Tutorials rund um das Thema Caps produzieren. Das soll als zweites Standbein neben dem Influencer-Marketing ihre Reichweite erhöhen.

Wohin sie mit ihrer Marke einmal wollen? Mölli zögert nicht: „New Era in Deutschland ablösen.“ Das US-amerikanische Unternehmen New Era ist Weltmarktführer in Sachen Headwear. „Du brauchst große Visionen, um das Ding weiterzubringen.“

So sieht es auch Timo: „Ein junger Mann in Deutschland, der eine neue Cap will, soll in ein paar Jahren automatisch an Tellem denken und gar nicht erst vorher googeln.“

Titelbild: Dustin Balsing

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Dustin Balsing, geboren 1993, verwandelte als Kapitän seiner Tennismannschaft gleich zweimal den alles entscheidenden Matchball zum Aufstieg. Auch sonst ist er sportbegeistert. Neben Tennis und Basketball gilt seine größte Leidenschaft dem Fußball. Für sein Studium der Publizistik ging er als Numerus-Clausus-Flüchtling von Würzburg nach Wien. Dort schrieb der gebürtige Kölner und Hertha-Fan Beiträge und Moderationstexte für einen Nachrichtensender und arbeitete über ein Jahr als Online-Redakteur beim Sportportal “Laola1”. Wien ist für ihn wie ein riesiges Museum, nicht nur die Stadt, sondern auch der Dialekt machen ihm Spaß. Kölsch, Schwäbisch, Sächsisch, Berliner Schnauze: Dustin spricht zwar nicht jede Sprache, aber dafür so gut wie jeden Dialekt. Bald schnackt er auch wie ein Hamburger Jung. Kürzel: dub