Der 3. Mai ist der Internationale Tag der Pressefreiheit. Wir haben im Rahmen des Hamburger Mediendialogs mit der Journalistin Pavla Holcová über die Pressefreiheit in Europa gesprochen. 

Die Pressefreiheit in Europa ist in Gefahr: In Ungarn werden kritische Inhalte über die Regierung zensiert. Der öffentliche Rundfunk Polens ist in staatlicher Hand. In Österreich fordert die Partei FPÖ die Entlassung des Moderatoren Armin Wolf. Im Februar 2018 wurden der Journalist Ján Kuciak und seine Verlobte in der Slowakei erschossen. Die Umstände des Mordes sind bis heute nicht aufgedeckt.

Beim Hamburger Mediendialog treffen sich jedes Jahr rund 300 Verantwortliche aus Medienunternehmen, Verbänden, Medienaufsichten und der Wissenschaft aus der ganzen Welt. In Diskussionen und Vorträgen geht es um den Wandel der Medien und den damit verbundenen Herausforderungen.

Die tschechische Journalistin nahm an der Untersuchung der Panama Papers teil. Sie enthüllte geheime Investitionen des mazedonischen Geheimchefs und deckte Waffenlieferungen im Syrien-Konflikt auf der Plattform Organized Crime and Corruption Reporting Project (OCCRP) auf. 2018 wurde ihr der Global Shining Light Award verliehen und sie gründete die investigativ-journalistische Webseite investigace.cz. Zudem war sie eine Kollegin des 2018 erschossenen Journalisten Ján Kuciak.

FINK.HAMBURG hat beim Hamburger Mediendialog mit Pavla Holcová über die Pressefreiheit und den Journalismus in Europa gesprochen.

Wie beurteilst du die Pressefreiheit in Europa?

In Russland und der Ukraine sehen wir, dass Medien von einzelnen Personen aufgekauft werden. Wenn Minister auf einmal große Medienhäuser und große Unternehmen besitzen, müssen wir auch die Gesetze dazu ändern.

Wir müssen so schnell wie möglich in diesen Bereichen aufholen. Außerdem müssen Länder, die noch nicht mit so einer Konzentration von Macht zu kämpfen haben, anfangen, sich mit so einer Situation zu befassen. Es könnte auch sie bald treffen.

Auszüge der Rangliste der Pressefreiheit 2019.
Ein schneller Überblick über die Rangliste der Pressefreiheit 2019. Grafik: Carlotta Schaffner

Was muss sich in Europa ändern?

Wir sollten die Krise des Journalismus als eine Chance sehen, um ihn neu zu erfinden. Das alte Modell funktioniert nicht mehr. Als Journalistinnen und Journalisten nutzen wir immer noch nicht die Vorteile des Internets. Wir denken immer noch, dass die Berichterstattung im Online-Journalismus genauso abläuft wie auf Papier. Dabei könnten wir viel mächtigere Dinge mit dem Internet machen. Das betrifft nicht nur Europa, sondern die gesamte Welt.

Worin liegt die Macht des Online-Journalismus?

Wir haben viel mehr Möglichkeiten. Online können wir mehr Ebenen innerhalb einer Geschichte aufzeigen. Und dadurch den Menschen zeigen, dass diese Geschichten wirklich wichtig sind. Und dass wir wirklich hart an ihnen arbeiten.

Hast du Angst, als Journalistin in Europa zu arbeiten?

Nein. Man kann nicht wirklich als Journalistin arbeiten, wenn man Angst hat. Natürlich war es schrecklich, als mein Kollege Ján Kuciak ermordet wurde. Die Botschaft war klar: Wenn Ihr weiter Storys macht, werden wir Euch töten.

Der Mord hat dich nicht abgeschreckt?

Aber wenn ein Mord uns zum Schweigen bringt, versagen wir – als Journalistinnen und Journalisten und als Kolleginnnen und Kollegen von Jan. Deswegen antworten wir: Auch wenn Ihr uns bedroht, wir werden Eure Geschichten aufdecken. Jetzt erst recht!

Titelfoto: Andrea di Valvasone under CC/image cropped.

Vorheriger ArtikelPlanespotting: Auslösen, während andere abheben
Nächster ArtikelMietenmove: Demonstrieren für bezahlbares Wohnen
Simon Schröder, Jahrgang 1992, fehlt als Schönwetter-Surfer nur eines an seiner geliebten Heimatstadt: Dauersonne. Deshalb entflieht er jeden Sommer Hamburgs Schmuddelwetter und arbeitet als Wellenreitlehrer an der französischen Atlantikküste. Sein Studium der Kulturwissenschaften in Lüneburg war ihm zu theoretisch. Praktische Arbeit fand er nach seinem Abschluss bei den Online-Magazinen "Zeitjung" und "Bento". Mit seinem Gespür für Menschen interviewte er Pornoproduzenten, Freier und Lehrer. Wenn er es an seinem Schreibtisch nicht mehr aushielt, kochte er im Nil und Salt & Silver. Für seine zwei Mitbewohner macht er noch heute seine raffinierte Bolognese. Geheimzutat: Schokolade. Das würde er aber nie jemandem verraten. Kürzel: sis
Die Lieblingsfarbe von Carlotta Schaffner, Jahrgang 1995, ist marineblau – klar für eine echte Hamburgerin. Ihre Urgroßmutter führte ein Hutgeschäft auf der Mönckebergstraße, die Großeltern machten daraus später ein Modekaufhaus. Das Modejournalismus-Studium in Hamburg war für Carlotta die logische Konsequenz. Für die Fashionlabels Edited, Aeyde und Be Edgy Berlin war sie unter anderem für kurze Zeit Chefredakteurin, Head of PR oder die Praktikantin. Dabei kam sie auch mal mit Andreas Bourani ins Gespräch, es ging um Neurowissenschaften. Von Berlin ging es nach Lissabon: Dort lernte Carlotta zwar kein Portugiesisch, dafür aber fließend HTML, CSS und Javascript. Das Pastel de Nata tauschte sie für den Master wieder gegen Franzbrötchen – den Hamburger S(ch)nack mag sie immer noch am liebsten. Kürzel: cas