Im Prozess um Schüsse auf ein führendes Mitglied der Hells Angels auf St. Pauli hat das Landgericht Hamburg lange Freiheitsstrafen für zwei Angeklagte verhängt. Die Richter sahen es als erwiesen an, dass ein junger Mann die Tat plante.

Für Anstiftung zum Mord ist der 28-jährige Arash R. zu einer lebenslangen Haftstrafe verurteilt worden. Seine 24-jährige Freundin Lisa S. erhielt eine Freiheitsstrafe von zwölf Jahren und sechs Monaten. Sie fuhr das Auto, aus dem in der Nacht zum 27. August 2018 die Schüsse auf Hells-Angels-Boss Dariusch F. abgegeben worden waren.

Hells-Angels-Boss nach Schüssen schwer verletzt

Fünf Kugeln trafen das führende Mitglied der Rockerbande, als dieser in seinem weißen Bentley an einer Ampel nahe dem Millerntorpark hielt. Der 38-jährige Mann wurde lebensbedrohlich an Kopf und Oberkörper verletzt. Er ist seitdem querschnittsgelähmt und sitzt im Rollstuhl.

Der nun verurteilte Arash R. habe den noch immer unbekannten Schützen aus dem Gefängnis heraus zu der Tat angestiftet. Die Staatsanwaltschaft forderte dafür eine lebenslange Haftstrafe, dem kam das Gericht nach. Sein Verteidiger hatte auf Freispruch plädiert.

Die mitangeklagte Freundin hatte vor Gericht zugegeben, am Steuer des Wagens, aus dem die Schüsse abgefeuert wurden, gesessen zu haben. Lisa S. bestritt jedoch, von der Tat im Vorfeld gewusst zu haben. Sie sagte aus, den Schützen gegen kurz vor 22 Uhr am Hauptbahnhof eingesammelt und später dort wieder abgesetzt zu haben. Wegen versuchten, gemeinschaftlichen Mordes hatte die Staatsanwaltschaft für sie eine Freiheitsstrafe von 14 Jahren gefordert.

Racheakt vermutet

Polizei und Staatsanwaltschaft vermuten hinter der Tat einen Racheakt des Paares. Der Verurteilte war früher Mitglied der mittlerweile aufgelösten Rockerbande Mongols. Im Juni 2016 war das Paar Opfer eines Anschlags in einer Wohnung in Schnelsen geworden. Ein maskierter Täter hatte mehrere Schüsse auf sie abgefeuert. Das Paar überlebte schwer verletzt.

Die Ermittlungen gegen den Schützen vom August 2018 laufen weiter. Festgenommen worden ist bisher aber niemand, gab der Pressesprecher des Landgerichtes, Kai Wantzen, auf Nachfrage an. Man gehe davon aus, dass sich der Mann nach Bulgarien abgesetzt habe. Die Polizei wollte sich nicht zum Ermittlungsstand äußern. Polizeisprecher Timo Zill hatte kurz nach der Tat diese als „ungewöhnlich“ bezeichnet und eine Aufklärung „mit allen Ressourcen“ versprochen.

sju/dpa

Titelfoto: Mücahid Güler/dpa