Tickets für öffentliche Verkehrsmittel in Hamburg sind teuer. Für Studierende sind Semestertickets eine günstige Alternative. Doch wie schneidet Hamburg im Semesterticket-Vergleich mit anderen Bundesländern ab?

Hamburger*innen haben es lange geahnt, nun ist es offiziell: Hamburg hat deutschlandweit die teuersten Monatstickets für den öffentlichen Nahverkehr. Das geht aus dem Preisvergleich 2019 des ADAC hervor, den der Automobilclub im Juni dieses Jahres veröffentlichte. Die Monatskarte kostet derzeit 109,20 Euro.

Für Studierende stellt das Semesterticket eine günstige Alternative dar. Der Tarif ermöglicht eine dauerhaft vergünstigte Nutzung vieler Verkehrsmittel und häufig auch einen größeren Geltungsbereich. Doch sowohl die Kosten als auch die Reichweite variieren von Hochschule zu Hochschule.

FINK.HAMBURG hat sich die Semestertickets der größten Hochschulen und Universitäten aller 16 Bundesländer angeschaut und sie im großen Semesterticket-Vergleich gegenübergestellt.

Der große Semesterticket-Vergleich. Illustration: Isabel Surges
Die größten deutschen Universitäten und Hochschulen im großen Semesterticket-Vergleich. Illustration: Isabel Surges

DIE SEMESTERTICKETS IM RANKING

Um die Bundesländer möglichst fair vergleichen zu können, haben wir uns jeweils auf die größte Hochschule oder Universität – gemessen an der Anzahl der Studenten – eines Bundeslandes konzentriert. Für das Ranking der Semestertickets haben wir folgende vier Bewertungskriterien erarbeitet:

  1. Preis des Semestertickets und Anteil des Semesterbeitrags
  2. Größe des Geltungsbereichs
  3. Eventuelle Zusatzleistungen
  4. Erreichbarkeit von naheliegenden (Groß-)Städten

Für Studierende sind diese Kriterien von besonderer Bedeutung. Mit dem Ranking erheben wir nicht den Anspruch, die Universitäten und Hochschulen im Allgemeinen bewerten zu können, sondern beziehen uns lediglich auf diese vier Bewertungskriterien.

Die Hamburger Hochschulen

Die HAW, die UHH und die TUHH schneiden im Bundesvergleich insgesamt alle mittelmäßig ab. Der Betrag des Semestertickets beläuft sich bei allen auf 177,60 Euro und umfasst damit mehr als die Hälfte des Semesterbeitrags. Die Semesterbeiträge der beiden Universitäten unterscheiden sich um 60 Cent, während der Betrag der HAW um sieben Euro höher ist. Grund hierfür ist ein höherer AStA-Beitrag und höhere Semesterticket-Härtefonds. Die Hamburger Hochschulen punkten vor allem im Vergleich zu den regulären Preisen des HVV-Monatstickets.

Zu kritisieren ist der vergleichsweise geringe Geltungsbereich des Semestertickets. Das Ticket gilt lediglich für den HVV-Gesamtbereich Hamburgs. Umliegende Städte wie Bremen, Cuxhaven, Hannover, Kiel und Lübeck sind nicht kostenfrei zu erreichen. Der AStA befindet sich aktuell in Gesprächen mit dem HVV über das Semesterticket 2020.

„Alle Studierenden müssten für dieses Ticket mehr bezahlen.“

Zum 15. Dezember 2019 erweitert der HVV sein Tarifgebiet zwar bis in die Landkreise Cuxhaven, den Heidekreis, Rotenburg und Uelzen. Das gilt jedoch nur für Zeitkarten wie Wochen-, Monats- und Jahreskarten. Rainer Vohl, Pressesprecher des HVVs, erklärt gegenüber FINK.HAMBURG: „Der Geltungsbereich des Semestertickets bleibt auch im Jahr 2020 unverändert.“ Damit gemeint ist der HVV-Gesamtbereich ABCDE. Die Begründung: „Von einer weiteren Ausweitung der Gültigkeit des Semestertickets würden nur sehr wenige Studierende profitieren, gleichzeitig müssten aber alle Studierenden für dieses Ticket mehr bezahlen.“

Die Hamburger Hochschulen im großen Semesterticket-Vergleich. Illustrationen: Carlotta Schaffner

Unsere Favoriten

Im Bundesländervergleich schneidet das Semesterticket der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel am besten ab, weil der Geltungsbereich nicht nur gesamt Schleswig-Holstein abdeckt, sondern auch in Hamburg für die Bereiche A und B gültig ist. Aber auch Brandenburg, Nordrhein-Westfalen und Sachsen überzeugen mit ihrem Preis-Leistungs-Verhältnis.

Unsere Favoriten im großen Semesterticket-Vergleich. Illustrationen: Carlotta Schaffner

Verbesserungswürdig

Im benachbarten Niedersachsen, einschließlich der Hansestadt Bremen, deckt das Semesterticket des Verkehrsbundes VBN ein sehr großes Geltungsgebiet ab. Allerdings sind Semesterbeitrag und Anteil des Tickets hier überdurchschnittlich hoch. In Bremen und Frankfurt können dafür kostenlos einige Kultureinrichtungen besucht werden. Im Gegensatz hierzu müssten insbesondere Bundesländer wie Bayern, Berlin und Sachsen-Anhalt an der Größe ihres Geltungsbereichs arbeiten.

Die verbesserungswürdigen Hochschulen und Universitäten im großen Semesterticket-Vergleich. Illustrationen: Carlotta Schaffner

Unsere Verlierer

Im Semesterticket-Vergleich schnitten Thüringen und Baden-Württemberg am schlechtesten ab. Größte Kritik sind Zusatzkosten, eingeschränkte Nutzung oder unverhältnismäßig hohe Preise für kleine Geltungsbereiche. So kommen Studierende beispielsweise in Rostock und in Jena mit dem Ticket kaum aus der Stadt heraus.

Unsere Verlierer im großen Semesterticket-Vergleich. Illustrationen: Carlotta Schaffner

FAZIT

Schleswig-Holstein, Brandenburg, Sachsen und Nordrhein-Westfalen sind im Semesterticket-Vergleich der Bundesländer unsere Sieger. Während die restlichen Semestertickets beim Preis-Leistungs-Verhältnis schwächeln oder der Geltungsbereich gerade mal bis zur nächsten Straßenlaterne reicht, fahren Studierende anderer Städte wie etwa Kiel oder Bremen zu fairen Preisen zum Kurzurlaub ans Wasser oder in naheliegende Städte.


Titelillustration: Judith Kranz

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Isabel Surges, Jahrgang 1994, ist bilingual aufgewachsen. Von ihrem Vater hat sie nicht nur die spanische Sprache gelernt, sondern auch ihren venezolanischen Zweitnamen bekommen: Yahaira. In Venezuela war sie zwar noch nicht, dafür allerdings mit dem Rucksack in Australien und für ein Semester in Málaga. Einen Kulturschock erlebte die gebürtige Düsseldorferin aber erst durch ihren Umzug nach Köln. Dort studierte sie Medienkulturwissenschaften sowie Germanistik und experimentierte mit neuen Formatideen im Innovationslabor der Filmproduktionsfirma Ufa. Auf deren Partys spielte sie unter anderem mit Joe Gerner Tischtennis. Als Community Managerin in den Kommentarspalten des WDR lernte sie auch die raueren Seiten des digitalen Diskurses kennen. Zuletzt schrieb sie für die Kulturredaktion der Deutschen Welle – oder wie Yahaira sagen würde: La ola alemana. Kürzel: isu
Kim Staudt, Jahrgang 1996, hasst Hasskommentare. Als Werkstudentin in der Online-Redaktion der “FAZ” moderierte sie Leserkommentare und las dabei mehr Scheußlichkeiten als ihr lieb war. Es war ein harter Wechsel: Kurz davor hatte sie in der Redaktion von “InStyle” noch Kisten voller Designerstücke aus Mailand, Paris und New York durchwühlt und beim Onlinemagazin “GQ” live über die Wahl zum “Mann des Jahres” gebloggt. Ihr Lieblingsroman ist “Das Bildnis des Dorian Gray” von Oscar Wilde, “Die Leiden des jungen Werthers” las sie im Garten des Goethe-Hauses in Frankfurt. Natürlich durfte es auch für das Germanistik- und Amerikanistikstudium nur die dortige Goethe-Universität werden. Am liebsten mag sie Filme mit Plot Twist - und Serien mit F: “Fargo”, “Friends” und modern “Family”. Kürzel: kis
Luise Reichenbach, Jahrgang 1994, hat vier Vornamen, nutzt aber keinen davon. Die Hamburgerin legt sich nicht gerne fest: Sie zog von Hamburg nach Bayern, wechselte von Wirtschaft zur Kommunikationswissenschaft und redet mal über Schrotträder, mal über moderne Malerei. Im Zweitfach studierte Lissy Kunstgeschichte und lernte beim deutschen Cocktailmeister den perfekten Whiskey Sour zu mixen. Bei Scholz & Friends in Berlin arbeitete sie unter anderem für Amnesty International, Mercedes und Vodafone. Für Montblanc organisierte sie Messen für die neuen Kollektionen in ihrer Heimatstadt Hamburg. Am Wochenende steht sie im Schanzenviertel am Kickertisch oder klappert mit ihrem Rad die Flohmärkte ab, immer auf der Suche nach seltenen Bildern oder neuem Lesestoff. Kürzel: lr
Die Lieblingsfarbe von Carlotta Schaffner, Jahrgang 1995, ist marineblau – klar für eine echte Hamburgerin. Ihre Urgroßmutter führte ein Hutgeschäft auf der Mönckebergstraße, die Großeltern machten daraus später ein Modekaufhaus. Das Modejournalismus-Studium in Hamburg war für Carlotta die logische Konsequenz. Für die Fashionlabels Edited, Aeyde und Be Edgy Berlin war sie unter anderem für kurze Zeit Chefredakteurin, Head of PR oder die Praktikantin. Dabei kam sie auch mal mit Andreas Bourani ins Gespräch, es ging um Neurowissenschaften. Von Berlin ging es nach Lissabon: Dort lernte Carlotta zwar kein Portugiesisch, dafür aber fließend HTML, CSS und Javascript. Das Pastel de Nata tauschte sie für den Master wieder gegen Franzbrötchen – den Hamburger S(ch)nack mag sie immer noch am liebsten. Kürzel: cas

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