Ein Hamburger Parkhaus wird diesmal zum Catwalk der Modenschau A+ der Modedesign-Studierenden der HAW Hamburg. Insgesamt werden 204 Outfits gezeigt. Das Orga-Team erklärt, wie nachhaltig so eine Veranstaltung sein kann.

„Wir wollen was anders machen, nachdem wir so lange in der Handelskammer waren“, sagt Marika Hellmund, die zusammen mit Viola Volk für die Planung von A+ zuständig ist. Zum zehnten Geburtstag zieht die Schau der Modedesign-Studierenden der HAW Hamburg um. In die Rindermarkthalle – genauer gesagt, ins Parkhaus der Halle. Da ist mehr Platz für eine Bar, Lounge und Ausstellung, die von sechs Hamburger Designer*innen gestaltet wird.

Und es gibt weitere Neuigkeiten: Erstmals wird in einer Galerie ein Überblick über die letzten neun Jahre gegeben und ein Award verliehen.

Am Montag und Dienstag fand das finale Fitting für die Modenschau am Sonntag statt. Foto: Carlotta Schaffner.

1700 Zuschauer erwartet

Bei der Suche nach einer neuen Location haben sich Marika und Viola an die Hamburg Kreativ Gesellschaft gewendet, die dann das Parkdeck vorschlug. Das ist groß genug, schließlich werden 1700 Zuschauer erwartet. Das war nicht das einzige Argument für den Ortswechsel. „Uns hat das Flair der Rindermarkthalle begeistert“, so Viola.

Auch die Geschichtsträchtigkeit des denkmalgeschützten Gebäudes und die stadtpolitischen Konflikte, die mit seiner Sanierung einhergingen, hätten sie interessiert. Zum Beispiel, dass neben kultureller und sozialer Nutzung durch Initiativen vor allem viele Flächen für den Einzelhandel geschaffen worden seien. „Das fanden wir für die Umsetzung der Show interessant.“

Um die Verwendung des Geländes, das jahrzehntelang als Viehmarkt genutzt wurde, hatten sich Unternehmen, Vereine und die Politik mehrere Jahre gestritten. Im Jahr 2014 wurde der Komplex wiedereröffnet.

Ein Blick hinter die Kulissen

Das tägliche Geschehen zwischen Supermärkten und Restaurants im Erdgeschoss wird die Show dramaturgisch wiederspiegeln. „Damit alles, was man dort unten einkaufen kann, so schön aussieht, passiert viel im Hintergrund. Und genauso ist es bei uns auch: Hinter allem, was wir auf dieser Show präsentieren, steckt sehr viel Arbeit.“ Die Studierenden wollen ihre Zuschauer*innen hinter die Kulissen blicken lassen.

Viola und Marika studieren Modedesign im fünften Semester und organisieren die Show, damit die Absolvent*innen sich auf ihren Abschluss konzentrieren können. „Bei uns gibt es eine Art Generationenvertrag. Das fünfte Semester veranstaltet die Show mithilfe der Dritt- und Erstsemester“, sagt Marika.

Insgesamt werden am Sonntag 204 Outfits gezeigt. Darunter die Abschlussarbeiten der 25 Absolvent*innen, von denen drei ihre Masterkollektion vorstellen.

Neu ist die Verleihung eines Award für die beste Bachelor- und Masterkollektion. Der „A+ Award by Levantehaus“ ermöglicht den Gewinner*innen ein Startkapital. Außerdem gibt es anlässlich des Jubiläums eine Galerie, die die Ausschnitte der letzten neun Jahre A+ zeigt, und eine Ausstellung, die sechs Hamburger Designer*innen gestalten. HAW-Alumni selbstverständlich.

Geliehen, gerettet oder aus dem Alltag genommen

Das Plakat zur diesjährigen A+. Foto: Maximilian Koppernock.

Nachhaltigkeit ist das große Thema der diesjährigen Veranstaltung. Seit die Planung im Sommer letzten Jahres begonnen hat, versuchen die Organisator*innen bei jeder Anschaffung zunächst zu hinterfragen, ob man diese nicht auch leihen oder irgendwie anders gestalten könnte.

Bauzäune, Paletten, Dekoration: Unter nachhaltigen Rahmenbedingungen zu planen, bringe auch einen stilistischen Mehrwert mit sich, erzählt Marika. „Angefangen haben wir bei den Werbemitteln, die wir in der Umweltdruckerei in Auftrag gegeben haben. Mittlerweile werden nachhaltige Ressourcen auch im Technikteam, in der Dramaturgie und für die Bar und Lounge als richtig coole Stilelemente genutzt.“

Geliehen, vor dem Müll gerettet oder aus dem Alltag genommen und neu verwendet: Dabei ginge es ist nicht um das Sparen, sondern vorrangig ums Umdenken, der Umwelt zu Liebe. Das spiegelt sich auch im Unterricht an der Hochschule wieder: Seit diesem Jahr wird an der Fakultät Design der HAW Hamburg der Kurs „Sustainable Fashion“ angeboten, den auch Marika und Viola belegen. Ihnen seien die Impulse aber nie strikt genug gewesen.

Fitting der weiblichen Models, sieben Tage vor der Modenschau. Fotos: Carlotta Schaffner

Immer mehr Möglichkeiten für nachhaltiges Design

„Wenn man von vorne bis hinten nachhaltig arbeitet, fallen einem mehr Sachen auf. Wie zum Beispiel, dass, wenn ich bei einem Stück aus Baumwollstoff ein Polyestergarn verwende, das Stück nicht mehr komplett kompostierbar ist“, sagt Marika.

An der HAW Hamburg spricht man auch von Zero-Waste-Verfahren. Bei den Schnittkursen beispielsweise: Um so wenig Verschnitt wie möglich zu produzieren, arbeiten die Studierenden mit digitalen Schnittprogrammen wie CLO 3D, das unter anderem die beste Nutzung einer Stoffbahn errechnet.

Die A+10 findet am 14. Juli in der Rindermarkthalle statt. Tickets für die beiden Shows um 17 und um 20 Uhr gibt es online oder beim Rundgang Finkenau vom 11. bis 13. Juli.

Titelfoto: Carlotta Schaffner

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Die Lieblingsfarbe von Carlotta Schaffner, Jahrgang 1995, ist marineblau – klar für eine echte Hamburgerin. Ihre Urgroßmutter führte ein Hutgeschäft auf der Mönckebergstraße, die Großeltern machten daraus später ein Modekaufhaus. Das Modejournalismus-Studium in Hamburg war für Carlotta die logische Konsequenz. Für die Fashionlabels Edited, Aeyde und Be Edgy Berlin war sie unter anderem für kurze Zeit Chefredakteurin, Head of PR oder die Praktikantin. Dabei kam sie auch mal mit Andreas Bourani ins Gespräch, es ging um Neurowissenschaften. Von Berlin ging es nach Lissabon: Dort lernte Carlotta zwar kein Portugiesisch, dafür aber fließend HTML, CSS und Javascript. Das Pastel de Nata tauschte sie für den Master wieder gegen Franzbrötchen – den Hamburger S(ch)nack mag sie immer noch am liebsten. Kürzel: cas