Wie bleiben Studierende auch in stressigen Zeiten gesund? Mit dieser Frage beschäftigt sich ein neues Forschungsprojekt an der HAW Hamburg. FINK.HAMBURG hat mit Gesundheitswissenschaftlerin Kathrin Poggel darüber gesprochen. 

Viel Stoff, zwischendurch Praktika und alles bitte in der Regelstudienzeit: Studierende an Hochschulen in Deutschland spüren immer größeren Druck. Das ist das Ergebnis der Studie „Gesundheit Studierender in Deutschland 2017“ der Techniker Krankenkasse (TK). 2017 befragte das Unternehmen gemeinsam mit dem Deutschen Zentrum für Hochschul- und Wissenschaftsforschung (DZHW) und der Freien Universität Berlin mehr als 6.000 Studierende und erhob damit zum ersten Mal bundesweit Daten zum Gesundheitszustand deutscher Studierender.

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24,4 Prozent der Studierenden an Deutschen Hochschulen fühlen sich zunehmend unter Druck gesetzt.
24,4 Prozent der Studierenden an Deutschen Hochschulen fühlen sich zunehmend unter Druck gesetzt.

Insgesamt fällt das Ergebnis aber gar nicht schlecht aus: 82 Prozent der Befragten geben an, dass es ihnen „gut“ und sogar „sehr gut“ geht. Jedoch sagen 24,4 Prozent, also fast ein Viertel, dass sie unter starkem Stress stehen und sich erschöpft fühlen – und damit erste Symptome eines Burn-outs zeigen.

Gesund studieren an der HAW Hamburg

Um dem wachsenden Druck entgegenzuwirken und das Gesundheitsbewusstsein an der HAW Hamburg unter Studierenden und Beschäftigten zu stärken, wurde das Forschungsprojekt CamPuls ins Leben gerufen. Die Aufgabe: Probleme und Bedürfnisse im Hochschulalltag entdecken und herausfinden, welche Angebote Studierende und Beschäftigte brauchen, um gesund auch durch stressige Phasen zu kommen. Dazu gehört zum Beispiel, die Studierende für die eigene Gesundheit zu sensibilisieren und ein gesundes Hochschulumfeld zu schaffen.

Im Januar ist das Projekt offiziell angelaufen. Kathrin Poggel hat Gesundheitswissenschaften an der HAW Hamburg studiert und arbeitet jetzt als wissenschaftliche Mitarbeiterin neben Projektleiter Prof. Dr. Wolf Polenz  und Diplom-Gesundheitswirtin Nina Hielscher an dem Projekt.

FINK im Gespräch mit Kathrin Poggel, Wissenschaftliche Mitarbeiterin am Projekt CamPuls
FINK.HAMBURG im Gespräch mit Kathrin Poggel, Wissenschaftliche Mitarbeiterin am Projekt CamPuls

Schon während ihres Studiums war die Gesundheit der Studierenden etwas, worüber sie sich Gedanken gemacht hat. „Wir haben knapp 18.000 Studierende an unserer Hochschule – nach den erhobenen Daten der Techniker Krankenkasse ist davon rund ein Viertel potenziell gefährdet, psychisch zu erkranken. Und dann sollen die Studierenden aber nach ihrem Studium als qualifizierte Fach- oder vielleicht auch Führungskräfte in Unternehmen gehen und da Arbeit leisten.“ Wie es ihnen nach dem Studium geht, rückt da in den Hintergrund. „Das ist schon erschreckend.“

37 Prozent der Berufsunfähigkeiten werden durch psychische Erkrankungen oder Nervenkrankheiten verursacht. Quelle: Statista

Auch deshalb, weil wir uns auf anderen Ebenen regelmäßig mit unserer Gesundheit beschäftigen und beschäftigt werden: „Das Thema Gesundheitserziehung kommt von der Kita über die Grundschule bis hin zum Abitur eigentlich immer mal wieder auf, sei es durch Aufklärungsunterricht oder Suchtkampagnen. Es passiert aber nichts mehr in der Hochschule. Aber das ändern wir jetzt,“ sagt Kathrin Poggel.

Für die Veränderung wirken auch hochschulinterne Partner*innen an dem Projekt mit wie zum Beispiel

Denn mal eben so etwas ändern an der Hochschule, geht natürlich nicht: „Wir sind angewiesen auf die Mitarbeit der verschiedenen Bereiche, um langfristig etwas zu erreichen,“ so Kathrin Poggel.

Studierende im Mittelpunkt

Studierende an der Fakultät Life Sciences der HAW Hamburg
Studierende an der Fakultät Life Sciences der HAW Hamburg Foto: Pressefoto der HAW Hamburg

Am wichtigsten ist jedoch die Mitarbeit der Studierenden selbst, denn sie betrifft es letztendlich, sie müssen die Angebote wahrnehmen. Kathrin Poggel erklärt, wie sie eingebunden werden: „Wir führen Interviews mit Fokusgruppen und gehen von Fakultät zu Fakultät, um so mit möglichst vielen Studierenden ins Gespräch zu kommen.“

Durch die Corona-Krise sei es allerdings gar nicht so einfach, an die Studierenden heranzukommen. Das Team kann nicht einfach in Veranstaltungen gehen, um ihr Projekt vorzustellen und dafür zu werben.

Doch das ist dringend notwendig, um die unterschiedlichen Bedürfnisse der Studierenden festzustellen. Kathrin Poggel: „Was brauchen die Studierenden am Campus Finkenau, was brauchen die am Campus Berliner Tor? Da gibt es viele verschiedene Bedarfe oder auch Probleme, die wir erfassen und dann systematisch angehen wollen.“

Gesundes Verhalten fördern

Zwei Ziele hat das Projekt: Gemeinsam mit den Studierenden die Angebote finden, die sie gerade brauchen. „In diesem Semester war zum Beispiel das Homeoffice eine große Herausforderung. Da hatten wir dann schon verschiedene Webinare zum Zeit- und Selbstmanagement, aber auch ein Webinar zur Selbstfürsorge,“ so Poggel. Gleichzeitig will das Team auf bereits bestehende Angebote aufmerksam machen. So gibt es beispielsweise im Rahmen des Hochschulsports regelmäßig ein Seminar zum Thema Mentalstrategien.

Gesunde Verhältnisse schaffen

Der andere Teil ist die Verhältnisebene. Dabei geht es um die Umstände des Studiums, durch die Studierende erkranken können, beispielsweise in Prüfungsphasen, oder auch dadurch, wie die Bibliotheken und andere Räume eingerichtet sind. Auch die Frage, wie das Thema Gesundheit überhaupt bei den Lehrenden präsent ist, spielt eine Rolle.

Nur wenn hochschulintern ein Umdenken stattfindet, kann Gesundheit auch in der Lehre stattfinden. Kathrin Poggel setzt hohe Ziele: „Gesundheit sollte, genauso wie Digitalisierung zum Beispiel, im Leitbild einer Hochschule verankert sein. So kann das Gesundheitsmanagement für Studierende mit dem BGM für Mitarbeitende am Ende auch ein Hochschulgesundheitsmanagement werden.“

Mitmachen in den Sozialen Medien

Sich mit der eigenen Gesundheit zu beschäftigten, ist wichtig – und kann auch Spaß machen. Auf Instagram fordert CamPuls seine Follower*innen mit unterschiedlichsten Aktionen zum Mitmachen auf. So gab es etwa schon eine Kräutergarten-Challenge und es wurden Rezepte zum Nachkochen aus einem Kochbuch vorgestellt, das Studierende der Ökotrophologie zusammengestellt haben. Weitere Aktionen folgen bestimmt. Damit das Thema Gesundheit dauerhaft präsent bleibt.

Fotos: Pressefotos der HAW Hamburg, Screenshot Zoom