Ein ehemaliger Polizist aus München hat bei der Anti-G20-Demo „Welcome to Hell“ vor drei Jahren eine Bierdose auf Polizist*innen geworfen. Das Amtsgericht Altona sprach ihn dennoch frei.

An diesem Montag sprach das Amtsgericht Altona einen ehemaligen Polizisten aus München frei, der auf der G20-Demonstration eine Bierdose auf die Polizisten im Einsatz geworfen hatte. Dem 38-Jährigen sei nicht nachzuweisen, dass er bei dem Dosenwurf in Richtung Polizei billigend in Kauf genommen habe, seine früheren Kolleg*innen zu verletzen, begründete der Richter den Freispruch. Gleiches gelte für seine Freundin, die ihn auf die Demo begleitet und auch eine Dose geworfen hatte.

Der ehemalige Polizist war privat auf der Demo unterwegs. Dass die Angeklagten die Dosen während der „Welcome to Hell“-Demo am 6. Juli 2017 am St. Pauli-Fischmarkt von einer Brücke aus in Richtung vorrückende Polizei warfen, war unstrittig und durch Videoaufnahmen belegt.

Richter: „Im Zweifel für den Angeklagten“

Die Staatsanwaltschaft hatte dem Mann, der nach Aufnahme der Ermittlungen gegen ihn aus dem Polizeidienst ausgeschieden war, versuchte gefährliche Körperverletzung und tätlichen Angriff auf Vollstreckungsbeamte vorgeworfen und ein Jahr Haft auf Bewährung gefordert. Weil die Frau eine fast leere Dose geworfen hatte, sollte sie wegen versuchter einfacher Körperverletzung und tätlichen Angriffs zu einer Geldstrafe verurteilt werden. Die Verteidigung plädierte auf Freispruch.

Der Angeklagte, der mittlerweile Medizin studiert, hatte Anfang Juli gestanden, die Bierdose geworfen zu haben. Auch seine Freundin räumte den Wurf ein. Beide gaben an, dass sie so den Unmut über den aus ihrer Sicht völlig überzogenen Polizeieinsatz zum Ausdruck bringen wollten. Sie bestritten allerdings, jemanden damit mutwillig verletzen zu wollen.

Das Urteil sei gemäß dem Leitspruch „Im Zweifel für den Angeklagten“ und nicht aufgrund erwiesener Unschuld gefällt worden, betonte der Richter. Die Staatsanwaltschaft will nun prüfen, Rechtsmittel gegen den Freispruch einzulegen.

ans/dpa

Titelbild: Christian Charisius/dpa

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Es gibt keine Zeile im Film „My Fair Lady“, die Aniko Schusterius, Jahrgang 1996, nicht fehlerfrei mitsprechen kann. Trotz dieses Talents, zehn Jahren Gesangsunterricht und ihres großen Interesses für Musicals hat sich die Berlinerin letztlich gegen eine Bühnen-Karriere entschieden. Nach dem Abitur arbeitete sie als Regie- und Produktionsassistentin in verschiedenen Kindertheatern. Dort musste sie unter anderem lernen, dass Luftballons auf einem Straßenfest eine hochkomplexe bürokratische Hürde darstellen können. Während ihres Bachelors in Theaterwissenschaften und Niederlandistik lebte sie ein halbes Jahr in Groningen. Dort fühlte sie sich wegen des entspannten Lifestyles wohl, und auch, weil sie mit ihren 1,82 Meter das erste Mal nicht auffiel. Für die „Berliner Zeitung“ veröffentlichte sie erste Kolumnen. Auch mit Radio kennt sie sich aus: An der „Frankfurter Hörfunkschule“ lernte sie texten und einsprechen. Vor dem Start an der HAW sammelte Aniko noch mehr Medien-Erfahrung durch Praktika bei „Radioeins“ und beim Fernsehkanal der „Welt“ in Berlin. Dort lauerte sie auch schon mal frühmorgens vor einem Hotel, um Gesundheitsminister Jens Spahn einen O-Ton zu entlocken. Kürzel: ans