Die Welt wartet auf einen Impfstoff gegen das Corona-Virus. Gegen Influenza gibt es schon einen – aber warum wird eigentlich nicht jeder geimpft? FINK.HAMBURG liefert die wichtigsten Fakten zur Grippeschutzimpfung.

1. Für wen ist die Impfung sinnvoll?

Das Robert-Koch-Institut (RKI) empfiehlt eine jährliche Grippeschutzimpfung für folgende Gruppen:

  • Personen ab 60 Jahren
  • Bewohner*innen in Alten- und Pflegeheimen
  • Schwangere ab dem zweiten Schwangerschaftsdrittel
  • Chronisch Erkrankte mit erhöhter gesundheitlicher Gefährdung
  • Personen, die mit vielen Menschen in Kontakt kommen. Dazu zählt auch medizinisches Personal.

Eine Impfpflicht gibt es jedoch nicht, das betont Gesundheitsminister Jens Spahn auf einer Bundespressekonferenz.

Bei gesunden Personen unter 60 Jahren verläuft die Erkrankung in der Regel ohne schwerwiegende Komplikationen. Daher empfiehlt die Ständige Impfkommission (STIKO) des RKI keine Impfung für diese Gruppen. Sie rät allerdings auch nicht davon ab.

2. Warum muss man sich jedes Jahr neu impfen lassen?

Viren(-gruppen) können sich wandeln, daher wird der Impfstoff jährlich angepasst. Außerdem lässt der Impfschutz im Laufe der Zeit nach: Immun ist man nach Impfung nur für sechs bis zwölf Monate.

3. Wogegen schützt die Grippeimpfung?

Die Impfung schützt gegen das Influenzavirus – eine hoch ansteckende Atemwegserkrankung, die über Tröpfcheninfektionen übertragen wird. Umgangssprachlich wird die Erkrankung auch als Grippe bezeichnet. Insbesondere ältere Menschen haben ein erhöhtes Risiko, einen schweren Krankheitsverlauf zu erleiden. Die Erkrankung kann zu Lungenentzündungen, Herzinfarkten oder sogar zum Tod führen. Bei jüngeren Menschen treten in der Regel keine größeren Komplikationen auf.

4. Wo kann ich mich impfen lassen?

Grundsätzlich kann jeder Hausarzt und jede Hausärztin eine Grippeschutzimpfung durchführen. Auch die Gesundheitsämter bieten die Impfungen an. Eine Übersicht für Hamburg ist hier verlinkt. Teilweise bieten Unternehmen die Impfungen auch direkt im Betrieb an.

5. Gibt es Nebenwirkungen?

In der Regel treten keine Nebenwirkungen auf. Lokalreaktionen wie leichte Schmerzen, eine Schwellung und Rötung an der Impfstelle sind jedoch möglich. Außerdem kann es zu Allgemeinsymptomen wie Müdigkeit, Gliederschmerzen und Frösteln kommen. Die Nebenwirkungen sollten nach ein bis zwei Tagen wieder verschwinden. Eine Grippeerkrankung ist nicht möglich, da mit einem Totimpfstoff geimpft wird; das heißt in der Injektion sind inaktivierte Viren(-bestandteile) enthalten.

6. Wie viele Bürger*innen lassen sich impfen?

Impfquote Influenza

Grafik erstellt mit Piktochart von Bennet Möller, Quelle: Rieck et al., Epid Bull 44/2019

*Zum Krankenhauspersonal zählen der ärztliche Dienst, das Pflegepersonal sowie Verwaltungsmitarbeiter*innen.

Die Daten basieren auf den Angaben von sieben Bundesländern (Baden-Württemberg, Berlin, Brandenburg, Bremen, Mecklenburg-Vorpommern, Sachsen-Anhalt und Thüringen) und schwanken teilweise stark: In Baden-Württemberg lag die Impfquote für Erwachsene mit chronischen Grundleiden im Jahr 2018/19 beispielsweise bei 20,2%, in Sachsen-Anhalt bei 54,3%.

Ausführliche Daten sind in einer Publikation des RKI zu finden.

7. Muss ich die Impfung selbst bezahlen?

Krankenkassen übernehmen die Kosten der Grippeschutzimpfung bei Risikogruppen. Viele Krankenkassen zahlen des Weiteren auch für Kund*innen, die nicht zu einer Risikogruppe gehören. Eine Übersicht dieser Krankenkassen ist hier zu finden. Auf Selbstzahler kommen Kosten in Höhe von in etwa 60 Euro zu (Impfstoff und ärztliche Leistung).

8. Was ist im Impfstoff drin?

Um umfassend zu schützen, wird einmalig ein Vierfach-Impfstoff gegen die unterschiedlichen Stämme des Virus injiziert. Der Körper benötigt nach der Injektion zehn bis 14 Tage, um einen vollständigen Impfschutz aufzubauen.

In Deutschland sind Impfstoffe zahlreicher Hersteller erhältlich. Dabei handelt es sich zum Großteil um Totimpfstoffe. Für Kinder ist außerdem ein Lebendimpfstoff zugelassen. Dieser besteht aus sehr geringen Mengen funktionsfähiger Keime und wird als Nasenspray verabreicht. Das Paul-Ehrlich-Institut bietet eine detaillierte Übersicht mit den Inhalten der Impfstoffe.

9. Wer darf nicht geimpft werden?

Personen, die eine schwere Allergie gegen Hühnereiweiß haben oder allergisch auf andere Bestandteile des Impfstoffs reagieren. Wer an einer fieberhaften Erkrankung oder akuten Infektion leidet, sollte mit der Impfung warten. Kinder und Jugendliche, die an einer akuten Immunschwäche oder schwerem Asthma leiden oder eine Salicyat-Therapie erhalten, dürfen keinen Influenza-Lebendimpfstoff erhalten.

10. Warum ist die Grippeschutzimpfung gerade während der Corona-Pandemie so wichtig?

Neben dem individuellen Schutz bietet eine hohe Impfquote auch Schutz für das Gesundheitssystem. Schwere Influenza-Erkrankungen werden oft intensivmedizinisch behandelt – das bindet Kapazitäten in den Krankenhäusern. Eine hohe Impfquote vermeidet schwere Krankheitsverläufe und somit Engpässe.

Quelle: Die Empfehlungen und Informationen beziehen sich, sofern nicht anders angegeben, auf Angaben des RKI.

Titelbild: Karolina Grabowska, Pexels

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Bennet Möller, Jahrgang 1995, stand schon mal im Finale einer Deutschen Meisterschaft – im Futsal, einer besonders schnellen Form des Hallenfußballs. Das war 2019, als Bennet noch mit dem Studium der Politikwissenschaft an der Universität Hamburg beschäftigt war. Beim Unternehmen Jungheinrich, berühmt für seine Lagertechnik, arbeitete er in der Kommunikationsabteilung – er saß auch schon mal selbst auf einem Gabelstapler. Für das politische Bildungsforum der Konrad-Adenauer-Stiftung organisierte er Veranstaltungen mit Politikern, Wissenschaftlern und Wirtschaftsleuten. Yuval Noah Hararis „Kurze Geschichte der Menschheit“ ist sein Lieblingssachbuch, und überhaupt liest er lieber, als Fernzusehen. Auch Fußball spielt er lieber selbst, als es auf einem Bildschirm zu verfolgen. Kürzel: bem